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Hangry im Januar: Zwischen Winterblues und Werbeversprechen

Kolumne: Werbung für Saftkuren auf Social Media hat derzeit Hochkonjunktur. Doch die guten Vorsätze für das neue Jahr setze ich lieber anders um.

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Die Feiertage sind vorbei und das neue Jahr ist inzwischen ein paar Tage alt. Jetzt, im Januar, befinden wir uns wieder im „längsten Monat“ des Jahres. Draußen ist es kalt, dunkel, und doof – nur der Schnee konnte die Stimmungslage in den vergangenen Tagen ein wenig erhellen. Es sei denn, ich bin gerade mit dem Auto unterwegs, dann ist mir das Wetter auch ein Dorn im Auge. Sie sehen, so richtig recht machen kann man es mir in dieser Zeit nicht.

Am schlimmsten finde ich es aber, wenn ich aktuell durch die sozialen Netzwerke scrolle. Denn auf Instagram und Co. werde ich regelmäßig mit Werbung bombardiert. Wie toll es doch wäre, eine Saftkur zu starten und damit gleich den ersten Neujahrsvorsatz in die Tat umzusetzen. Schließlich wurde besonders während der Feiertage geschlemmt, was das Zeug hielt – oft über den eigentlichen Hunger hinaus.

„Das Hangry-Sein beherrsche ich tatsächlich recht gut.“

Zugegeben, bunt und lecker sehen die Säfte aus. Aber teuer sind sie. Und allein wenn ich darüber nachdenke, mich 5 Tage lang „zu entgiften“, indem ich mich nur von Obst- und Gemüsesäften ernähre, werde ich zur Diva. Denn wenn eine Werbung den Nagel auf den Kopf trifft, dann ist es wohl die eines bekannten Schokoriegels: „Du bist nicht du, wenn du hungrig bist.“ Das „Hangry“-Sein beherrsche ich tatsächlich recht gut. „Hangry“ ist eine Wortneuschöpfung aus den englischen Wörtern hungry (hungrig) und angry (wütend) und meint schlicht: Je größer der Hunger, desto schlechter die Laune.

„Da sinkt der Blutzuckerspiegel, da sind wir nicht mehr Herr unserer Lage und dann tun wir alles, um Essen zu bekommen. Wenn wir es nicht kriegen, steigt die Frustration“, sagt Professor Dr. Christian Sina, Direktor des Instituts für Ernährungsmedizin der Uniklinik Schleswig-Holstein in Lübeck. Wissenschaftlich ist der Grund für „Hungerlaune“ noch nicht eindeutig identifiziert. Eine geläufige Theorie besagt, dass dem Gehirn sein Lieblingstreibstoff ausgeht: Traubenzucker (Glukose), mit dem Gehirnzellen vor allem arbeiten. Die Konsequenz daraus: Wir sind nicht mehr so gut in der Lage, die eigenen Gefühle zu regulieren – und werden schnell pampig. 

Eine andere Theorie geht neben einer physiologischen, vor allem von einer psychologischen Komponente aus. Denn gerade leichten Hunger würden einige von uns nicht richtig wahrnehmen. Sie merkten nur, dass es ihnen gerade nicht so richtig gut gehe – und missinterpretierten das als schlechte Laune.

Wie man es auch dreht und wendet, bei Möchtegern-Ernährungsgurus aus dem Internet bleibe ich skeptisch. Mehr Bewegung und frische Luft sind für Geist und Körper sicher die bessere Alternative – und vor allem deutlich preiswerter.


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