Es ist schon weird, wie schnell man in der Sprache lost ist
Kolumne: Man wird heutzutage nicht mehr Mitglied, sondern Member. Und findet den Cashback im Sale voll nice. Irgendwie verändert sich alles. Auch die Sprache.
Heiner Stix | 11.03.2026
Kolumne: Man wird heutzutage nicht mehr Mitglied, sondern Member. Und findet den Cashback im Sale voll nice. Irgendwie verändert sich alles. Auch die Sprache.
Heiner Stix | 11.03.2026

It is ja not so, that ich das ganze Englisch, das so um uns rumwabert, nicht verstehen würde. Quite the opposite. Aber irgendwie treibt die Anglifizierung der deutschen Sprache inzwischen seltsame Blüten. So richtig irritierend aufgefallen ist mir das vor einiger Zeit beim Bummel durch ein Einkaufszentrum in Hamburg, das von den Betreibern natürlich als Shopping Center bezeichnet wird. Also das Einkaufszentrum, nicht Hamburg. Auf jeden Fall ist man dort ganz im Sinne der Kundenbindung bemüht, einkaufswillige Menschen zu locken und an sich zu binden. Und das funktioniert ja bekanntlich über Kundenkarten mit entsprechenden Rabattangeboten ganz gut. Wobei „Kundenkarte“ ja schon wieder viel zu bieder ist, die Menschen sollen eine Gemeinschaft, also Community, werden, am besten als Mitglied von irgendwas. Oder eben, so die Hamburger, als „Member“. Deshalb steht dort an allen Treppenaufgängen auf großen Plakaten: „Jetzt Member werden und 3% Sofortrabatt bekommen.“ Jawoll, Member werden. Wovon auch immer. „Wobei Handy ja kein englischer Begriff ist, sondern ein schwäbischer.“ Das Thema an sich ist ja nicht neu. Schon unsere Großväter und -mütter haben sich Sorgen gemacht, dass die deutsche Sprache ausstirbt. Und jetzt klinge ich wie mein eigener Großvater. Wobei ich feststelle, dass ich gar nicht so genau formulieren kann, was mich eigentlich nervt. Denn natürlich ist ein Computer ein Computer und keine Rechenmaschine. Das E-Bike ist auch für mich kein E-Fahrrad, für Laptop und Tablet fallen mir schon kaum mehr deutsche Begriffe ein, und dass wir das Selfie mit dem Handy machen, versteht sich von selbst. Wobei Handy ja kein englischer Begriff ist, sondern ein schwäbischer. Ha noi, hen di koi Schnur ned? Irritierend wird es, wenn Alltagsbegriffe und -phrasen ohne Not durch englische Ausdrücke ersetzt werden. Dass der abgeschaffte Schlussverkauf als „Sale“ zu neuer Blüte kam – geschenkt. Und ob ich einen Teil des Kaufpreises bei Rabattaktionen als Rückerstattung oder als Cashback bekomme, ist mir eigentlich auch egal. Aber dass man heutzutage „lost“ statt verwirrt oder ahnungslos ist, „safe“ statt bestimmt zur Party kommt, die neue Hose echt „nice“ findet und kaum ignorieren kann, wenn man „geghostet“ wird, ist irgendwie schon „weird“. Oder vielleicht einfach ein Ausdruck einer modernen, global vernetzten Jugendkultur, -community und -identität. Wofür ich dann ganz offensichtlich doch schon zu old-fashioned bin. Aber gut, tempora mutantur. Et nos in illis. Und wenn Veränderungen anstehen, dann soll man nicht klagen, sie nicht ignorieren, sondern aktiv gestalten. Mal schauen, was kommt. Irgendwas kommt safe. Es war mir auf jeden Fall a pleasure.Zur Person:
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