Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

In Goldenstedt soll künftig für jeden ein Abschied in Würde möglich sein

Eine alte Leichenwagenhalle ist bislang der Aufbahrungsraum für Verstorbene auf dem evangelischen Friedhof. Ein Umstand, der schon lange hinterfragt wird. Nun ändert sich endlich etwas.

Artikel teilen:
Ansicht vom Friedhof aus: So soll die neue Kapelle auf dem evangelischen Friedhof in Goldenstedt künftig aussehen. Grafik: Bocklage+ Buddelmeyer Architekten GmbH

Ansicht vom Friedhof aus: So soll die neue Kapelle auf dem evangelischen Friedhof in Goldenstedt künftig aussehen. Grafik: Bocklage+ Buddelmeyer Architekten GmbH

In Würde von verstorbenen Angehörigen Abschied nehmen – das ist der Anspruch, den vermutlich jeder an ein Begräbnis hat. Bei der evangelischen Kirchengemeinde in Goldenstedt kamen dahingehend in den vergangenen Jahren jedoch einige Zweifel auf. Deshalb gibt es jetzt konkrete Pläne, den Friedhof im Goldenstedter Eingangsbereich aufzuwerten.

Bislang gibt es an der Vechtaer Straße lediglich einen vergleichsweise kleinen Aufbahrungsraum. Ursprünglich ist das Gebäude 1950 als Leichenwagenhalle gebaut worden, erzählt Pfarrerin Elke Koopmann. Die Möglichkeiten, dort eine Trauerfeier abzuhalten, sind überaus eingeschränkt – besonders für nicht-christliche Trauernde, für die der Gang zur Kirche naturgemäß wegfällt. Es gibt bislang keinen entsprechenden Raum dafür. „Auf dem Friedhof findet jeder seine Ruhe, egal welche Konfession oder Religion“, erläutert Koopmann. Aber auf die „unbefriedigende Situation“ bezüglich der Trauerfeiergestaltung sei Koopmann in den vergangenen Jahren mehrfach angesprochen worden.

Kapelle fügt sich in Ensemble ein

Im vergangenen Jahr hat sich der Goldenstedter Gemeinderat darauf verständigt, eine Friedhofskapelle bauen zu lassen. 85 Prozent der Kosten wird die Gemeinde tragen, 15 Prozent muss die Kirchengemeinde selbst aufbringen. Eine konkrete Summe steht bislang nicht fest.

Fest steht aber bereits der Entwurf, der vom Architekturbüro Bocklage-Buddelmeyer aus Vechta angefertigt wurde. Der sieht einen roten Klinkerbau mit rotem Satteldach vor. „So fügt sich die Kapelle in das bestehende Ensemble ein“, erklärt Linus Bocklage. Zudem, so macht Koopmann deutlich, ist der Bereich, in dem der Neubau errichtet wird, ein denkmalgeschütztes Areal. Dadurch seien die Gestaltungsmöglichkeiten generell eingeschränkt.

Die neue Friedhofskapelle wird eine Fläche von rund 60 Quadratmetern einnehmen und 40 Sitzplätze bieten. Eingerahmt wird die Kapelle von 2 Trakten. Auf der einen Seite wird es eine sanitäre Anlage geben, die auch vom Friedhof aus gut zu erreichen ist. Dahinter wird eine Sakristei angelegt. Auf der anderen Seite wird es einen separaten Abschiedsraum geben, sowie einen gesonderten Bestatterraum.

Angebot für den gesamten Vechtaer Nordkreis

„Auf diesen Raum haben uns die Bestatter erst aufmerksam gemacht“, gibt Elke Koopmann zu. Den Bedarf habe weder die Gemeinde noch die Kirchengemeinde zuerst auf dem Plan gehabt. Tatsächlich gebe es so einen Raum bislang für den Nordkreis Vechta noch gar nicht, erklärt Linus Bocklage. Dieser könne unter anderem dafür genutzt werden, wenn beispielsweise Unfallopfer für polizeiliche Aufgaben aufgebahrt werden müssten, so Bocklage. Bislang habe das in den bestehenden Räumen stattgefunden - und war damit stets nur eine Behelfslösung. Mit einem separaten Raum könne das Ganze in einem geschützten Umfeld vonstattengehen.

Generell stelle sich die Frage, so Georg Bocklage, wie eine Aufbahrungshalle aussehen kann. „Wie man mit den Verstorbenen umgeht, sagt viel über die Gesellschaft aus“, findet er. In der Region gebe es viele Leichenhallen, die introvertiert und abgeschottet wirkten. Mit einer großzügigen Verglasung mit Blick auf den Friedhof in Richtung Kirche soll ein „sich öffnender Raum“ geschaffen werden, so Bocklage.

Gemeinsames Projekt von Gemeinde und Kirche

Eine Schwierigkeit stellte für die Planer das große Verkehrsaufkommen an der Vechtaer Straße und der damit einhergehende Lärm dar. Deshalb werde zum Parkplatz hin ein in sich geschlossener Innenhof gestaltet. So soll die Privatsphäre der Trauernden sichergestellt werden. „Nach vorne hin ist es eher geschlossen, nach hinten offen“, fasst Linus Bocklage das Vorhaben zusammen.

Elke Koopmann zumindest ist höchst angetan von dem „Projekt für Goldenstedt“, wie sie sagt. Bürgermeister Alfred Kuhlmann sieht den Bau der Friedhofskapelle auch als kommunale Aufgabe und ihm sei es wichtig, dies mit der evangelischen Kirchengemeinde „partnerschaftlich zu wuppen“. Da die Kapelle ein Angebot für alle Menschen sein soll, sei dies ein Projekt mit Weitsicht, findet die Pfarrerin. 

Einen konkreten Baustart könne noch nicht genannt werden, sagt Linus Bocklage. Beim Thema Denkmalpflege gebe es noch Klärungsbedarf. Aber noch in diesem Jahr soll es losgehen, ergänzt Koopmann zuversichtlich. Im kommenden Jahr soll das Projekt voraussichtlich abgeschlossen sein.

Jetzt neu! Moin Friesoythe! Der wöchentliche Newsletter für die Eisenstadt mit aktuellen News und Informationen. So verpassen Sie nichts mehr. Jeden Donnerstag in Ihrem Postfach. Jetzt hier anmelden.  

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

In Goldenstedt soll künftig für jeden ein Abschied in Würde möglich sein - OM online