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Eine Kanadierin sucht in der Gemeinde Garrel nach Spuren ihrer Vorfahren

Lori Sproule aus Saskatoon (Kanada) möchte die Heimat ihrer Vorfahren kennenlernen. Von Garrel und Beverbruch aus wanderten ihre Eltern nach Kanada aus, ihr Vater bereits 1926, ihre Mutter 1928.

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Aufbruch am 11. März 1928: Eine große Gruppe wandert von Beverbruch nach Kanada aus. Foto: Heimatverein

Aufbruch am 11. März 1928: Eine große Gruppe wandert von Beverbruch nach Kanada aus. Foto: Heimatverein

Als junger Mann wanderte Ludwig Bley von Garrel nach Kanada aus. 94 Jahre nach dessen Abschied macht sich jetzt eine andere Bley auf die umgekehrte Reise: Lori Sproule, geborene Bley, sucht nach Hinweisen auf ihre Vorfahren. Auch ihre Mutter, die 2 Jahre nach Ludwig Bley ausgewandert ist, stammt aus der Gemeinde Garrel. Genauer: aus Beverbruch.

Lori Sproule lebt mit ihrem Mann in Saskatoon, 6850 Kilometer von der Heimat ihrer Eltern entfernt. Um mehr über ihren Vater und ihre Mutter zu erfahren, wandte sich die Kanadierin jetzt an die Kirchengemeinde St. Johannes Baptist in Garrel, Pastor Paul Horst verwies sie daraufhin vertrauensvoll an Günter Buschenlange, Vorsitzender des Heimatvereins, der sich regelmäßig mit Ahnenforschung befasst. 

Kurzerhand nimmt Buschenlange Kontakt zu Sproule auf, erhält erste Informationen, begibt sich auf Spurensuche – und wird fündig. "Ludwig Bley wurde 1897 in Garrel geboren. Seine Eltern waren Johann Heinrich Bley und Josephine Högemann. Sie wohnten auf dem Tannenkamp, heute Tannenkampstraße", fasst Buschenlange seine Erkenntnisse zusammen.

Loris Großvater arbeitete im 1. Weltkrieg bei der Gelbkreuzmunition in Berlin

1926 sei Ludwig Bley zusammen mit seinem Bruder Heinrich nach Kanada ausgewandert. Dort hätten sie zunächst als Helfer in der Landwirtschaft gearbeitet. "Sie schickten Briefe an ihren Vater Johann Heinrich und  an ihre Brüder Georg und Bernard, sie sollten doch auch nach Kanada kommen", weiß Buschenlange. Gesagt, getan. Die Hofstelle wurde verkauft und die 3 Männer wanderten 1928 nach Kanada aus. Mutter Josephine war bereits 1912 gestorben. "Gemeinsam kauften die Männer dort Land und Ludwig und Heinrich lebten bis zu ihrer jeweiligen Hochzeit bei ihrem Bruder Georg und seiner Familie. Dieser hatte 1918 Maria Elisabeth Böhmann aus Markhausen geheiratet", berichtet Buschenlange. 

Die Mutter von Lori Sprouse, Elisabeth Maria Willenborg, wurde 1913 in Beverbruch geboren. Die Eltern von Elisabeth hießen Hermann Willenborg und Maria Anna (geborene Abeling); sie kamen aus Beverbruch. "Hermann Willenborg erhielt von seinen Eltern (Willenborg-Krusen) ein größeres Grundstück als Erbteil und baute 1911 darauf ein Haus. In demselben Jahr heiratete er Maria Abeling. Hermann musste während des Ersten Weltkrieges zum Militär und arbeitete lange Zeit bei der Gelbkreuzmunition in Berlin. Aufgrund seiner dortigen Tätigkeit kam er als kranker Mann aus dem Krieg zurück und starb 1925 an den Folgen. Er hinterließ seine Frau und 7 Kinder, darunter Loris Mutter", so Buschenlange.

Ein Foto aus 1928 vom Tag der Auswanderung liegt vor

Maria Willenborg heiratete daraufhin 1926 Hans Kleefeld, der als Knecht auf dem Hof arbeitete. Mit ihm bekam sie 4 weitere Kinder. Am 11. März 1928 wanderte die ganze Familie nach Kanada aus. So auch  Loris Mutter, die zu diesem Zeitpunkt 15 Jahre alt war. "An diesem Tag zog eine größere Gruppe aus der Gemeinde Garrel zur Auswanderung nach Kanada. Die Kleefelds fuhren mit einem Schiff von Hamburg aus in die neue Welt", weiß Buschenlange, dem sogar ein Foto aus dieser Zeit vorliegt.

Denn: Hans Kleefeld war zu der Zeit Dirigent des Beverbrucher Musikvereins. "Aus alten Unterlagen habe ich erfahren, dass der Musikverein die Reisenden in die Fremde verabschiedet hatte. Der ehemalige Ehrenvorsitzende Heinrich Krogmann (Jahrgang 1910) hat mir diese Informationen noch zu Lebzeiten bestätigt." Zudem hatte sich bereits vor Jahren Hans Wendeln aus Nikolausdorf bei Buschenlange gemeldet, weil er noch alte Bilder seiner Familie im Besitz hätte. Darunter ein Foto aus dem Jahr 1928.

Familie Kleefeld: In der hinteren Reihe stehen die 7 Kinder, die aus der gemeinsamen Ehe zwischen Wilhelm und Maria Anna Willenborg (vordere Reihe, sitzend) stammen. In der vorderen Reihe sieht man die vier Kinder, die Maria Anna mit ihrem 2. Ehemann Hans Kleefeld (zweiter von rechts) bekam. Eines der Mädchen aus der hinteren Reihe ist Lori Sproules Mutter. Foto: Heimatverein GarrelFamilie Kleefeld: In der hinteren Reihe stehen die 7 Kinder, die aus der gemeinsamen Ehe zwischen Wilhelm und Maria Anna Willenborg (vordere Reihe, sitzend) stammen. In der vorderen Reihe sieht man die vier Kinder, die Maria Anna mit ihrem 2. Ehemann Hans Kleefeld (zweiter von rechts) bekam. Eines der Mädchen aus der hinteren Reihe ist Lori Sproules Mutter. Foto: Heimatverein Garrel

Wendelns Vater hätte immer gesagt, auf dem Bild könne man die Auswanderer nach Kanada sehen. "Als ich näher hinschaute, entdeckte ich einige Instrumente – und tatsächlich: Es ist eine Musikkapelle zu sehen. Voran gehen Schulkinder, dann folgt die Musikkapelle, Menschen mit Fahrrädern, eine große Fußgruppe – darunter Menschen mit Gepäck – und schließlich sogar ein größeres Fahrzeug, das wohl eine Art Bus gewesen ist", zählt Buschenlange auf. Er vermutet, dass zu dieser Gruppe auch die Familie Kleefeld und somit Loris Mutter gehörte. 

Die Eltern von Lori Sprouse, Ludwig Bley aus Garrel und Elisabeth Maria Willenborg aus Beverbruch, lernten sich letztlich in Kanada kennen und lieben. Sie gründeten eine Familie in dem Dorf Annaheim in der kanadischen Provinz Saskatchewan und bekamen 8 Kinder. Hans Kleefeld, Loris Stief-Opa, sei immer wie ein 2. Vater für ihre Mutter gewesen, erzählte Sproule im Gespräch mit Buschenlange.

In dieser Woche bereist die 68-Jährige gemeinsam mit ihrem Ehemann die Heimat ihrer Eltern in Garrel und Beverbruch. Günter Buschenlange begleitet die beiden als Gästeführer auf ihrer Reise und zeigt ihnen, wo Loris Eltern aufgewachsen sind. 


Fakten:

  • Die Hofstelle Willenborg wurde 1928 verkauft an Bernhard Grote aus Hestrup. Er brachte seine Eltern und seine Schwester mit nach Beverbruch.
  • Bernhard Grote heiratete 1931 Emma Willenborg, eine Nichte des Vorbesitzers Hermann Willenborg. Emma war also die Cousine von Loris Mutter. Der Besuch an dem Geburtsort ihrer Mutter ist also gleichzeitig auch ein Familienbesuch.
  • Ein Nachbar der Bleys hat deren frühere Grabstelle übernommen und kann somit heute noch zeigen, wo sich diese befindet. Zudem hat er noch alte Briefe der Familie Bley aus Kanada.

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