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Bakumer Gethsemanekirche wird 70 Jahre alt

Das Gotteshaus wurde am 16. September 1951 geweiht. Aufgrund der Pandemie gibt es statt eines Gemeindefestes nun einen Festgottesdienst mit anschließenden Beisammensein am 19. September.

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Von außen etwas unscheinbar entwickelt die Gethsemanekirche ihre Wirkung vor allem in Innern mit ihrer warmen, hellen und freundlichen Atmosphäre. Foto: Heinzel

Von außen etwas unscheinbar entwickelt die Gethsemanekirche ihre Wirkung vor allem in Innern mit ihrer warmen, hellen und freundlichen Atmosphäre. Foto: Heinzel

"Die Kirche hat viele Geschichten zu erzählen", sagt Karsten Hilgen. Der 55-jährige Geistliche kann sich noch gut an den Tag erinnern, als er das 1. Mal die Gethsemanekirche in Bakum sah. Es war Pfingsten 1998, kurz nachdem der gebürtige Huntloser erfahren hatte, dass er dort Pfarrer werden würde. Von außen sei sie nicht besonders eindrucksvoll gewesen, doch von innen entfaltete sich ihre ganze Schönheit. "Ich war erstaunt über die Raumwirkung der Kirche und total überwältigt über die Atmosphäre des Ortes", erzählt er. Eigentlich war Karsten Hilgen damals inkognito unterwegs, doch die Gemeinde erkannte ihn direkt als den "neuen Pfarrer" und verwickelte ihn in ein Gespräch. "Ich habe mich sofort wohlgefühlt", fasst Hilgen diese Erfahrung zusammen.

In der Folgezeit setzte er sich mit der Geschichte des Gotteshauses auseinander. Dazu führte er auch viele Zeitzeugengespräche. "Man kann nicht Pfarrer in einer Gemeinde sein, ohne sich auch mit der Wirkungsstätte auseinanderzusetzen." Die Gethsemanekirche bekam ihren Namen übrigens erst 2001 im Rahmen der Feierlichkeiten zu ihrem 50-jährigen Bestehen. Vorher wurden die Bezeichnungen "Waldkirche", "kleine Kirche" oder kurz nach ihrem Bau "Vertriebenen-Kapelle" gebraucht.

Das Jubiläum wird mit einem Festgottesdienst am 19. September begangen.

Die Gethsemanekirche wurde am 16. September 1951 geweiht - 4,5 Monate hatte der Bau der Kirche nur gedauert. 2021 jährt sich dieses Ereignis nun zum 70. Mal. Karsten Hilgen bedauert, dass das ursprünglich geplante Gemeindefest aufgrund der Pandemie nicht stattfinden kann. Es gebe aber einen Festgottesdienst am 19. September (Sonntag) mit einem anschließenden Beisammensein. Zusätzlich werde es an diesem besonderen Tag mehrere Taufgottesdienste geben.

Die Grundsteinlegung 1951 für die Gethsemanekirche. Foto: Archiv Heimatverein BakumDie Grundsteinlegung 1951 für die Gethsemanekirche. Foto: Archiv Heimatverein Bakum

Bei der Gethsemanekirche handelt es sich um eine so genannte "Notkirche" - genauer gesagt um eine Gemeindezentrum Typ D. Entworfen und entwickelt hat das Kirchen-Baukastensystem Otto Bartning (1883 bis 1959). Der gebürtige Karlsruher war dazu vom "Hilfswerk der Evangelischen Kirchen in Deutschland (HEKD)" beauftragt worden. Man kann sagen es gab 2 Notkirchenprogramme. Eines von 1947 bis 1951 mit den großen Kirchen des Typs A und B (43 Kirchen beiden Typs) sowie das 2. von 1949 bis 1952 mit den Gemeindezentren und Diasporakapellen, welche für sich neu formierende evangelischen Gemeinden in ehemals rein katholischen Gebieten gedacht waren.

"Die Menschen die nach Bakum kamen hatten alles verloren - auch ihre Glaubensheimat."Pfarrer Karsten Hilgen

Genau das war die Situation in Bakum nach dem 2. Weltkrieg. Über 1000 Protestanten kamen in das Dorf. "Die Menschen die nach Bakum kamen hatten alles verloren - auch ihre Glaubensheimat", sagt Karsten Hilgen. Für beide Seiten - Katholiken und Protestanten - keine einfache Zeit. Die evangelische Gemeinde feierte in den 1. Jahren ihre Gottesdienste im Saal Bünnemeyer. Bis es 1950 so weit war und mit dem Bau der "Notkirche" begonnen wurde.

Der Altar mit den von August Oetken bemalten Flügeltüren. Geschlossen machen sie aus dem Kirchenraum einen Gemeindesaal.
Foto: Heinzel
Eine warme und helle Atmosphäre entfaltet sich im inneren der Gethsemanekirche.
Foto: Heinzel
Die Orgel kam erst in den 1960er Jahren in die Kirche. Davor behalf sich die Kirchengemeinde mit einem Harmonium.
Foto: Heinzel
Das heutige Gebäudeensemble mit dem Glockenturm, dem entwidmeten Pfarrhaus, dem Pfarrheim und der Gethsemanekirche.
Foto: Heinzel
Junge mit dem Fahrrad: Peter Sadowski
Archiv Heimatverein Bakum

Das Baugrundstück war ein Geschenk des Freiherrn Udo von Frydag. Für das Fundament sorgte die Kirchengemeinde in Eigenregie. Damals gab es einen Aufruf einen Tag seine Arbeitskraft für den Kirchenbau einzusetzen. Es gab damals mehr Freiwillige als Personen  am Bau mitwirken konnten. "Es war und ist ein Ausdruck des Zusammenhaltes innerhalb der Gemeinde, der auch heute noch spürbar ist", berichtet Karsten Hilgen. "Jeder hat sich auf seine Weise eingebracht."

"Es war und ist ein Ausdruck des Zusammenhaltes innerhalb der Gemeinde, der auch heute noch spürbar ist."Pfarrer Karsten Hilgen über den Bau der Kirche 1950/51

Am 16. September 1951 wurde die Kirche geweiht. Die Gethsemanekirche gab vielen ein Gefühl von Heimat, symbolisierte einen Neubeginn und stand für den Aufbruch in eine verheißungsvolle Zukunft. Der Clou an dem Raum ist, dass er mit wenigen Handgriffen zu einem Raum wird, der problemlos für eine Bibelstunde oder den Konfirmandenunterricht genutzt werden kann. Der in einer Nische befindliche Altar wird durch Flügeltüren einfach abgetrennt. Die Malereien an den Flügeltüren stammen von dem regionalen Künstler August Oetken. Die Orgel sei erst Anfang der 60er Jahre eingebaut worden - dafür hätte man ein Harmonium benutzt. Für die Gefallenen denen man am Volkstrauertag gedenkt steht in einer Ecke der Kirche ein kleines Podest, auf dem ein Buch mit allen Namen der Gefallenen liegt. Aktuell ist die Kirche leider überwiegend verschlossen. Als in Visbek lebender Pfarrer sei er momentan auf der Suche nach Jemanden der die Kirche auf- und zuschließen könne.

Alle die sich weiter über die Gethsemanekirche und ihre Geschichte informieren wollen haben die Möglichkeit dort eine Führung zu erleben. Pfarrer Hilgen erzählt gerne die Geschichte dieses besonderen Gotteshauses.

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