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Bürgermeister und Landrat versprühen beim Neujahrsempfang in Holdorf Optimismus

Dr. Wolfgang Krug und Tobias Gerdesmeyer blicken auf aktuelle Themen in Holdorf und dem Landkreis. Ihre Botschaft: Dank ihrer Anpacker-Mentalität könne die Region alle Herausforderungen meistern.

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Gastgeber und Gastredner: (von links) Holdorfs Bürgermeister Dr. Wolfgang Krug und Landrat Tobias Gerdesmeyer. Foto: Böckmann

Gastgeber und Gastredner: (von links) Holdorfs Bürgermeister Dr. Wolfgang Krug und Landrat Tobias Gerdesmeyer. Foto: Böckmann

Informative Vorträge, angeregte Gespräche und leckeres Essen: Das sind seit rund 3 Jahrzehnten die Zutaten für den Neujahrsempfang der Gemeinde Holdorf. Bei der 26. Auflage der Veranstaltung in der Bauernschänke Bocklage in Ihorst tauschten sich am Dienstagabend 145 Gäste aus der Wirtschaft, der Politik und anderen gesellschaftlichen Bereichen aus. 

Sie alle nahmen nach den Vorträgen von Bürgermeister Dr. Wolfgang Krug und Landrat Tobias Gerdesmeyer diese Kernbotschaft mit: Die Gemeinde Holdorf und der Landkreis Vechta dürfen zuversichtlich in die Zukunft blicken. Trotz aller Herausforderungen und Krisen, trotz der zunehmenden Aufgaben von Land und Bund, trotz der zunehmenden finanziellen Belastungen.

"Für uns Südoldenburger ist das Glas immer halb voll."

Tobias Gerdesmeyer, Landrat

Denn den Südoldenburger zeichne eben seine Anpacker-Mentalität aus: "Für uns ist das Glas immer halb voll", betonte Tobias Gerdesmeyer. "Die Mentalität der Menschen im Landkreis ist etwas ganz Großes." Oder anders formuliert: die Stärke der Region. Der Landrat referierte in seiner 63-minütigen Rede über „Aktuelle und zukünftige Chancen und Herausforderungen für den Landkreis Vechta“. Gerdesmeyer nannte es selbst einen "wilden Ritt" über die vielen Themen, die der Landkreis Vechta auf der Agenda hat.

Der 50-Jährige sprach über Klima, Windenergie und Energieautarkie. Er redete über das Wassermanagement, Mobilität und den nicht immer optimal erfolgenden Breitbandausbau. Gerdesmeyer warb für die Krankenhaus-Erweiterung in Vechta, obwohl er zuerst auch für einen Bau auf der grünen Wiese gewesen sei. Doch der Anbau biete mehr Vorteil als ein Neubau, vor allem, weil dieser günstiger sei. Und beim Thema Verkehr hatte der Landrat für die Holdorfer diese wichtige Nachricht parat: Die Kreisstraße 275 von Fladderlohausen nach Gehrde soll ab 2025 auf einer Länge von 4,2 Kilometern (inklusive Radweg) für 6,9 Millionen Euro saniert werden.

Ausführlicher widmete sich Gerdesmeyer diesem Themenkomplex: den zunehmenden Aufgaben für den Landkreis, der Diskussion um die erhöhte Kreisumlage und der Kreishaus-Erweiterung. Drei Aspekte, die zumindest indirekt miteinander zusammenhängen. Der Landrat erklärte: Die Anforderungen an die Kreisbehörde nähmen stetig zu. Das betreffe vor allem den sozialen Bereich, also die Jugendhilfe, die Kinderbetreuung, die Migrationsarbeit und noch einiges mehr.

Zuversichtliche Kommunalpolitiker: Ratsvorsitzender Mario Stickfort (von links), Landrat Tobias Gerdesmeyer und Bürgermeister Dr. Wolfgang Krug. Foto: BöckmannZuversichtliche Kommunalpolitiker: Ratsvorsitzender Mario Stickfort (von links), Landrat Tobias Gerdesmeyer und Bürgermeister Dr. Wolfgang Krug. Foto: Böckmann

Die Konsequenz: Der Landkreis braucht mehr Personal, er muss auch immer mehr Geld für diese Aufgaben ausgeben. Aber: Es fließen eben nicht die nötigen Zuschüsse von Bund respektive Land. Um die Kosten zu decken, sei es nötig gewesen, die Kreisumlage zu erhöhen. Gerdesmeyer betonte: "Die Kreisumlage zu erhöhen, hat nichts mit der Kreishaus-Erweiterung zu tun."

Das Kreishaus zu erweitern, sei dennoch nötig. 750 Mitarbeiter hat der Landkreis mittlerweile. Die Behörde ist neben dem Hauptgebäude auf drei weitere Außenstellen verteilt (unter anderem mit dem Veterinäramt und dem Gesundheitsamt). Die Kritik des Lorser Unternehmers Mike Wojtun, der Landkreis wolle die Bürokratie doch minimieren, anstatt sie zu erhöhen, nannte Gerdesmeyer verständlich.

Der Lohner betonte jedoch: "Wir wollen Abläufe verbessern, wir wollen Personal einsparen. Allerdings bekommen wir von oben immer mehr Aufgaben." Dabei sollte es doch gerade das Ziel sein, die starken Landkreise zu stärken – und nicht weiter zu belasten. "Die starke Lokomotive fährt irgendwann auch nicht mehr, wenn immer neue Wagons an Aufgaben dazukommen."

Migration bietet für Gerdesmeyer mehr Chancen als Risiken

Die Migrationspolitik sei ein Beispiel. Die Geschwindigkeit, mit der der Landkreis Vechta Menschen zugewiesen bekommen habe, sei zu hoch gewesen. Das sei aber kein kategorisches Nein gegen Flüchtlinge, sagte Gerdesmeyer. "Wenn wir es richtig machen, wenn wir die Menschen willkommen heißen und diese Arbeit finden, dann sehe ich bei der Migration mehr Chancen als Risiken – verbunden mit einer klugen Siedlungspolitik und ehrenamtlichem Engagement."  Gerdesmeyer sagte:  Es dürfe nicht immer alles pessimistisch gesehen werden. Er selbst sei lieber der lachende Smiley.

Mit Blick auf die in vielen Bereichen erhitzte politische Debatte, ein "toxisches Gemisch", das durch Flüchtlingskrise, die Corona-Pandemie, den Krieg in der Ukraine und Energiedebatten in den vergangenen Jahren ausgelöst worden sei, warb Gerdesmeyer für eine "Politik von Maß und Mitte, anstatt weiter Öl ins Feuer zu gießen. Wir sollten unsere Demokratie schützen". Er als Landrat stehe jedenfalls für das Vereinigende, für den Kompromiss – und nicht für schnelle Entscheidungen.

Blickte zurück und voraus: Holdorfs Bürgermeister Dr. Wolfgang Krug. Foto: BöckmannBlickte zurück und voraus: Holdorfs Bürgermeister Dr. Wolfgang Krug. Foto: Böckmann

Nach Gerdesmeyers Rede blickt dann 79 Minuten lang Bürgermeister Dr. Krug auf das vergangene Jahr in Holdorf zurück und auf 2024 voraus. Der Verwaltungschef präsentierte den Gästen wie gewohnt Zahlen, Daten und Fakten. Er berichtete über Wissenswertes, Bemerkenswertes und Persönliches aus dem Gemeindeleben. Sein Fazit: "Holdorf ist eine quicklebendige Gemeinde." Er sei überzeugt, dass die Gemeinde in 12 Monaten trotz aller Krisen sagen könne: "2024 war ein gutes Jahr."

Kurios: So boomend Holdorf in vielen Bereichen ist, die Einwohnerzahl sank 2023 erstmals seit vielen Jahren wieder – nämlich um 39 Personen auf 7643 Holdorfer. Eine Ursache: Es gab deutlich mehr Sterbefälle (91) als Geburten (61). Ursache zwei: Es hätten einige Flüchtlinge, speziell aus der Ukraine, die Gemeinde wieder verlassen. Aktuell leben in Holdorf 100 Ukrainer. Diese sind zum Teil in 16 von der Gemeinde gemieteten Wohnungen untergebracht.

Allzeittief bei den privaten Grundstücksverkäufen

Welche Zahlen aus Holdorf sind noch interessant? Die Grundstücksveräußerungen der Gemeinde Holdorf sanken 2023 auf ein Allzeittief: Im vergangenen Jahr wurden nur zwei Grundstücke für die Wohnbebauung verkauft. Die Zahl der Gewerbebetriebe stieg im vergangenen Jahr auf 773 (+28). Einer sozialversicherungspflichtigen Arbeit gingen 3341 Beschäftigte (-27) nach. Der Schuldenstand sank auf 5,9 Millionen Euro. Das heißt: Jeder Einwohner hat 695 Euro Schulden. Beide Zahlen werden in diesem Jahr wegen des Ausbaus der Industriestraße steigen (und dürften 2025 wieder sinken).

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