Für mehr Inklusion: Lohne prüft Errichtung einer "Toilette für alle"
Die speziell ausgestattete WC-Anlage ist auf Menschen mit besonderem Pflegebedarf zugeschnitten. Sie ermöglicht Schwerbehinderten die Teilhabe am Leben.
Per Lifter geht’s auf Klo und Pflegeliege: Wie hier im Einkaufszentrum Milaneo in Stuttgart verfügen "Toiletten für alle" unter anderem über einen Lifter sowie eine Pflegeliege. Foto: dpa
Wo ist das nächste "stille Örtchen"? Diese Alltagsfrage ist für Menschen mit besonderem Pflegebedarf oder schweren und mehrfachen Behinderungen mit viel Planung und Organisation verbunden. Denn eine übliche Behindertentoilette reicht oft nicht aus. Wenn eine geeignete WC-Anlage fehlt, muss improvisiert werden. Das ist meist entwürdigend. Die Folge: Betroffene meiden solche Situationen – und bleiben zu Hause.
Um Schwerbehinderten gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen und einen Beitrag zur Inklusion zu leisten, könnte in der Stadt Lohne demnächst die erste "Toilette für alle" errichtet werden. Auf Antrag der CDU-Fraktion hat die Politik die Verwaltung jüngst einmütig damit beauftragt, die Errichtung einer speziell ausgestatteten WC-Anlage in der Lohner Innenstadt zu prüfen und die grundsätzliche Situation der öffentlichen Toiletten zu untersuchen.
Eine "Toilette für alle", die sich vor allem hinsichtlich Größe und Ausstattung abhebt, bietet neben einer Behindertentoilette auch eine höhenverstellbare Pflegeliege. Mit einem Decken- oder Standlifter werden Menschen einfach aus dem Rollstuhl auf die Liege umgesetzt. Dort können ihre Begleitpersonen die Einlage oder den Katheter wechseln: einfach, ungestört – und vor allem in Würde.
Stadt hat schlechte Erfahrungen mit öffentlichen Toiletten gemacht
Thomas Schlarmann (CDU) stellte jüngst im Ausschuss für Umwelt, Bau und Stadtentwicklung den Antrag vor. Er bezog sich bei der Forderung auch auf die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung. Als mögliche Standorte nannte er unter anderem das Parkdeck an der Vogtstraße, den ZOB, das Industriemuseum, das St.-Franziskus-Hospital, eine Freifläche in der Fußgängerzone und den Bahnhof.
Bauamtsleiter Ralf Blömer teilte mit, dass die Stadt aufgrund ihrer schlechten Erfahrungen mit öffentlichen Toiletten, die immer wieder zum Ziel von Vandalismus werden, ein Schließsystem mit einem "Euroschlüssel" begrüße. Dieser ist auf Antrag beim Club Behinderter und ihrer Freunde in Darmstadt und Umgebung erhältlich. Blömer plädierte aufgrund der Synergieeffekte und der Energiekosten dafür, eine "Toilette für alle" nach Möglichkeit an eine Einrichtung anzudocken. Eine Containerlösung schloss er eher aus.
Diese mit Pflegeliege und Deckenlifter ausgestattete WC-Anlage befindet sich in der öffentlichen Toilette in Bad Abbach. Foto: Stiftung Leben pur
Eckhard Knospe (SPD/Grünen-Gruppe) wollte das Thema "öffentliche Toiletten" generell in den Blick nehmen. Er regte den Neuaufbau mehrerer Standorte an, ein digitales Bezahlsystem inklusive Euroschlüssel und die Entwicklung einer Toiletten-App, die den Nutzer zum Standort der nächstgelegenen Toilette navigieren könnte. Er fragte, ob eine dieser speziellen WC-Anlagen ausreiche. Schlarmann antwortete auf Basis seiner Recherche, dass Entfernungen von bis zu 10 Kilometern für ein solches Angebot in Kauf genommen würden.
Der Allgemeine Vertreter Gert Kühling informierte, dass die Verwaltung derzeit auf Anregung des Seniorenbeirats Lohne gemeinsam mit den Händlern am Aufbau eines Netzwerks "Nette Toilette" arbeite. Der Ausschussvorsitzende Fabio Maier (CDU) plädierte schließlich dafür, dass die Stadt zusätzlich die aktuelle Situation der öffentlichen Toiletten untersuche. Dem Vorschlag schlossen sich die weiteren Mitglieder des Fachgremiums einmütig an.