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Aus den Augen, aus dem Sinn?

Kolumne: Notizen aus dem wahren Leben – Von Pflichtschuldigkeit bis Wertschätzung: Es gab schon immer unterschiedliche Arten von Nachrufen. Nun aber scheint sich eine Zeitenwende anzubahnen.

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Immer häufiger ertappe ich mich dabei, die Tageszeitungen von hinten durchzublättern. Die Traueranzeigen bekommen für mich zunehmend eine größere Bedeutung. Die Alterserscheinungen lassen grüßen. Kenne ich die Personen in den schwarzen Umrandungen? Dann einen Blick auf das Geburtsdatum. Häufig waren die Verstorbenen noch jünger als ich. Nun ja, die Einschläge kommen näher!

Mit großem Interesse lese ich die Nachrufe von Firmen und Institutionen. Sind Text und Gestaltung der Anzeige empathisch oder kommt nur eine gewisse Pflichtschuldigkeit zum Ausdruck? Wie auch immer diese Nachrufe gestaltet sind, dem Verstorbenen und seinen Angehörigen wird dadurch Wertschätzung entgegengebracht. Für trauernde Angehörige ein nicht zu unterschätzender Trost!

Aber auch hier scheint sich eine Zeitenwende anzubahnen. Vor einem Jahr verstarb völlig überraschend eine gute Freundin. Sie war weit über 40 Jahre als Krankenschwester im selben Hospital tätig und erst vor einigen Jahren alters- und krankheitsbedingt ausgeschieden. Trotz der langen Betriebszugehörigkeit und der christlichen Ausrichtung des Hauses gab es keinen Nachruf für die Verstorbene. Wie zu erfahren war, wäre dies nur den Personen vorbehalten, die im aktiven Dienst versterben.

"Wie zu erfahren war, wäre dies nur den Personen vorbehalten, die im aktiven Dienst versterben."Elisabeth Schlömer

Dass meine Freundin jahrzehntelang für ihre Patienten gelebt und sich dabei verschlissen hatte, spielte keine Rolle. Das ist dann für die Angehörigen schon wie ein Schlag ins Gesicht! Gott sei Dank gibt es aber immer noch Betriebe, die auch bei nur kurzer Betriebszugehörigkeit oder einem Ausscheiden vor mehr als einem Jahrzehnt ihre ehemaligen Mitarbeiter mit einer Traueranzeige würdigen!

Damit wäre es früher aber nicht getan gewesen. Noch am Anfang meines Berufslebens in den 1980er-Jahren war es überall selbstverständlich, bei den verstorbenen Eltern von Kolleginnen und Kollegen mit zur Beerdigung zu gehen. Die Teilnahme an der Beisetzung hatte eine gewisse Priorität gegenüber der Arbeit. Teilweise bekam man dafür sogar frei. Das hat sich dann peu à peu gewandelt. Von vielen Unternehmen wird heute eine Teilnahme nicht mehr unterstützt.

Aber früher war auch nicht alles besser. Ich erinnere mich noch gut, dass ein katholischer Pfarrer weder bei der Beerdigung noch bei der anschließenden Messe den Namen der Verstorbenen nannte. Und das nicht nur einmal. Es hieß immer nur der oder die Verstorbene. Wertschätzung sieht anders aus! Da sind wir heute sicherlich ein ganzes Stück weiter.

Es ist selbstverständlich, dass ein Lebenslauf des Verstorbenen Bestandteil der Predigt und er der Mittelpunkt der Beisetzung ist. In Lohne ist er in der Friedhofskapelle über einen Bildschirm auch optisch für die Trauergemeinde präsent. In Bakum ist für weniger Mobile eine Übertragung der Beisetzung in die Kirche möglich. Mit moderner Technik kann Abschiednehmen sicherlich noch würdevoller werden. Sollten wir das nicht nutzen?


Zur Person:

  • Elisabeth Schlömer wohnt in Cloppenburg.
  • Sie war Leiterin des Ludgerus-Werkes Lohne bis zu ihrem Ruhestand 2019. Momentan ist sie ehrenamtlich tätig bei den „Machern – zu jung um alt zu sein“.
  • Die Autorin erreichen Sie unter: redaktion@om-medien.de.

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