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Bündnis wirbt für "Volksbegehren Artenvielfalt"

Zehn Organisationen haben sich vor Ort zusammengeschlossen. Sie treten für konkrete gesetzliche Regelungen zum Naturschutz ein. Dazu benötigen sie viele Unterstützer.

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Auftakt des Volksbegehrens in Vechta: Vertreter des Aktionsbündnisses präsentierten die Initiative auf dem Neuen Markt. Foto: Tzimurtas

Auftakt des Volksbegehrens in Vechta: Vertreter des Aktionsbündnisses präsentierten die Initiative auf dem Neuen Markt. Foto: Tzimurtas

Weniger Pflanzen, weniger Vögel, weniger Insekten. Die Vielfalt der Arten schwindet - auch im Landkreis Vechta. Seit vielen Jahren sind Flora und Fauna hier bereits auf dem Rückzug. In der Region sei die Natur durch den wachsenden Zugriff des Menschen immer ärmer geworden, sagt Rainer Hausfeld.

Der einstige Rektor und Biologielehrer der Albert-Schweitzer-Realschule in Lohne ist einer der beiden Naturschutzbeauftragten des Landkreises Vechta. Zudem ist er für den Verein "Biologische Schutzgemeinschaft Hunte Weser-Ems" (BSH) aktiv.

Und Christian Behnen aus Bakum berichtet insbesondere vom Aussterben der Feldlerchen und Kiebitze. Behnen, einst Gymnasiallehrer für Erdkunde und Biologie am Gymnasium Antonianum in Vechta, ist der zweite ehrenamtliche Kreisnaturschutzbeauftragte.

Listen liegen an diversen öffentlichen Orten aus

Am Donnerstag haben beide auf dem Neuen Markt in Vechta mit weiteren Mitstreitern das "Volksbegehren Artenvielfalt" vorgestellt. Es war der Auftakt des lokalen Aktionsbündnisses zu der Initiative, die bereits Ende April im Land offiziell gestartet ist.

Das Ziel: In Niedersachsen soll es einen verbesserten Artenschutz geben - und zwar per Gesetz. Konkrete Vorschläge zu Änderungen diverser Paragraphen sind Teil des Volksbegehrens und liegen den Bögen für die Unterschriften bei. Die Listen, in die Bürger sich eintragen können, sind an diversen öffentlichen Orten zu finden.

Die Initiatoren von "Artenvielfalt.Jetzt" mahnen zur Eile beim Schutz der Natur. "Das Volksbegehren kann einen Beitrag leisten, dass es schneller in diese Richtung vorangeht", erklärt Behnen. Dabei gehe es auch um die "Verantwortung für kommende Generationen".

In einer ersten Phase des Volksbegehrens müssen binnen sechs Monaten mindestens 25.000 Unterschriften gesammelt werden. Anschließend braucht es - ebenfalls innerhalb eines halben Jahres -  609.838 Stimmen von weiteren Unterstützern. Das entspricht zehn Prozent der Wahlberechtigten in Niedersachsen.

"Das Volksbegehren läuft hervorragend in der Region."Ludger Frye, Vorsitzender der Nabu-Kreisgruppe Vechta

Hat das Erfolg, muss der Landtag sich mit dem Gesetzentwurf befassen. Er kann ihn beschließen, er muss es aber nicht. Kommt es zur Ablehnung im Parlament, folgt allerdings ein Volksentscheid. Vorbild für die Initiative ist das bayrische Volksbegehren "Rettet die Bienen", das vom Landtag in München angenommen wurde.

Ludger Frye, Vorsitzender der Nabu-Kreisgruppe Vechta. Foto: TzimurtasLudger Frye, Vorsitzender der Nabu-Kreisgruppe Vechta. Foto: Tzimurtas

Bei der Präsentation des Volksbegehrens in Vechta regnet es in Strömen, es sind kaum Menschen auf der Straße. Dennoch kommen innerhalb von vier Stunden immerhin etwa 15 Unterschriften zusammen. Ludger Frye, Kreisvorsitzender des bei der Initiative federführenden Naturschutzbundes (Nabu), berichtet aber: "Das Volksbegehren läuft hervorragend in der Region." Seit dem Start habe es starken Zuspruch erfahren, er wisse von vielen, die unterschrieben haben.

"Es ist an der Zeit, etwas zu unternehmen"Annette Karla-Bröring, Bürgerinitiative "Pro Wald Lohne"

Vor Ort setzt sich das Aktionsbündnis aus zehn Organisationen zusammen. Mit dabei ist auch Annette Karla-Bröring von der Bürgerinitiative "Pro Wald Lohne", die gemeinsame Ziele mit dem Bürgerbegehren habe. Nämlich "den Erhalt und Schutz von Natur, Artenschutz und Klima", wie sie erklärt.

"Es ist an der Zeit, etwas zu unternehmen", sagt sie. Und das gehe nur mit Gesetzen. Jahrelang hätte mehr unternommen werden müssen, kritisiert sie. Nun nehme das Artensterben bedrohliche Ausmaße an. Dabei verweist sie auf die wichtige Funktion der "Bestäuber" - Bienen, Hummeln und Schwebfliegen - für die Natur und ein intaktes Ökosystem als Grundlage des Lebens.

"Wir sind für Artenvielfalt weil, die Biene für unseren Honig Nektar und Pollen von vielen unterschiedlichen Pflanzen braucht."Bernhard Partmann, Vorsitzender des Kreisimkerverbandes

Die Biene – sie ist zum Symbol des Insektensterbens geworden. Auch das Logo des "Volksbegehrens Artenvielfalt" ziert sie. So ist es nicht verwunderlich, dass sich auch die Imker dem lokalen Aktionsbündnis zum Volksbegehren angeschlossen haben.

"Wir sind für Artenvielfalt, weil die Biene für unseren Honig Nektar und Pollen von vielen unterschiedlichen Pflanzen braucht", erklärt Bernhard Partmann, der erste Vorsitzende des Kreisimkerverbandes Vechta. Ohne Artenvielfalt schwinde die Nahrungsgrundlage der Bienen. Und welche Dramatik das für die Natur und den Menschen birgt, drückt Partmann so aus: "Wir Menschen sind am Ende der Nahrungskette."

Heinrich Luhr ist ein Pionier des Volksbegehrens

Noch alarmierender klingt die Warnung von Hannah Güldner, Leiterin der Lohner Naturschutzjugend (Naju): "Ohne Artenvielfalt gibt es keine Zukunft." Und Heinrich Luhr aus Steinfeld, Fraktionsvorsitzender im Kreistag der UWG, sagt, es gehe um nichts Geringeres als um die "Bewahrung der Schöpfung".

Luhr ist ein Pionier des Volksbegehens in Niedersachsen. Er hatte auch einen Entwurf ausgearbeitet und Gespräche mit dem Nabu, den Grünen und der Landeswahlleiterin, die über Volksbegehren formal zu befinden hat, geführt. Luhrs Projekt im Namen der Freien Wähler ging zwar nicht weiter, aber was nun vorliegt, das sei sehr ähnlich, erklärt Luhr.

Vor Ort ist auch die Grüne Jugend Teil des Aktionsbündnisses. Deren Kreisvorsitzender Johannes Babilon sagt, er habe den Gesetzentwurf, der zum Volksbegehren gehört, gelesen und stimme "mit allen Einzelheiten überein". Das sei ein guter Weg, der mit der Landwirtschaft gemeinsam beschritten werden könne.

Quoten für Ökolandbau

Der Gesetzentwurf sieht unter anderem Quoten für den Ökolandbau und ein Pestizidverbot für Naturschutzgebiete vor. Zudem sollen Agrarbetriebe, die den Artenschutz unterstützen wollen, gefördert werden. Das sei alles eingehend juristisch geprüft worden, sagt Nabu-Kreischef Frye.

Allerdings: Ende Mai ist auch eine Vereinbarung zur Artenvielfalt mit dem Titel "Niedersächsischer Weg" getroffen worden. Partner sind das Land Niedersachsen, das Landvolk sowie die Naturschutzverbände Nabu und BUND. Dieses bundesweit einmalige Vorgehen soll den Konsens beim verbesserten Schutz von Tier- und Pflanzenarten ermöglichen und sich in konkreten Gesetzen wiederfinden. Auch der Ausbau der Ökolandbau-Quote auf zehn Prozent bis 2025 findet sich in dem Pakt.

Für den Nabu-Kreischef Frye ist das kein Grund, das Volksbegehren ad Acta zu legen. Der "Niedersächsische Weg" sei zwar "erst einmal positiv", weil ein Konsens zum Naturschutz das Ziel sei. Aber diese Vereinbarung habe es nur wegen des bereits angeschobenen Volksbegehrens gegeben. Dadurch sei überhaupt erst Druck aufgekommen. Und was bislang als "Niedersächsischer Weg" vorliege, sei in vielen Punkten vage und eben nicht viel mehr als eine Absichtserklärung. Das reiche bei weitem nicht.


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