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Gegen den Mähtod: Mehrenkamper Rehkitzretter gründen Verein

Früh morgens machen sich Erich Weerts, Carina Lentz und Tanja Puf auf den Weg und suchen mit moderner Drohnentechnologie die Flächen ab. Zahlreiche Kitze haben ihnen ihr Leben zu verdanken.

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Erläuterung: Erich Weerts, Carina Lentz (links) und Tanja Puf informieren den Friesoyther LzO-Filialleiter Felix Immken (rechts) über ihre Arbeit als Rehkitzretter. Foto: Wimberg

Erläuterung: Erich Weerts, Carina Lentz (links) und Tanja Puf informieren den Friesoyther LzO-Filialleiter Felix Immken (rechts) über ihre Arbeit als Rehkitzretter. Foto: Wimberg

Gegen 4 Uhr erreichen sie die Wiesen und Felder und machen sich an die beispielhafte Arbeit. Erich Weerts programmiert seine Drohne, die die Fläche scannt. Rund 50 Meter lässt er sie in die Höhe steigen, Carina Lentz und Tanja Puf streifen derweil durch das Gras. Per Walki Talki ist das Trio miteinander verbunden.

Wenn Weerts über die Wärmebildkamera des mit modernster Technik ausgestatteten Geräts ein Rehkitz aufgespürt hat, lotst er seine beiden Kolleginnen zum Standort. Ohne das Jungtier direkt zu berühren, legen sie es in einen Korb, stellen ihn an den Rand und freuen sich über den Erfolg. "Wieder ein Kitz gerettet", beschreiben die Frauen das gute Gefühl, das sie antreibt.

2021 haben die 3 mit 4 weiteren Mitstreitern im Friesoyther Stadtteil Mehrenkamp den Verein "Rehkitzrettung Oldenburger Münsterland" gegründet. Seitdem sind sie vor Beginn der Mahd unterwegs, um den Nachwuchs vorm Mähtod zu bewahren. Weerts erinnert an die Verpflichtung der Landwirte, vor dem Einsatz der landwirtschaftlichen Maschinen selbst tätig zu werden oder den Jagdpächter zu informieren, damit die Fläche überprüft werden kann. Wer das ignoriert und den Tod der Tiere billigend in Kauf nimmt, macht sich strafbar.

Glücksgefühl: Tanja Puf hat ein Jungtier geborgen, das per Drohne gefunden wurde. Foto: Carina LentzGlücksgefühl: Tanja Puf hat ein Jungtier geborgen, das per Drohne gefunden wurde. Foto: Carina Lentz

Zwischen Absuchen und Mähen dürfen nur wenige Stunden liegen

Der Mehrenkamper kennt auch Fälle, bei denen das Jungtier nicht sofort seinen schweren Verletzungen erliegt. "Und diese Schmerzensschreie sind kaum zu ertragen", sagt der Vorsitzende und Jäger, der auch gezielt Landwirte anspricht und auf das kostenlose Angebot des neuen Vereins aufmerksam macht. Auf Jagdpächter und Flächenbesitzer komme keine Arbeit zu. Lediglich das Kitz in der Box müsse nach dem Mähen wieder freigelassen werden, damit es zur Mutter kommt.

Zwischen dem Absuchen der Weide und dem Mähen dürften nur wenige Stunden liegen. Dass die Ricken genau während des Grünlandschnitts ihre Kitze im hohen Gras absetzen, ein "unglücklicher Umstand", zumal die Kleinen nicht vor den Maschinen flüchten, sondern regungslos verharren. Ihre Verstecke sind ohne elektronische Hilfe oder Hund nicht auszumachen, wobei der Einsatz von moderner Drohnentechnologie zu den effektivsten Mitteln zählt. Die Anschaffungskosten sind hoch, 2021 wurden deshalb Vereine vom Bundeslandwirtschaftsministerium gefördert. 2022 gibt es dieses Programm allerdings nicht mehr.

Spenden seien somit wichtiger denn je, wissen Erich Weerts, Carina Lentz und Tanja Puf. Sie bitten um finanzielle Unterstützung und durften sich nun über die Zuwendung der Friesoyther LzO von 1000 Euro freuen, die Filialleiter Felix Immken überbrachte.

Sicher: Das Jungtier bleibt solange in der Box, bis die Gefahr vorbei ist. Foto: Tanja PufSicher: Das Jungtier bleibt solange in der Box, bis die Gefahr vorbei ist. Foto: Tanja Puf

Grundsätzlich genüge ein kurzer Anruf, um einen Termin mit den Tierschützern abzustimmen. Im Einsatz sind sie während der Brut- und Setzzeit zwischen April und Juli. Bei Bedarf werden Flächen in beiden Landkreisen angefahren.

Stolze 44 Hektar haben sie gerade erst unter die Lupe genommen. "Von 4 bis 8 Uhr", berichtet Carina Lentz (stellvertretende Vorsitzende) über die Aktion, bei der sie ebenfalls eine Reihe von Jungtieren retten konnten. Neben dem guten Gefühl sei dieses Ehrenamt übrigens nicht zuletzt auch gut für die Gesundheit, ergänzt Tanja Puf: "Wer hat schon am frühen Morgen 7000 Schritte auf dem Handy."

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