Demo: Erneut 5.000 Motorradfahrer auf dem Stoppelmarkt in Vechta erwartet
Die Biker machen wieder mobil. Sie befürchten Fahrverbote und andere Einschränkungen. Am 19. Juni ist eine weitere Kundgebung geplant - inklusive Sternfahrt.
5.000 Biker trafen sich im Sommer vergangenen Jahres auf dem Stoppelmarkt in Vechta. Jetzt kommt es zur Fortsetzung. Foto: Berg
Mehr als 5.000 Motorradfahrerinnen und -fahrer trafen sich Ende Juli vergangenen Jahres auf dem Stoppelmarktgelände in Vechta, um gegen mögliche Fahrverbote und die Begrenzung von Geräuschemissionen in Deutschland zu protestieren. Der Ansturm war derart groß, dass eine Fortsetzung nur eine Frage der Zeit war. Jetzt ist es soweit: Für den 19. Juni lädt der Motorradclub Backbone MC Germany die Biker-Gemeinde zur 2. Auflage ein. „Wir rechnen mindestens mit der gleichen Teilnehmerzahl wie im Vorjahr“, sagt Club-Präsident Peter Hünecke auf Anfrage vom OM online.
Die hohe Erwartungshaltung gründet sich laut Hünecke auf Rückmeldungen aus der bundesweiten Community. So hat sich nach Informationen der Redaktion bereits eine größere Gruppe aus dem Raum Köln angekündigt, die über Remscheid und Münster anreisen und dort weitere Mitstreiter mitnehmen will. Schon im vergangenen Jahr waren die Motorradfahrer vor allem aus Niedersachsen, Bremen und vielen Regionen Nordrhein-Westfalens angerückt.
„Gegen Fahrverbote für Motorradfahrer und weitere Einschränkungen“, lautet der offizielle Titel der zweiten Demonstration. Diese soll laut Veranstalter um 13 Uhr mit einer Kundgebung auf dem Stoppelmarktgelände beginnen. Vorgesehen sind mehrere Redebeiträge. Anschließend ist eine Sternfahrt durch die Landkreise Vechta und Oldenburg geplant.
"Das Problem ist immer noch dasselbe, es hat sich nichts geändert."
Peter Hünecke, Präsident des Motorradclubs Backbone MC Germany
Die Route führt nach Angaben der Vechtaer Stadtverwaltung über Ahlhorn, Wildeshausen und Ellenstedt zurück zum Stoppelmarkt. Bei der Stadt seien sowohl die Versammlung als auch die Sternfahrt „ordnungsgemäß angezeigt“ worden, erklärt Rathaussprecher Herbert Fischer. Und weiter: „Eine Bestätigung der Anzeige gibt es noch nicht. Wir müssen den Verlauf der Pandemie noch abwarten, um entsprechende Auflagen kurzfristig festzulegen und zu erteilen.“ Dies werde voraussichtlich erst kurz vor der Veranstaltung erfolgen.
Warum macht die Biker-Gemeinde solch einen Aufruhr? Ausgangspunkt war eine Initiative des Bundesrates. In einer am 15. Mai 2020 gefassten Entschließung sprach sich die Länderkammer unter anderem dafür aus, die Strafen bei Manipulationen am Auspuff zu verschärfen und in besonderen Konfliktfällen auch temporäre Geschwindigkeitsbeschränkungen oder Verkehrsverbote an Sonn- und Feiertagen zu verhängen. Anlass dieser Initiative war, dass sich in einigen Regionen wie Eifel oder Weserbergland seit Langem viele Bürgerinnen und Bürger über zu laute und zu schnelle Motorradfahrer beklagen, ihre Lebensqualität stark beeinträchtigt sehen.
Biker fürchten um das Ende des geliebten Verbrenners
Aktuell wurden die Motorradlärm-Gegner jedoch ausgebremst. Denn: Die Resolution des Bundesrates ist mittlerweile zwar der Bundesregierung übergeben worden, von dort gab es jedoch eine Abfuhr. „Wir haben ausreichende, geltende Regeln. Ich werde die Beschlüsse des Bundesrates, also der Bundesländer, nicht umsetzen“, positionierte sich Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) deutlich.
Seitdem haben die 3 bundesweit größten Initiativen gegen Motorradlärm, darunter ein Bündnis aus Politik und Bürgern namens Silent Rider, zwar vereinbart, künftig intensiver zusammenzuarbeiten und den Druck auf Politik und Behörden zu erhöhen, konkret passiert ist aber kaum etwas.
Das neue Clubhaus von Backbone MC Germany liegt im Ortszentrum von Goldenstedt, an der Ecke Barnstorfer Straße. Foto: Berg
Peter Hünecke und seine Verbündeten trauen der Ruhe jedoch nicht. „Das Problem ist immer noch dasselbe, es hat sich nichts geändert.“ Der 56-jährige Oldenburger hat einen grundlegenden Wandel ausgemacht. Hünecke: „Der politische Wille geht in die Richtung, das Ende des Verbrenners auszurufen.“ Die Initiativen des Bundesrates oder von Silent Rider sieht er daher nur als „Einstieg“. Der Motorradclub-Präsident geht davon aus, „dass im Herbst ein neuer Versuch gestartet wird, die Gesetze zu ändern“.
Neues Clubhaus im Zentrum von Goldenstedt
Die Protest-Kundgebung auf dem Stoppelmarkt ist derweil nicht das einzige Projekt, das den Motorradclub Backbone MC Germany beschäftigt. Erst vor kurzem wurde das neue Clubhaus an der Barnstorfer Straße im Ortszentrum von Goldenstedt bezogen. Die Eröffnung war für den 8. Mai geplant, musste wegen der Einschränkungen infolge der Corona-Pandemie jedoch abgesagt werden. Sobald Treffen unter freiem Himmel wieder möglich sind, solle die Feier nachgeholt werden, so Hünecke.
Der Club ist nach eigenen Angaben eng mit dem eingetragenen Verein Fallschirmjäger und Biker verbunden, der ebenfalls seinen Sitz in dem Gebäude in Goldenstedt hat. Beiden Gruppierungen gehören demnach viele ehemalige Bundeswehrsoldaten der Fallschirmjägertruppe an, die im Nordwesten Deutschlands ihren Dienst taten, etwa in Wildeshausen oder Oldenburg.