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Bau der Friedhofskapelle in Goldenstedt kann endlich starten

Am Montag wurde der kleine Aufbahrungsraum beim Friedhof an der Vechtaer Straße abgerissen. "Endlich", sagen viele. Denn von einem Abschied in Würde konnte schon lange nicht mehr gesprochen werden.

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Abriss: Die alte Leichenwagenhalle muss weichen. Dafür rückte am Montagmorgen der Bagger an. Foto: C. Meyer

Abriss: Die alte Leichenwagenhalle muss weichen. Dafür rückte am Montagmorgen der Bagger an. Foto: C. Meyer

Es dauert nicht lang, da ist das Dach der alten Leichenwagenhalle an der Vechtaer Straße in Goldenstedt auch schon abgedeckt. Der Baggerfahrer macht sich am Montagmorgen früh ans Werk, um das Gebäude, das von der evangelischen Kirchengemeinde in den vergangenen Jahren als Aufbahrungsraum für Verstorbene genutzt wurde, abzureißen. In der kommenden Woche startet schließlich der Neubau der Friedhofskapelle, lässt Linus Bocklage vom zuständigen Architekturbüro Bocklage-Buddelmeyer aus Vechta wissen. Nach einem Jahr soll die Maßnahme abgeschlossen sein.

Schon seit Längerem wünschen die Menschen sich eine richtige Friedhofskapelle, um „in einem würdigen Rahmen“ Abschied nehmen zu können, weiß Detlef Battermann vom Gemeindekirchenrat. Sein Kommentar, während er dem Bagger bei der Arbeit zusieht: „Endlich!“ In dem vergleichsweise kleinen Aufbahrungsraum seien Trauerfeiern – insbesondere für Nicht-Christinnen und Nicht-Christen – nur eingeschränkt möglich gewesen. Angesichts der Tatsache, dass auf dem Friedhof jede und jeder – ungeachtet der Konfession oder Religion – seine letzte Ruhe finden kann, brauchte es eine würdevollere Lösung für die Trauerfeierlichkeiten. Darüber hinaus entsprachen die Bedingungen zum Aufbahren der Verstorbenen überhaupt nicht mehr dem Stand der Dinge, ergänzt Linus Bocklage und nennt als Stichwort den „Schneewittchensarg“ – ein Glaskasten, der nicht mehr angemessen war.

Freuen sich bereits auf den Neubau: Linus Bocklage (links) vom Architekturbüro Bocklage-Buddelmeyer und Detlef Battermann vom Gemeindekirchenrat verfolgten das Abrissgeschehen. Foto: C. MeyerFreuen sich bereits auf den Neubau: Linus Bocklage (links) vom Architekturbüro Bocklage-Buddelmeyer und Detlef Battermann vom Gemeindekirchenrat verfolgten das Abrissgeschehen. Foto: C. Meyer

85 Prozent der Kosten trägt die Gemeinde

2020 hatten sich die Mitglieder des Goldenstedter Gemeinderates darauf verständigt, eine Friedhofskapelle bauen zu lassen. 85 Prozent der Kosten trägt die Gemeinde, 15 Prozent muss die Kirchengemeinde selbst aufbringen. Die erste Kostenschätzung Ende 2020 in Höhe von insgesamt 481.000 Euro wurde nach der Ausschreibung der Gewerke im vergangenen Sommer um Mehrkosten in Höhe von 36 Prozent gesprengt, wie in der jüngsten Gemeinderatssitzung bekannt wurde. Diese „immens gestiegenen Kosten“ haben auch zur Verzögerung des Baustarts geführt, erklärt Linus Bocklage auf Nachfrage. Anfang des vergangenen Jahres hieß es noch, dass der Bau der Friedhofskapelle 2021 starten könne. Um den ursprünglich anvisierten Kostenrahmen aber einhalten zu können, seien zunächst Einsparungen vorgenommen worden, so Bocklage.

Nun liegen die Baukosten bei 530.000 Euro – 450.000 Euro davon übernimmt die Gemeinde Goldenstedt, wie die Mitglieder des Rates im Dezember mehrheitlich beschlossen haben. Die restlichen 80.000 Euro muss die evangelische Kirchengemeinde stemmen. Detlef Battermann bittet deshalb um Spenden, damit die Kirchengemeinde diese Summe aufbringen kann.

Zwar sei in Detailfragen gespart worden, sagt Linus Bocklage, doch das ursprüngliche Konzept sei nach wie vor aktuell. Der Entwurf sieht einen roten Klinkerbau mit rotem Satteldach vor. Da das Areal denkmalgeschützt sei, muss sich die Friedhofskapelle in das bestehende Ensemble einfügen, erklärt Bocklage. Die Kapelle wird eine Fläche von rund 60 Quadratmetern einnehmen und 40 Sitzplätze bieten. Da Trauerfeiern generell zunehmend kleiner gestaltet werden, teilt Bocklage seine Beobachtung, seien die Räumlichkeiten vermutlich für viele Menschen interessant. 

Bestatterraum für den Nordkreis Vechta

Überdies gibt es auf beiden Seiten jeweils einen weiteren Trakt. So wird unter anderem eine vom Friedhof aus frei zugängliche, barrierefreie Toilette eingerichtet. Dahinter findet sich die Sakristei. Auf der anderen Seite wird es einen separaten Abschiedsraum sowie einen gesonderten Bestatterraum geben. Letzteren gebe es bislang so in dieser Form in Nordkreis Vechta noch nicht, sagt Bocklage. Dieser könne unter anderem für polizeiliche Untersuchungen genutzt werden. Auffällig in dem Entwurf ist zudem die große Fensterfront in Richtung Friedhof.

Ansicht vom Friedhof aus: So soll die neue Kapelle auf dem evangelischen Friedhof in Goldenstedt künftig aussehen. Grafik: Bocklage+ Buddelmeyer Architekten GmbHAnsicht vom Friedhof aus: So soll die neue Kapelle auf dem evangelischen Friedhof in Goldenstedt künftig aussehen. Grafik: Bocklage+ Buddelmeyer Architekten GmbH

Während der Raum sich auf der Rückseite öffnet, soll er vorn – zur Vechtaer Straße hin – möglichst geschlossen sein, um die Privatsphäre der Trauergemeinde zu schützen und um den Verkehrslärm abzudämpfen. Deshalb wird zum Parkplatz hin ein in sich geschlossener Innenhof gestaltet. Für den Leichenwagen werde ein Weg zum seitlich gelegenen Bestatterraum geschaffen, um auch diese Angelegenheiten sichtgeschützt abzuwickeln. Insgesamt, so fasst es Linus Bocklage zusammen, soll ein „würdevoller Abschiedsplatz“ beim Friedhof entstehen.

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