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8 Wölfe streifen durch Telbrake

Einem Jäger gelingt der Nachweis mit einer Wärmebildkamera. Experten sind über die Anzahl der Tiere erstaunt. Auch die Zusammensetzung des Rudels gibt Rätsel auf.

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Entspannte Wölfe: Videosequenz der Wärmebildkamera mit sieben von acht Tieren. Foto: Jägerschaft Telbrake

Entspannte Wölfe: Videosequenz der Wärmebildkamera mit sieben von acht Tieren. Foto: Jägerschaft Telbrake

Damit hatte der Jäger nicht gerechnet, als er vergangenen Samstagabend auf einem Hochsitz im Vechtaer Ortsteil Telbrake auf Wildschweine wartete: Mit einer Wärmebildkamera beobachtete er bei Dunkelheit das weite Feld vor ihm. Doch statt Schwarzwild kamen plötzlich Wölfe aus der Böschung. Erst einige, dann noch ein paar mehr. Und als es bereits 7 waren, sprang – von links kommend – noch ein 8. hinterher. Lässig und entspannt gingen die Tiere langsam über das Feld und legten sich teilweise sogar am Wegesrand hin, um sich auszuruhen.

Das Video ist schwarz-weiß. Die Wärmebildkamera reagiert, wie der Name schon sagt, auf Wärme, stellt die Tiere mit ihrer Körpertemperatur weiß vor schwarzem (kalten) Hintergrund dar. Die Wölfe sind dennoch sehr deutlich zu erkennen.

Die Aufnahmen haben die Telbraker Jäger jetzt über eine App der Landesjägerschaft zur Verfügung gestellt. Diese ist für das Wolfsmonitoring des Landes Niedersachsen zuständig und hat das Video sofort als sogenannten C1-Nachweis gewertet. Es ist die höchste Stufe eines Wolfsnachweises. Dass es sich um Wölfe handelt, gilt somit als gesichert.

Artenschützer jubeln – Jäger und Nutztierhalter nicht

Die Sensation, dass es im Moor zwischen Goldenstedt, Vechta und Barnstorf jetzt gleich 8 Wölfe gibt, machte in den letzten Tagen nicht nur innerhalb der Jägerschaft schnell die Runde. Artenschützer jubeln jetzt, Nutztierhalter und Jäger sehen eine solch starke Population naturgemäß eher kritisch. Dr. Marcel Holy aus Hüde, Wolfsberater im Landkreis Diepholz, staunt über die hohe Anzahl. Erst wenige Tage zuvor hatte er ebenfalls Wärmebildaufnahmen erhalten, die ein anderer Jäger von 6 Wölfen östlich des Moores zwischen Goldenstedt und Barnstorf aufgenommen hatte. „Das war noch nachvollziehbar“, sagt Holy. Die Zusammensetzung des Rudels mit 8 Tieren sei aber unklar.

Im Sommer gelangen mit Wildtierkameras wiederholt Aufnahmen von 4 Welpen, die im Mai 2020 geboren wurden. Bei der Mutter handelt es sich vermutlich um die Goldenstedter Wölfin, die seit 2014 im Moor ansässig war. Das Tier wurde aber im Herbst überfahren und verstarb. Wer der Vater der Welpen ist, ist noch nicht sicher. Es könnte sich um den Rüden handelt, der 2019 immer wieder in Goldenstedt und zwischen Diepholz und Steinfeld gesichtet wurde. Die Ergebnisse genetischer Untersuchungen von Kotproben stehen aber noch aus.

„Schön, dass die Wölfe da sind.“Ulrich Heitmann, Wolfsberater für den Landkreis Vechta

Im November 2019 kam es im Raum Steinfeld zudem zu einem Riss von Schafen, bei dem eine Tochter der Goldenstedter Wölfin genetisch nachgewiesen wurde. Möglicherweise wurde sie 2018 oder 2019 geboren, ohne dass es bemerkt wurde. Ein Foto einer Wildtierkamera des Wolfsbüros nahm zudem im Frühjahr 2020 4 Wölfe im Moor auf, zwei mehr als damals zugeordnet werden konnten. Auch das war für die Experten bereits eine Überraschung.

Normalerweise besteht ein Wolfsrudel hierzulande aus 2 Elterntieren, den aktuellen Welpen und noch einigen aus dem Vorjahr, die bei der Aufzucht helfen. Werden die Jungwölfe erwachsen, müssen sie abwandern und sich ihr eigenes Revier suchen.

Der für den Landkreis Vechta zuständige Wolfsberater Ulrich Heitmann aus Dinklage begrüßt den geglückten Nachweis des Rudels. „Schön, dass die Wölfe da sind“, sagt er. Es müsse jetzt gelingen, über weitere Nachweise und DNA-Proben nähere Kenntnisse über die Zusammensetzung des Rudels zu gewinnen. Er dankt der Jägerschaft für die Wärmebildaufnahmen und regt an, die gute Zusammenarbeit weiter auszubauen. Heitmann schlägt zudem vor, dass sich Wolfsberater, Vertreter der Jägerschaft und die Untere Naturschutzbehörde zusammenfinden, um sich über ein weiteres Vorgehen auszutauschen.

Die Aufnahme einer Wildtierkamera zeigt den aktuellen Nachwuchs Anfang August. Foto: Hans HasperDie Aufnahme einer Wildtierkamera zeigt den aktuellen Nachwuchs Anfang August. Foto: Hans Hasper

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