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Die ganze Republik spricht über ein Krokodil in Vechta – und dann ist alles nur gelogen

Jahresrückblick: Im Juni hielten Berichte über ein Krokodil in einem Vechtaer Regenrückhaltebecken die Behörden in Atem. Das ist die Geschichte im Jahresrückblick.

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Feuerwehrleute und Reptilienexperten arbeiteten bei der Krokodil-Jagd Hand in Hand. Foto: Chowanietz

Feuerwehrleute und Reptilienexperten arbeiteten bei der Krokodil-Jagd Hand in Hand. Foto: Chowanietz

Es ist Schützenfestwochenende in Vechta. Die Bürgerschützen feiern bei bestem Wetter und gut gelaunt auf dem Neuen Markt. Die erste Schützenkönigin der Vereinsgeschichte steht in den Startlöchern für den entscheidenden Schuss am Samstagabend. Die Stadt bereitet sich unterdessen auf den Reservistentag am Sonntag auf dem Zitadellenplatz vor.

Und plötzlich spricht die halbe Stadt nur noch von einem Krokodil. Am 13. Juni, dem Freitag mit dem Schützenfestauftakt, hatte sich ein junger Goldenstedter in Begleitung seiner Mutter bei der Stadtverwaltung gemeldet: Er habe eine große Echse im großen Regendrückhaltebecken an der Schweriner Straße gesehen – und mit seinem Handy gefilmt. Das Tier sei etwa 80 Zentimeter lang.

Abgeriegelt: Der Bauhof hat die Wege rund um das Regenrückhaltebecken mit Bauzäunen abgesperrt. Foto: ChowanietzAbgeriegelt: Der Bauhof hat die Wege rund um das Regenrückhaltebecken mit Bauzäunen abgesperrt. Foto: Chowanietz

Das Video dauert nur 4 Sekunden. Die Datei ist digital mit GPS-Positionsdaten vom Ufer des Regenrückhaltebeckens versehen. Das Material scheint glaubwürdig. Auch auf den zweiten Blick. Hat etwa jemand ein Krokodil auf dem 2,4 Hektar großen Areal ausgesetzt?

Kein Zweifel – gerade weil die Geschichte so unwahrscheinlich ist

Die Verantwortlichen bei der Stadtverwaltung können es nicht ausschließen. Sie alarmieren die zuständigen Behörden. Der Bauhof stellt eilig Absperrungen rund um den im Sommer großteils zugewucherten See auf. Zur Sicherheit. Das Veterinäramt ist zur Stelle. Die Feuerwehr hilft bei der Suche nach dem vermeintlichen Krokodil. Die Stadt fordert Reptilienexperten aus dem Saterland an. Er erkennt auf den Bildern einen jungen Alligator; die Umgebung ist in dem kurzen Clip nicht zu sehen.

Niemand zweifelt an der Echtheit der Aufnahmen – auch wenn oder gerade weil alles so unwahrscheinlich ist. Schließlich berichten Medien bundesweit über das Krokodil im Vechtaer Regenrückhaltebecken. Die Republik hat ein neues Sommerloch-Tier.

Aber die Geschichte ist eine Lüge. Am Montag sieht sich die IT-Abteilung der Stadtverwaltung die Video-Datei des Goldenstedters noch einmal ganz genau an. Sie finden Spuren für die Manipulation.

Irgendwann ist klar: Das Video ist doch nicht an der Stettiner Straße entstanden, die GPS-Daten wurden wahrscheinlich nachträglich hinzugefügt und im Bild Teile der Umgebung ausgeblendet. Die Verwaltung bittet den jungen Goldenstedter zum Gespräch ins Rathaus. Er kommt, wieder mit seiner Mutter. Und er gesteht die Manipulation. Nach nur 2 Tagen endet die kurze Karriere des Alligators.

Der Name Krokodilsee schaffte es in die öffentliche Ausgabe von Google Maps. Screenshot: Chowanietz / Quelle: Google MapsDer Name Krokodilsee schaffte es in die öffentliche Ausgabe von Google Maps. Screenshot: Chowanietz / Quelle: Google Maps

Die Hintergründe des gefälschten Videos bleiben am Ende unklar. Die Stadt äußert sich nicht weiter zu dem Goldenstedter und seinen Motiven. Am Ende bleibt ein Witz. Internet-Nutzer melden bei verschiedenen Kartendiensten einen Namen für das bisher namenlose Gewässer im Vechtaer Norden: Krokodilsee.

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