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Handy-Sammelaktion am AMG: So leicht kann Naturschutz sein

Unbenutzte Handys können einen Beitrag zum Umweltschutz leisten. Das Friesoyther Gymnasium und der NABU starten eine Sammelaktion, über die sich auch Bienen freuen können.

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Für Hummeln und Bienen: Das gesammelte Geld fließt in den Insektenschutz, darüber freuen sich auch (von links) Farina Bunjes, Luna Al Salti und Konrad Thoben. Foto: Hahn

Für Hummeln und Bienen: Das gesammelte Geld fließt in den Insektenschutz, darüber freuen sich auch (von links) Farina Bunjes, Luna Al Salti und Konrad Thoben. Foto: Hahn

In vielen Haushalten gibt es sie: diese eine Schublade, die selten geöffnet wird und in der unter anderem ausrangierte Handys ein kümmerliches Dasein fristen. Diese Altgeräte kümmern keinen? Das Albertus-Magnus-Gymnasium (AMG) in Friesoythe und die Friesoyther Ortsgruppe des Naturschutzbundes (Nabu) schon. Denn in ihnen stecken wertvolle Rohstoffe, die weiter verwendet werden können. Diese Nutzung ist ein Beitrag zum Umweltschutz. 

"Ich habe bei der Schule nachgefragt, ob sie eine Sammelbox aufstellen will", erzählt Nabu-Mitglied Konrad Thoben, wie die Aktion zustande kam. Das rief Farina Bunjes auf den Plan. Die Mathematik- und Chemielehrerin ist am AMG Ansprechpartnerin für  "Bildung für nachhaltige Entwicklung" (BNE). Mit einem im vergangenen Jahr in Kraft getretenen Erlass soll das Thema in Schulen mehr verankert werden.

"Man redet nicht nur, sondern tut auch aktiv was."Luna Al Salti, Schülerin

Aber die motivierte Lehrkraft habe sich schon zuvor für Nachhaltigkeit eingesetzt, lobt Schulleiter Peter Stelter. Bei vorherigen Projekten verbannte Farina Bunjes mit ihren Schülerinnen das Plastik aus der Mensa und rief eine Garten-AG ins Leben. Der Fokus liege dabei laut dem Schulleiter auf praktische Überlegungen – statt zu viel Theorie.

Praktisch und alltagsnah ist daher auch das aktuelle Projekt, für das Farina Bunjes bei dem Unterrichtsthema Elektrochemie eine Schülerin besonders begeistern konnte. Die 17-jährige Luna Al Salti geht in die 13. Klasse und hat für die Sammelaktion in den Ferien Flugblätter und Plakate entwickelt. "Man redet nicht nur, sondern tut auch aktiv was", freut sich Luna Al Salti. Da habe ihr der Einsatz für Umweltschutz sogar in der Freizeit Spaß gemacht. "Es ist so einfach, im eigenen Alltag einen Beitrag zu leisten. Mit etwas, was man ohnehin nicht mehr braucht."

Über 200 Millionen Alt-Handys sind in deutschen Schubladen versteckt

Auf dem Plakat hat die Luna Al Salti einfach und kurz erklärt, was das Problem daran sei, dass über 200 Millionen Alt-Handys unbenutzt in den Schubladen liegen. In den Geräten würden wertvolle Rohstoffe wie Gold, Kupfer, Eisen, seltene Erden, Glas, Keramik oder Kunststoff stecken. "Diese Rohstoffe sind auf der Erde nur begrenzt vorhanden", heißt es auf dem Flugblatt. Deswegen sollten Handys recycelt werden.

Aber es gebe noch weitere Faktoren. "Die Gewinnung von Rohstoffen und die Herstellung von Handys geht auf Kosten von Mensch und Natur", steht groß auf dem Plakat. Denn hohe CO₂-Emissionen bei der Produktion würden dem Klima schaden. Zudem könnten bei der Gewinnung von Edelmetallen giftige Chemikalien in die Umwelt gelangen. Außerdem werden für den Rohstoffabbau Regenwälder abgeholzt, was zum Verlust von Lebensräumen für Tiere führe. 

Was passiert mit den Handys aus der Sammelbox?

Die Lösung des Problems ist das Recycling und die Wiederaufbereitung von Alt-Handys, stellen die Projekt-Verantwortlichen fest. Denn so könne man dafür sorgen, dass in Zukunft weniger Rohstoffe abgebaut und weniger neue Smartphones hergestellt werden. Der Nabu arbeitet hierfür mit dem Unternehmen Telefónica zusammen, von dem die Naturschützer eine jährliche Spende abhängig vom Erlös bekommen. Das Geld fließe in den Insektenschutz, erklärt Konrad Thoben.

Doch was genau passiert mit den Handys? Die Geräte gehen laut Nabu zu dem gemeinnützigen IT-Unternehmen AfB (Arbeit für Menschen mit Behinderung). In einem ersten Schritt sortiere der Recyclingpartner die Handys in wiederverwendbare oder nicht wiederverwendbare. Für die Wiederaufbereitung würden die Handys gereinigt und repariert werden. Zudem würden sie einer professionellen Datenlöschung unterzogen werden. Trotzdem sollten zum Schutz der persönlichen Daten SIM- und Speicherkarten vor der Abgabe entfernt werden, raten die Naturschützer. Am besten werden die Handys sogar auf Werkseinstellungen zurückgesetzt. 

Nicht in den Hausmüll: Alt-Handys sollten nicht in Schubladen verstauben, aber auch nicht in den normalen Müll entsorgt werden. Darauf macht Schülerin Luna Al Salti aufmerksam. Foto: HahnNicht in den Hausmüll: Alt-Handys sollten nicht in Schubladen verstauben, aber auch nicht in den normalen Müll entsorgt werden. Darauf macht Schülerin Luna Al Salti aufmerksam. Foto: Hahn

Defekte Altgeräte würden dagegen durch einen Schredder mechanisch zerstört werden. Danach übergebe AfB die Alt-Handys zum Schmelzen an das Recyclingunternehmen Umicore, das die Schadstoffe fachgerecht entsorge. Die wertvollen Rohstoffe würden dann wieder in die Produktion von neuen Produkten einfließen.


Fakten:

  • Ab sofort können Schüler und Schülerinnen des AMG die unbenutzten Handys von sich, ihren Familien und Bekannten in die Sammelbox werfen. Die Handys können auch defekt sein. Die Box steht neben dem Kopierer direkt beim Haupteingang für die Schüler und Schülerinnen bereit. 
  • Alte Smartphones sollten auf keinen Fall in den Hausmüll entsorgt werden. Auch andere Menschen, die ihre Alt-Handys abgeben möchten und keinen Kontakt zum AMG haben, können das zu Öffnungszeiten der Schule tun. Die Box sei öffentlich zugänglich, ansonsten sei das Sekretariat die Anlaufstelle. 
  • Nicht nur alle Arten von Handys und Smartphones, sondern auch das Zubehör können abgegeben werden; Ladeteile und Headsets sind erwünscht. Der Handyakku muss eingelegt sein, falls die Halterung beschädigt ist, soll diese mit Klebeband gesichert werden. Noch sicherer sei es, die Geräte in wasserdichter Verpackung abzugeben. Beschädigte oder zurückgerufene Lithium-Akkus dürfen nicht eingeworfen werden.

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