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Eurotier 2020: Einige Aussteller springen ab

Namhafte Firmen wie Big Dutchman, Weda, Awila und Weltec-Biopower nehmen dieses Jahr nicht an der Eurotier, der Weltleitmesse der Tierhaltung in Hannover, teil.

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Wird in der Auflage 2020 der Messe Eurotier in Hannover fehlen: Der Stand von Stalleinrichter Big Dutchman. Foto: DLG

Wird in der Auflage 2020 der Messe Eurotier in Hannover fehlen: Der Stand von Stalleinrichter Big Dutchman. Foto: DLG

Die „EuroTier“ wird in diesem Jahr ohne einige namhafte Aussteller aus dem Oldenburger Münsterland stattfinden. Nach einer stichprobenartigen Erhebung von OM-Online sehen zum Beispiel Big Dutchman (Vechta-Calveslage), Weda (Goldenstedt-Lutten), Awila (Lastrup) oder Weltec Biopower (Vechta) von einem Auftritt ab. Die Eurotier ist für den 17. bis 20. November auf dem Messegelände in Hannover geplant. Die Weltleitmesse für die Tierhaltung wird ergänzt von der „EnergyDecentral“, einer Fachschau für innovative Energieversorgung. Veranstalter der Messen ist die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG).

Die Eurotier 2018 hatte rund 155.000 Besucher

Die Eurotier findet alle zwei Jahre im Wechsel mit der Agritechnica statt. 2018 kamen 2586 Aussteller aus 61 Ländern und 155.000 Besucher, darunter fast 47.000 aus dem Ausland.

„Wir wissen, dass die Eurotier die Weltleitmesse für die Tierhaltung ist, und ein wichtiger Ort, um vor allem mit dem internationalen Fachpublikum direkt zu kommunizieren. Deshalb ist uns unsere Absage auch sehr, sehr schwer gefallen“, sagt Andreas Böske, Marketingleiter bei Stalleinrichter Big Dutchman. Doch angesichts der Unwägbarkeiten, wie sich die Corona-Situation entwickelt, zog man die Anmeldung bereits im April trotz hoher Stornokosten zurück.

Mehrere Aussteller scheuen angesichts der
Corona-Unwägbarkeiten die Kosten des Messeauftritts

Einer der Gründe für die Absage ist das finanzielle Risiko. Rund zwei Millionen Euro stecken Big Dutchman und die Tochterfirmen in den Auftritt und den rund 2000 Quadratmeter großen Messestand bei der Eurotier. „Wir leben vom direkten Gespräch, vom Austausch mit unseren Kunden, aber ob die Messe am Ende die Internationalität haben wird, die wir bei unserem hohen Einsatz brauchen, das ist völlig unsicher. Auch der Schutz unserer Messe-Mitarbeiter vor dem Virus ist ein gewichtiger Aspekt der Abwägung gewesen.“

Die Eurotier ist die Weltleitmesse für die Tierhaltung. Foto: DLGDie Eurotier ist die Weltleitmesse für die Tierhaltung. Foto: DLG

Werner Meyer, Geschäftsführer von Awila in Lastrup, sieht das ähnlich. Der Hersteller von Futtermittelanlagen verzichtet ebenfalls auf die Messe. „Wir haben 70 Prozent unserer Kunden im Ausland. Aber ob die überhaupt zur Messe kommen können und wollen, das ist aktuell gerade völlig unklar.“ Vor diesem Hintergrund „viel Geld zu investieren“, habe man als „nicht vernünftig“ empfunden.

Stallkamp aus Dinklage wird im November dabei sein

Hanna Richter, für das Marketing bei Edelstahlspezialist Stallkamp in Dinklage zuständig, plant dagegen weiterhin den Messeauftritt des Unternehmens. „Unser Hauptabsatzmarkt ist Deutschland. Da hoffen wir, dass die Kunden trotzdem kommen.“ Der Messestand des Unternehmens sei im Aufbau zudem nicht so aufwändig wie bei manch anderem, großen Aussteller. „Wenn man erst noch den Tischler beauftragen muss, dann ist das natürlich teuer.“

Die hohen Kosten vor dem Hintergrund einer ungewissen Corona-Situation lassen auch Stalleinrichter Weda von einem Messeauftritt absehen. Marketingleiter Thomas Wilkens: „Wir haben komplett abgesagt. Wir gehen fest davon aus, dass im November noch kein unbeschränkter Reiseverkehr möglich sein wird. Wir wären gerne dabei gewesen, weil wir wissen, dass die Eurotier sonst eine echte Drehscheibe zwischen uns und den Kunden ist. Unter den gegebenen Umständen spielt aber auch der Kosten-Nutzen-Aspekt eine entscheidende Rolle.“

Die Aussteller kommen aus allen Branchen rund um die Tierhaltung. Foto: DLGDie Aussteller kommen aus allen Branchen rund um die Tierhaltung. Foto: DLG

Carsten Wenner vom Marketing beim Pumpenhersteller Vogelsang (Essen) hat gerade die Bestätigung für den Stand des Unternehmens erhalten. Für ihn war eine Absage nie Thema: „Wir nehmen teil. Natürlich. Auch wenn weniger Besucher kommen, ist und bleibt die Eurotier für uns eine der wichtigsten Veranstaltungen.“

Weltec-Biopower stellt sonst auf der „EnergyDecentral“ aus. Ann Börries vom Marketing des Biogasanlagenspezialisten sagt, dass die Messe „fest eingeplant war“. Anfang April habe man sich aber entschlossen, den Messestand abzusagen. „Im Hauptfokus dieser Messe steht für uns der Kontakt zu internationalen Neukunden. Im Jahr 2018 konnten wir Gäste aus über 40 Ländern begrüßen“, sagt Börries. Jetzt müsse man davon ausgehen, dass diese Gäste ausbleiben: „Es ist ungewiss, wie sich das Infektionsaufkommen bis November entwickelt und letztendlich steht der Schutz unserer Mitarbeiter im Vordergrund.“

Auch in Coronazeiten ist Messe-Projektleiter Dr. Karl Schlösser davon überzeugt, eine sehr gute Eurotier auf die Beine stellen zu können. Foto: DLGAuch in Coronazeiten ist Messe-Projektleiter Dr. Karl Schlösser davon überzeugt, eine "sehr gute" Eurotier auf die Beine stellen zu können. Foto: DLG

„Die Absagen müssen wir leider hinnehmen“, sagt der Eurotier-Projektleiter bei der DLG, Dr. Karl Schlösser. Gerade hat er „über 2000 Bestätigungen“ an die diesjährigen Aussteller verschickt. „Obwohl natürlich keiner weiß, was in Sachen Corona noch auf uns zukommt“, sei er zuversichtlich, „eine sehr gute Eurotier auf die Beine zu stellen“. Die Corona-Risiken findet er beherrschbar, zumal bis November noch Änderungen bei den Schutzmaßnahmen möglich seien. „Aber natürlich wird es Auflagen in Bezug auf die Hygiene geben.“ So sei Maskenpflicht anzunehmen oder auch eine Besucherlenkung vorstellbar. „Wir sind ja nicht auf dem Oktoberfest, die Fachbesucher werden führbar sein.“

Schlösser glaubt nicht, dass die Messe für die Aussteller verzichtbar ist: „Die Landwirtschaft rund um den Globus verdient ihr Geld. Eine allgemein schlechte Auftragslage sehe ich gerade nicht.“ Die Abwägung derer, die nun nicht teilnehmen, kann er aber verstehen: „Das ist gerade eine schwierige Gemengelage“, sagt Schlösser. Die „zugegeben nicht geringe Standmiete, der Messestandbau und
-aufbau sowie die Kosten für Personal und Hotels - auch die für den Empfang der Besucher - sind nicht unerheblich.“

"Eine Messe ersetzt man nicht eben mit ein
paar E-Mails"

Andreas Böske, Marketingleiter bei Big Dutchman

Allen Unternehmen, die abgesagt haben, ist nun gemeinsam, dass sie andere Wege zum Kunden suchen müssen. „Das wird schwierig“, ist sich Andreas Böske der Aufgabe bewusst: „Eine Messe ersetzt man nicht eben mit ein paar E-Mails.“

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