Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Der Sound des Ostens

Kolumne: Das Leben als Ernstfall – Die Musikszene der DDR hatte mehr zu bieten als die berühmten 7 Brücken, über die man gehen muss. Ein kleiner Rückblick auf das kreative Schaffen jenseits der Mauer.

Artikel teilen:

Bevor Sie jetzt denken: Ohren zu und durch, bitte nicht noch eine Musikkolumne, gleich zu Beginn eine (leichte) Entwarnung: Diesmal gibt es kein James-Blunt- oder Rea-Garvey-Bashing, auch keine John-Denver-Lagerfeuer-Nostalgie. Vielmehr ist der Sound des Ostens Thema. Ein kleiner Blick zurück auf das, was Musikschaffende jenseits der Berliner Mauer so zustande gebracht haben – und das war mehr als die unvermeidlichen sieben Brücken, über die zunächst die DDR-Rockband Karat ging. "Muräne" Peter Maffay wünschte sich erst später sein Schaukelpferd zurück.

Anlass dieser Zeilen ist eine CD, die mir kürzlich wieder in die Hände fiel. Darauf sind 20 Songs (inklusive der Nationalhymne "Auferstanden aus Ruinen"), die ein ehemaliger Kollege zusammengestellt hat und mir zum Abschied aus Mecklenburg-Vorpommern schenkte (Danke, Tüte!). Passender Titel: "Als ich fortging".

Das gleichnamige Lied der Gruppe Karussell wurde 1987 veröffentlicht – und, um Kaiser Franz Beckenbauer zu zitieren: "We call it a Klassiker." Melancholie mit Gänsehautgarantie. Dafür reicht bei mir schon das Gitarren-Intro. Inhaltlich geht's um eine Trennung – eigentlich um die eines Paares, später, politisch aufgeladen und umgedeutet, um den Abschied vom kapitulierenden Arbeiter- und Bauernstaat. Unbedingt mal reinhören!

"Wenn das der Genosse Honey wüsste..."Florian Ferber, OM Medien

Gleiches gilt für den "Kampfverband der Liebe", besser bekannt als "Bataillon d'Amour" von Silly. Natürlich gesungen von – sorry, Anna Loos – Original-Frontfrau Tamara Danz, die 1996 viel zu früh mit nur 43 Jahren an Brustkrebs starb. Ja, Liebe kann schmerzhaft und illusionslos sein, trotzdem höre ich lieber 10-mal am Stück dieses Lied, als auch nur einmal für Revolverheld das Licht anzulassen.

Hin und wieder ins Radio schafft es die Band City mit "Am Fenster" (das Geigen-Opening dürfte jeder schon mal gehört haben) – und das trotz lyrisch verschlüsselter, nicht gerade mainstreamkompatibler Zeilen wie: "Einmal wissen dies bleibt für immer/Ist nicht Rausch der schon die Nacht verklagt/Ist nicht Farbenschmelz noch Kerzenschimmer/Von dem Grau des Morgens längst verjagt."

Nina Hagen besingt ein tragisches Instagrammability-Schicksal

Dass DDR-Musik nicht nur schwermütig und bedeutungsschwanger sein muss, beweisen Nina Hagen und Automobil mit dem Gaga-Schlager "Du hast den Farbfilm vergessen". Darin besingt Hagen ein tragisches Instagrammability-Schicksal: Urlaub auf der Ostseeinsel Hiddensee – in Schwarz-Weiß! "Du hast den Farbfilm vergessen, mein Michael/Nun glaubt uns kein Mensch, wie schön's hier war haha, haha/Du hast den Farbfilm vergessen bei meiner Seel'/Alles blau und weiß und grün und später nicht mehr wahr."

Hagens größter DDR-Hit schaffte es sogar in die diesjährige "Let's-Dance-Staffel". Der schwule Kandidat Nicolas Puschmann und sein Tanzpartner Vadim Garbuzov sorgten dazu mit einem Charleston für Furore. Wenn das der Genosse Honey wüsste...

  • InfoWeitere Hörtipps: "Sagte mal ein Dichter" (Holger Biege), "Casablanca" (City) und "Wie ein Fischlein unterm Eis" (Karussell).

Zur Person

  • Florian Ferber ist Redakteur der OM Medien.
  • Den Autor erreichen Sie unter redaktion@om-medien.de.

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Der Sound des Ostens - OM online