An und Pfirsich ist das gar nicht mal so lustig
Kolumne: Wenn sich selbst ernannte Wortaktrobaten unterhalb des infantilen Flachwitzes bewegen, finden sie das „wunderbärchen“. Ihre Mitmenschen ringen um Fassung.
Matthias Bänsch | 14.03.2025
Kolumne: Wenn sich selbst ernannte Wortaktrobaten unterhalb des infantilen Flachwitzes bewegen, finden sie das „wunderbärchen“. Ihre Mitmenschen ringen um Fassung.
Matthias Bänsch | 14.03.2025

Es gibt ihn in jeder Firma oder im erweiterten Freundeskreis. Diesen einen Kollegen oder Bekannten, der auf Biegen und Brechen durch vermeintlichen Wortwitz für allgemeine Belustigung sorgen will. Und ja: Diese Spezies ist in der Regel männlich. Zur Begrüßung wird mit einem „Hallöchen Popöchen“ oder einem „Guten Tacho!“ gönnerhaft auf den Schreibtisch geklopft. Im Oldenburger Münsterland auch beliebt: „Good Moining!“ oder „Moinjorno!“ Egal, in welcher Ecke der Republik man diesem sprachlichen Übeltäter begegnet, jeder weiß sofort: „Herzlichen Glühstrumpf. Das kann ja wieder Eiter werden.“ Im Büro spult der selbsternannte Wortakrobat – noch ehe er seinen „Schlepptopp“ hochfährt – immer wieder das gleiche Programm bei Anrufen ab: „Das Teflon klingelt. Könnte ein Gespräch sein.“ Die Anrufer werden mit einem überfröhlichen „Was kann ich gegen Sie tun?“ begrüßt. In Dienstbesprechungen leitet er „zum Bleistift“ seine Überlegungen mit einem „Zement mal!“ ein, um das Fazit seiner ausschweifenden Gedankengänge mit einem „Lange Rede, schwacher Sinn“ einzuläuten. Seine Ideen findet er prinzipiell derart gut – „da werden noch Generatoren drüber sprechen“. „Dem Kellner wird’s mit einem „Schankedöhn“ gedankt, angestoßen wird natürlich in alle Richtungen mit einem „Prostata!“.“ In der Kneipe findet man diesen Zeitgenossen „an und Pfirsich“ erst recht nicht lustig. Denn er zerstört jedes Gespräch mit der Aufforderung: „Stück doch mal ein Rück!“ Kaum hat man Platz gemacht, findet er dies „ausgebrochen gut“ und quittiert den ergatterten Mittelpunkt in der Runde als „wunderbärchen“. Immerhin erkundigt er sich nach dem Wohlbefinden seines Gegenübers mit einem jovialen „Na, alles fit im Schritt?“. Er bestellt sich eine „Hopfenkaltschale“, um die Kehle für den weiteren Wortfluss zu ölen. Dem Kellner wird’s mit einem „Schankedöhn“ gedankt, angestoßen wird in alle Richtungen mit einem „Prostata!“. Mit versteinerter Miene und geballter Faust unter dem Tisch denkt sich der Gesprächspartner: „Das darf doch nicht Warstein.“ In der Hoffnung, der lästige Sprachwitzler würde sich zügig „verabscheuen“ ist er doch ob der anerzogenen Höflichkeit zum schweigenden Ertragen verdonnert: „Schade, Schokolade“. So bleibt einem nichts „Walter Ulbricht“, den infantilen Ulk über sich ergehen zu lassen. Müde lächelnd. Augen rollend. Doch dann, irgendwann: Ist es ein Lichtblick oder doch nur ein blasser Hoffnungsschimmer? Der Wortakrobat erhebt sich. Will er nur „das Bier wegtragen“ – Sie wissen schon: „Jürgen würgen“ – oder geht er tatsächlich? Es folgt ein lang gezogenes „Okäse!“ Er steht auf, klopft auf die Tischplatte – denn er will uns natürlich dieses Prozedere auch nicht beim Abschied vorenthalten! – und holt zum großen Finale aus: „Mach's gut, aber nicht zu oft. Leg dich wieder hin. Grüß deine Frau und meine Kinder. Bis Baldrian, Tschau Kakao, Ferrero Tschüsschen – und: Hau Rheinland, Pfalz wir uns nicht wiedersehen!“ Keine Frage, mit diesem Zeitgenossen ist das Leben wirklich kein Ponyhof! Und außerdem – im Vertrauen unter uns Pastorentöchtern – würden wir am liebsten erwidern: Noch so'n Spruch, Kieferbruch.Zur Person:
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