Hab' Sonne im Herzen
Kolumne: Manche Menschen schauen einfach oft böse drein – oftmals vermutlich völlig grundlos. Gestatten: Ich bin einer von denen...
Heiko Bosse | 06.02.2026
Kolumne: Manche Menschen schauen einfach oft böse drein – oftmals vermutlich völlig grundlos. Gestatten: Ich bin einer von denen...
Heiko Bosse | 06.02.2026

Eigentlich bin ich ja – abgesehen von Staus und überfüllten Weihnachtsmärkten – ein durchaus fröhlicher Mensch. Ich kann’s nur leider nicht so gut zeigen. Zumindest muss ich das annehmen, schenke ich meinen Mitmenschen Glauben. Denn in regelmäßigen Abständen kommt mir persönlichst adressiert die Frage zu Ohren: „Was guckst du denn so böse?!“ Und ich antworte fast jedes Mal energisch: „Was?! Warum guck’ ich böse?! Ich guck’ doch nicht böse!“ „Hm, sah gerade so aus …“ Dabei kommt die Frage, offen gestanden, selten besonders überraschend, hab’ ich mich doch selbst schon das eine oder andere Mal „von außen“ beobachtet. Immer dann, wenn diese fiesen, bräunlichen Öko-Papier-Briefumschläge ins Haus flattern, weil man irgendwo den Blitzer hinter der Leitplanke übersehen hat. Kommt nicht häufig vor, aber wenn ich dann in die optische Beweisaufnahme gehe, ob ich wirklich selbst gefahren bin, denke ich oft: „Oh Gott, was guckst du da böse!“ Dabei möchte ich zu 98 Prozent garantieren, dass ich in dem Moment bestgelaunt war. Vermutlich lief Chris Roberts mit „Hab' Sonne im Herzen“ in meinem Schlagerradio und ich war auf dem Weg zur Pizzeria, als der Fotograf auf drei Beinen anlegte. „Ich press’ dann die Lippen zu einer horizontalen Linie zusammen, ein wenig wie ein Breitmaulfrosch, und ziehe die Augenbrauen kurz hoch.“ Sie schielen jetzt bestimmt zu meinem Portraitbild rüber und denken: „Okay, wenig Haupthaar, aber böse gucken..? Weiß ich nicht.“ Natürlich, solch ein Motiv entsteht ja auch, kurz nachdem der Auftragnehmer hinterm Objektiv befindet: „Bitte recht freundlich!“ Aber im Alltag guck’ ich scheinbar anders… Und das verfolgt einen: Wenn ich beim Arzt im Wartezimmer sitze und mich der Herr gegenüber direkt anvisiert, neige ich mittlerweile ja schon dazu, eine bewusst freundliche(re) Mimik aufzusetzen. Ich press’ dann die Lippen zu einer horizontalen Linie zusammen, ein wenig wie ein Breitmaulfrosch, und ziehe die Augenbrauen kurz hoch. Also, ein Gesichtsausdruck, als würde man damit ein innerliches „Tja!“ aufs Tapet bringen wollen. Und alles nur, damit der Herr, dem gleich die Beißer gefiedelt werden, nicht denkt: „Was’n Stinkstiefel!“ Dabei bin ich in Wahrheit tiefenentspannt, gut gelaunt und formuliere innerlich schon die nächste Kolumne über Menschen, die mit grau-braunen Outdoorschuhen zum Arzt gehen, obwohl der seine Praxis gar nicht auf dem Mount Everest hat. Also: Sollten Sie und ich uns die Tage mal an der Kasse bei Edeka begegnen und Sie haben das Gefühl, dass ich Sie so grimmig ansehe, nur weil Sie neun Payback-Coupons einlösen, vertrauen Sie Ihrem Gefühl nicht und haben Sie Nachsicht mit mir! Ich guck’ halt einfach so …!Man sieht sich bestgelaunt an der Supermarktkasse
Zur Person:
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