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Der Nikolaus bleibt Nikolaus

Kolumne: Notizen aus dem wahren Leben – Von Männern mit Zipfelmütze und einem roten Mantel und warum sie dem Nikolaus nicht das Wasser reichen können.

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„Wiehnachtsmann, so ein Blödsinn, gifft doch gaor nich!“, was konnte Opa sich früher aufregen, wenn überall an jeder Ecke die Männer mit der Zipfelmütze und dem roten Mantel standen. Für unseren Vater gab es nur den heiligen Nikolaus, und zwar richtig mit Engelchen und Knecht Ruprecht.

Man, was hatten wir die Hosen voll, wenn er am Nikolaustag in unsere beste Stube kam und einfach jeden Mist, den wir gemacht hatten, in seinem Buch stehen hatte. Und der Ruprecht mit seiner Rute immerzu vor unserer Nase wedelte. Aber ein Weihnachtsmann – undenkbar in unserem Haus. Das war für Opa genauso schlimm wie diese englischen Worte, die er in sein Geschäft aufnehmen musste. „Sale“ weigerte er sich bis zum Tode in Englisch auszusprechen und an seine Schaufenster zu kleben. Nicht auszudenken, es hätte schon Black Friday gegeben, er wäre durchgedreht.

Modern wör dat nich und auch nicht immer hilfreich fürs Geschäft. Aber beim Nikolaus, da stimm’ ich Opa voll und ganz zu. Der heilige Nikolaus ist der absolute Popstar unter den Heiligen. So viel Gutes hat er vor über 1500 Jahren getan und immer wieder besonders die Kinder erfreut und ans Beschenken für Bedürftige erinnert. Nicht so ganz geheuer waren der Superstar Nikolaus und sein Drumherum übrigens für Martin Luther und deshalb hat er zu seiner Zeit den heiligen Bischof einfach arbeitslos gemacht.

Schenken nur zu Weihnachten und weg mit dem Heiligenkram der Katholiken. Doch irgendwann sprangen die Amis mit dem Weihnachtsmann in die Bresche, stehen jetzt in jedem Supermarktregal ohne Mitra und Bischofsstab. Wenn man aber als richtiger heiliger Nikolaus durch die Kälte schreiten darf, so mit Mitra und Stab wie unser Bischof, die Kids – sorry Opa, natürlich die Kinder – vor Ehrfurcht erstarren, das ist schon ziemlich schön.

„Der heilige Nikolaus ist der absolute Popstar unter den Heiligen.“

Ich habe die Ehre, als Nikolaus jedes Jahr die Mitra zu tragen, aus meinem goldenen Buch vorzulesen und die Kinder zu fragen, wie denn mein Hut heißt. Mütze ist immer wieder die freundliche Antwort. Nur ein Junge muslimischen Glaubens wusste im letzten Jahr die richtige Antwort „Mitra – lieber Nikolaus“.

Gestern durfte ich zum ersten Mal nach Emstek ins Seniorenheim zur liebevoll vorbereiteten Nikolausfeier. Die Halle bis auf den letzten Platz gefüllt, schüttelte ich mit weißen Handschuhen so viele bekannte Hände, bekam tolle Gedichte und Lieder zu hören und las aus meinem goldenen Buch so manche wahre Begebenheit aus dem Heim vor. Den Ruprecht ließ ich zu Hause, was so mancher Heimbewohner sehr bedauerte.

So schön war es, nur Omas Platz blieb leider leer. Dabei hatte sie sich doch schon im September so sehr auf ihren Nikolaus gefreut.


Zur Person:

  • Der Autor Antonius Schröer führt mehrere Modehäuser.
  • Der 63-Jährige verkörpert das Vechtaer Original „Straßenfeger“ im Karneval.

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