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Der Weg zum Jagdschein: Was ein Jäger für das "Grüne Abitur" können muss

67 Teilnehmer aus dem Kreis Vechta absolvieren mit Erfolg die Jungjägerausbildung. Bei ihrer Arbeit im Revier soll der Naturschutz eine wichtige Rolle spielen.

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Lob für Lehrgangsbeste: Kreisjägermeister Marco Sadelfeld (links) und Kreisvorsitzender Heinrich Voet (rechts) überreichen die Jägerbriefe an Jürgen Langeland (2. von links) und Dr. Christoph Peylo. Foto: Speckmann

Lob für Lehrgangsbeste: Kreisjägermeister Marco Sadelfeld (links) und Kreisvorsitzender Heinrich Voet (rechts) überreichen die Jägerbriefe an Jürgen Langeland (2. von links) und Dr. Christoph Peylo. Foto: Speckmann

Im Vechtaer Kreishaus dürften in den nächsten Wochen zahlreiche Waidgesellen vorstellig werden. Grund ist die Beantragung des Jagdscheins bei der Unteren Jagdbehörde. Eine wichtige Voraussetzung für die Genehmigung haben die Kandidaten schon in der Tasche. Nach einer mehrmonatigen Ausbildung und der erfolgreich bestandenen Prüfung befinden sie sich im Besitz des Jägerbriefes.

Die Verleihung der Zertifikate ging am Mittwochabend im Restaurant „Holla die Waldfee“ in Vechta über die Bühne. Umrahmt von einem Büfett, den Signalen der Jagdhornbläser des Hegeringes Dinklage und den Glückwünschen der Prüfungskommission nahmen die Jungjäger freudestrahlend ihre Auszeichnung entgegen. Die Stimmung war gelöst, was nach der intensiven Vorbereitung auf die schriftliche und die mündlich-praktische Prüfung nicht verwunderte.

„Bei der Jungjägerausbildung wird nicht ohne Grund vom ,Grünen Abitur' gesprochen“, erklärte Kreisjägermeister Marco Sadelfeld aus Ellenstedt. Die 73 Teilnehmer hätten seit dem vergangenen September rund 400 Pflichtstunden investiert. Dass dieses Pensum kein Zuckerschlecken ist, sollte sich auch in der Endabrechnung widerspiegeln. Sechs Bewerber haben die staatliche Prüfung aus unterschiedlichsten Gründen nicht bestanden.

Das Lernen hat sich gelohnt: Nach arbeitsintensiven Monaten freuen sich die Teilnehmer gemeinsam mit der Prüfungskommission über den Abschluss der Jungjägerausbildung. Foto: SpeckmannDas Lernen hat sich gelohnt: Nach arbeitsintensiven Monaten freuen sich die Teilnehmer gemeinsam mit der Prüfungskommission über den Abschluss der Jungjägerausbildung. Foto: Speckmann

Mit seinem Ergebnis mehr als zufrieden sein konnte Jürgen Langeland aus Bakum. Er war Prüfungsbester, gemeinsam mit Dr. Christoph Peylo aus Damme. Letzterer hatte mit Ehefrau und Tierärztin Jeanne Goliberzuch an der Ausbildung teilgenommen, motiviert durch einen Austausch mit Jägern bei einem Seminar für Kadaver-Suchhunde zur Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest. Damit war die Lust auf die Arbeit im Revier geweckt.

Ausbildung in zwei getrennten Kursen

Unter der Leitung von Bernd Dalinghaus und Jan-Bernd Völkerding beschäftigten sich die angehenden Jäger in zwei getrennten Kursen mit verschiedensten Themen. Dabei ging es um Wissenswertes rund ums Wild und andere frei lebende Tierarten, Jagdwaffen und Fanggeräte, Hege und Naturschutz, Wildbrethygiene und nicht zuletzt das Jagd- und Waffenrecht. Auch der Umgang mit Flinte und Büchse wurde geübt.

Eine zunehmende Bedeutung erfahre der Naturschutz. Auf diesen Bereich werde in der Ausbildung inzwischen noch genauer hingesehen als früher, so der Kreisjägermeister. In diesem Zusammenhang macht er deutlich, dass die Jäger in vielfältiger Form zur Hege und Pflege der Natur beitragen würden, etwa durch das vermehrte Anlegen von Grünstreifen, um die Landschaft für Wild und Insekten attraktiver zu gestalten.

„Das Schießen macht nur einen geringen Anteil aus. Es geht um die Natur.“Heinrich Voet, Vorsitzender der Jägerschaft im Landkreis Vechta

In der Öffentlichkeit gerät die Zunft schon seit Jahrzehnten immer wieder in die Kritik. Da ist von blutigem Freizeitspaß die Rede. Dem widersprechen die Jäger energisch. Für sie geht es darum, die Wildbestände zu regulieren und den Wald zu pflegen. „Das Schießen macht nur einen geringen Anteil aus. Es geht um die Natur“, betont der Vorsitzende der Jägerschaft im Landkreis Vechta, Heinrich Voet aus Dinklage, auf Nachfrage.

Lehrgangsteilnehmerin Isabelle Meyer räumt ein, dass sie sich schon früh mit der Frage beschäftigt habe, ob das Erlegen von Tieren richtig sei, zumal ihr Vater seit mehr als 40 Jahren als Jäger aktiv ist. Durch die Auseinandersetzung mit den Hintergründen kommt die 28-jährige Holdorferin heute zu dem Schluss, dass eine Regulation der Wildbestände und begleitende Maßnahmen erforderlich sind: „Jagd ist für mich Naturschutz“, sagt sie.

Der Apfel fällt bekanntlich nicht weit vom Stamm. Wie Isabelle Meyer haben auch viele andere Absolventen einen familiären Bezug zur Jagd. Christian Brand aus Lutten berichtet, dass er schon als kleiner Junge mit seinen Angehörigen ins Revier gegangen sei. Anstatt gleich die Jägerausbildung zu machen, hat er sich über viele Jahre lieber dem Fischfang gewidmet. „Angeln ist Fallenstellen unter Wasser“, erinnert sich der 38-Jährige an ein Zitat seines Großvaters.

Klangvoller Willkommensgruß: Die Jagdhornbläser des Hegeringes Dinklage umrahmten die Abschlussveranstaltung. Foto: SpeckmannKlangvoller Willkommensgruß: Die Jagdhornbläser des Hegeringes Dinklage umrahmten die Abschlussveranstaltung. Foto: Speckmann

Nun ist es geschafft: Nach der erfolgreichen Prüfung freuen sich die 67 Jungjäger auf die Einsätze im Revier. Um Nachwuchs muss der Jägerschaft nicht bange sein. Laut Heinrich Voet liegt die Zahl der Jäger in Deutschland erstmals über der 400.000-Marke. Im Kreis Vechta sei mittlerweile etwa jeder 75. Bürger ein Jäger. Zudem steige der Anteil der Frauen. Etwa jeder vierte Teilnehmer der durchgeführten Jungjägerausbildung ist weiblich.

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