Heroen im Anti-Gender-Kampf
Thema: „Gendern“ ist in der heutigen Zeit ein viel umstrittenes Thema – In Nord-Sachsen hat man nun „echten Einsatz“ gegen die Einbindung von Frauen in die deutsche Sprache gezeigt.
Werner Kolhoff | 03.01.2025
Thema: „Gendern“ ist in der heutigen Zeit ein viel umstrittenes Thema – In Nord-Sachsen hat man nun „echten Einsatz“ gegen die Einbindung von Frauen in die deutsche Sprache gezeigt.
Werner Kolhoff | 03.01.2025

Da hat einer ganze Arbeit geleistet am Rande des „Militärischen Sicherheitsbereiches Annaburger Heide“ in Nordsachsen. Auf mehreren Kilometern sind alle Zutrittsverbots-Schilder teilweise geschwärzt worden. Rund 50 an der Zahl. Gestrichen wurde aus dem Absender „Die Standortälteste/Der Standortälteste“ jeweils die weibliche Form. Wenn das nicht echter Einsatz gegen das Gendern ist… Nun kann man mit Fug und Recht über den Begriff „Standortälteste(r)“ diskutieren. Er stammt noch aus Wehrmachtszeiten und meint die Person, die in zivilen Anliegen das Sagen am Standort hat. Es hätte für das Verständnis der Schilder gereicht, es bei „Blindgänger! Lebensgefahr! Unbefugtes Betreten des Platzes ist verboten.“ zu belassen. Ohne Absender. Oder nur „Die Bundeswehr“ drunter zu setzen. Aber wenn schon ein „Standortältester“ der Warnung Autorität verleihen soll, dann lieber beide Geschlechter, dachte man sich wohl bei den Verantwortlichen. Denn „der“ Standortälteste kann auch eine „die“ sein, wie 2017 im nahen Truppenübungsplatz Lehnin geschehen. Und dann steht man blöd da vor der neuen Chefin. Interessant ist, mit welcher Akribie der Sprayer zu Werke ging. Er – gehen wir einmal davon aus, dass es ein Mann war – hat so sauber gearbeitet, dass meist nicht einmal mehr lesbar ist, was hier übertüncht wurde. Außer an einigen wenigen Schildern, wo die „Standortälteste“ dann doch durchschimmert. Was für eine Mühe! „Sind sie so verunsichert, wenn Frauen in der Sprache auch nur miterwähnt werden?“ Das ist die wahre „Letzte Generation“ – aufrechter Männer. Ähnlich agieren die Anti-Gender-Aktivisten in der Politik. In Thüringen warb die AfD mit „Deutsch statt gendern“ um Stimmen. Und CSU-Chef Markus Söder ruhte im letzten Jahr nicht, bis das Gendern in der Verwaltung und an den Schulen seines Freistaats gesetzlich verboten war. Vom ebenso unsinnigen „Gebot“ des Genderns, das manche Linke und Grüne wollten, ging es hier direkt zum „Verbot“. Begründung: „In Bayern dürfen die Menschen sagen, was sie wollen.“ Söder ist eben immer für unfreiwillige Komik gut. Kann man ja machen, aber warum nur diese Verbissenheit? Ein Doppelpunkt im Wort, ein Binnen-I oder die gesonderte Nennung beider Geschlechter, und schon rasten einige Männer aus wie ein iranischer Sittenpolizist, der ein Mädchen ohne Kopftuch entdeckt. Ob im Wald in Nordsachsen oder in der großen Politik. Sind sie so verunsichert, wenn Frauen in der Sprache auch nur miterwähnt werden?
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