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Frau am Steuer, Ungeheuer! Junge Frau, Supergau!

Kolumne: Ab sofort bin ich Teil des Projektes „begleitetes Fahren“. Die Herausforderung gestaltet sich indes anders, als erwartet.

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17 Jahr’, blondes Haar – so sitzt meine Tochter seit einigen Tagen neben mir am Steuer ihres Autos. Das ist deutlich älter als sie selbst und ihr von der Oma, die den Gebrauch eingestellt hat, überlassen worden. Danke nochmal für die Dauerleihgabe. 

Sie merken: Meine Tochter und ich sind in die Phase des begleiteten Fahrens eingetreten. Ich platziere mich ab sofort, wenn immer nur möglich, auf dem Beifahrersitz. Und ich fühle mich – allen Unkenrufen zum Trotz – gut dabei. Ich bremse nicht mit, weil es sowieso nichts bringen würde. Und auch kommentieren würde ich nicht, wenn ich nicht müsste. Denn der Satz, den ich leider ständig sagen muss, ist: „Was ist mit dem denn falsch?“

Gemeint sind die Autofahrer, denen die Straßenverkehrsregeln komplett egal sind. Menschen, die sich an diese halten, sind für sie ein Hindernis, das sofort und egal wo zu überholen ist. Wie krass viele es von diesen Exemplaren gibt, ist mir sonst noch nie aufgefallen. Vielleicht, weil ich mir über die Jahre angewöhnt habe, zur maßvollen und sehr kontrollierten Sünderin zu werden. Denn wer fährt wirklich Schrittgeschwindigkeit, wenn die einzuhalten wäre? Wer nicht doch eher 110 als die vorgeschriebenen 100? Wer steht mit dem Wagen wirklich komplett still am Stopp-Schild und zählt langsam bis drei? Sie wissen, was ich meine.

„Einmal hat sogar wer unseren Stillstand an einer roten Ampel genutzt, um an uns vorbeizurauschen. Es muss echt schlimm gewesen sein, innerorts 50 zu fahren.“ 

Meine Tochter indes nimmt die Vorschriften so ernst, wie es an sich jede/jeder tun sollte. Sie fährt nicht unnötig langsam - denn sie weiß, was sie dann bei der Theorieprüfung anzukreuzen gehabt hätte. (Lösung: Weil das den Verkehrsfluss behindern würde; die Gefahr von Auffahrunfällen erhöht wird; Nachfolgende zu gefährlichen Überholmanövern verleitet werden.) Sie fährt 70, wenn Tempo 70 angesagt ist. Sie tuckert mit 30 durch Vechta, wo die Straßenverkehrsordnung das vorsieht. Und sie wird überholt. Durchgezogene Linie? Scheiß drauf. Ein Schild mit dem Hinweis „Überholverbot“? Egal. Hauptsache vorbei an diesem lahmen Kleinwagen. Motto: Frau am Steuer, Ungeheuer. Junge Frau, Supergau. 

Wir sind innerorts schon an Stellen überholt worden, da würde ich, selbst wenn es gestattet wäre, mit meinem E-Auto, das nun wirklich beschleunigen kann, nicht zur Seite zu ziehen. Einmal hat sogar wer unseren Stillstand an einer roten Ampel genutzt, um an uns vorbeizurauschen. Es muss echt schlimm gewesen sein, innerorts 50 zu fahren. 

Nun hat die Dauerleihgabe der Oma kein heimisches Kennzeichen. „Vielleicht“, beruhige ich stets meine Tochter, „denken die Leute, du bist ortsfremd“. Denn falsch macht sie nichts. 

Für wen das der Fehler ist, dem wünsche ich an dieser Stelle offiziell … nicht, was Sie jetzt vielleicht denken. Ich wünsche ihm (es sind bisher nur Männer, die uns zur Schnecke gemacht haben) mehr Gelassenheit und ein Auto, dessen Fahrassistenz sich nicht mehr ausschalten lässt. Dann piept es bei euch, ihr Raser. Und meiner Tochter wünsche ich allzeit gute Fahrt. Bleib so. Alles ist gut!


Zur Person:

  • Anke Hibbeler ist Stellvertreterin der OM-Medien-Chefredaktion.
  • Die Autorin erreichen Sie per Mail: redaktion@om-medien.de.

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