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Eindeutig zweideutig

Kolumne: Das Leben als Ernstfall – Bei sprachlichen Doppeldeutigkeiten lauern allerhand Stolperfallen und Fettnäpfchen. Ob gewollt oder nicht: Herrenwitz, ick hör dir trapsen...

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"Die Sprache ist die Quelle aller Missverständnisse", heißt es in "Der kleine Prinz" von Antoine de Saint-Exupery. Wohl wahr, mitunter gleicht die tägliche Kommunikation – vor allem die zwischen Mann und Frau – einem verbalen Minenfeld – meisterhaft veranschaulicht von Loriot in seinem Sketch "Das Frühstücksei".

Andere Stolperfallen und Fettnäpfchen lauern beim Thema Doppeldeutigkeit. Ein Satz wie "Du müsstest mal richtig geboostert werden!" zum Beispiel scheint auf den ersten Blick der Aktualität entsprungen und unverfänglich. Aufgeladen mit frivoler Konnotation aber ist die Grenze zum anzüglichen Herrenwitz schnell überschritten. Oder wenn ich der Obstverkäuferin auf dem Wochenmarkt zu ihren prallen Melonen gratuliere, könnte das Kompliment flott nach hinten losgehen und missverstanden werden. Und falls ich einer Dame im Klimakterium zurufen würde: "Ihre Tage sind gezählt!", wäre dies ein böser Regelverstoß.

Ein Foto als warnendes Beispiel

Da ist es wohl besser, die Zweideutigkeiten gleich in einen Gag zu verpacken. Wie den vom Typen im Supermarkt, der an der Wursttheke "200 Gramm von der groben, fettigen ..." haben möchte. Und als Antwort bekommt: „Die hat heute Berufsschule.“ Weniger zu lachen hatte indes der Junge, der in meiner alten Redaktion – quasi als warnendes Hohlspiegel-Beispiel – auf einem Zeitungsfoto an der Wand hing. Die Aufnahme war, wenn ich mich recht erinnere, in der Schulküche aufgenommen und zeigte den Knirps beim Zubereiten eines Salates. In der Bildunterschrift stand: "Tim (10) hobelt glücklich seine Gurke."

„Die Pubertät jedenfalls kann – auch in meinem Fall – nicht mehr als Ausrede herhalten.“Florian Ferber

Doch woher kommen diese Assoziationen? Sind sie ein rein männliches Phänomen? Ist es Folge einer komplett durchsexualisierten Gesellschaft, dass in manchen Kontexten Hupen eben nicht nur Hupen, Euter nicht nur Euter, Glocken nicht nur Glocken sind (von verlegten Rohren oder Ständern ganz zu schweigen). Oder outet sich derjenige, der so zweifelhaft-zweideutig denkt, nicht selbst lediglich als unreifer, sexistischer Zeitgenosse? Fragen, über die Mann nachdenken sollte.

Die Pubertät jedenfalls kann – auch in meinem Fall – nicht mehr als Ausrede herhalten. Apropos: Ich erinnere mich heute mit Scham an die hormonelle Reifezeit in den 1990er-Jahren zurück, als das Thema Märchen im Deutschunterricht und mein schon damals ausgeprägter Wortspielzwang eine unheilvolle Allianz eingingen. Kostproben: "Tischlein leck mich" ("Knüppel aus dem Sack" spricht für sich), "Schneeflittchen", "Dornhöschen“, "Vernaschenputtel" oder "Schwanz im Glück". Die Brüder Grimm wären voller Grimm. Zu Recht.


Zur Person

  • Florian Ferber ist Redakteur der OM-Medien.
  • Den Autor erreichen Sie unter redaktion@om-medien.de.

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