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Alles hat seine Zeit – manches nicht vor vier!

Kolumne: Der eine liebt seine Jogginghose, die andere ihren Hoodie. Meine treue Begleiterin ist die lässige Buxe.

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Haben Sie auch so herrlich eingefahrene Gewohnheiten? Bei mir ist’s das Feierabendritual. Man legt die „Uniform“ des Alltags ab und steigt in Klamottagen, in denen man nur noch dem Pizzaboten unter die Augen treten würde. Bei mir firmiert dieses Outfit unter „lässige Buxe“.

Wir sprechen hier nicht etwa von einer Jogginghose! Erstens würde ich mich in Ballonseide und dreigestreift permanent fühlen, als müsste ich auch Goldkette überm T-Shirt tragen und breitbeinig gehen. Zweitens weckt eine Jogginghose für mein Verständnis stets die Erwartung, dass eine halbwegs sportliche Person in ihr steckt. Sie ahnen, worauf ich hinauswill…

„Lässige Buxen sitzen also nie gut, sind zu kurz oder zu lang, haben einen Hängehintern, erlauben aber dennoch den abendlichen Gang zur Mülltonne, ohne in der Nachbarschaft negativ aufzufallen.“

In meinem Fall sind die lässigen Buxen grundsätzlich Chinos. In aller Regel werden sie gar nicht als lässige Buxen eingekauft, sondern umfunktioniert. Meist ziehen sie nämlich zunächst als Fehlkäufe ein. Was bei der Anprobe klasse aussah, ist daheim ehrlicher zu uns: „Ich bin den ganzen Tag nur am Ziehen! Und irgendwie bollerig hinten, oder?!“ Da Umtauschen keine Option mehr ist und wir ja nicht für den Altkleidercontainer arbeiten, trösten wir uns mit dem Besitz einer neuen lässigen Buxe.

Lässige Buxen sitzen also nie gut, sind zu kurz oder zu lang, haben einen Hängehintern, erlauben aber dennoch den abendlichen Gang zur Mülltonne, ohne in der Nachbarschaft negativ aufzufallen.

Angezogen wird eine lässige Buxe werktags nach Feierabend, und samstags – wir haben ja unsere Gewohnheiten – nicht vor 16 Uhr. Wenn ich die Kirchenglocken zum Sonntageinläuten läuten höre und die Bayern zu meiner Verzweiflung schon wieder 1:0 führen, weiß der Papa: „Raus aus der Jeans – rein in die lässige Buxe!“

Eine lässige Buxe verschleißt zudem anders als eine Alltagshose. Sie franst nicht etwa vom ständigen Drauftreten („Josef, ich hab’ dir im Laden schon gesagt, dass die erst zum Schneider muss!“) unten am Bein aus oder wird im Schritt dünn. Nein, nein, die Achillesferse der lässigen Buxe bilden die Hosentaschen! Meist ist es ein spannender Europapokalabend, an dem man beim Elfer zu fest in die Tasche greift und der Daumen die ersten Stiche der Naht auftrennt.

Auch lässige Buxen haben früher oder später fertig

Das Loch wird mit der Zeit immer größer, aber wir dulden das. Bis zu dem Moment, wo uns jeden zweiten Abend das Fläschchen Augentropfen durch die Tasche und das gesamte Hosenbein rauscht und wir es um 22.30 Uhr zwischen den Füßen wieder aufklauben. In diesem Moment wissen wir: Der Europapokal ging nach Spanien – und diese lässige Buxe hat fertig.

So zieht schon bald eine neue lässige Buxe ein – und beweist mir jeden Feierabend aufs Neue, was ich doch für’n lässigen Kerl bin.

Nur, wenn die Fernbedienungen nicht parallel zueinander liegen – da dreh’ ich echt am Rad! Man hat ja so seine Gewohnheiten…


Zur Person:

  • Heiko Bosse ist Mitglied der Chefredaktion der OM-Medien.
  • Der Kontakt zum Autor ist möglich unter der E-Mail-Adresse redaktion@om-medien.de.

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