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3 Praxen verwaist: Kein Kinderarzt will nach Cloppenburg

Weder mit Geld noch guten Worten lassen sich Kinderheilkundler in die Region locken. Obwohl die Kassenärztliche Vereinigung, die Stadt und der Landkreis einen Arbeitsplatz nach Maß zusagen.

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Kinder leben gut im Kreis: Nur ihre ärztliche Versorgung ist und bleibt ein Problem. Foto: Archiv/Kreke 

Kinder leben gut im Kreis: Nur ihre ärztliche Versorgung ist und bleibt ein Problem. Foto: Archiv/Kreke 

Die Praxis von Dr. Beate Poggemann ist so überlaufen, dass die Cloppenburgerin jetzt die Notbremse zieht. Nach den Sommerferien wird die Kinder- und Jugendärztin keine Corona-Schutzimpfungen mehr verabreichen, weil ihr die Zeit dafür fehlt. "Den 'Luxus' kann ich mir einfach nicht mehr leisten", sagt die Medizinerin. Sonst werde die Versorgung ihrer jungen und jüngsten Patienten unter dem hohen Zeitaufwand leiden. Mit der Impfung müssten dann die Hausärzte oder das Impfzentrum einspringen.

Die Überlastung der Kinder- und Jugendärzte im Kreis Cloppenburg ist ein Dauerproblem, das sich seit dem 1. April weiter verschärft hat. Da hat Marzenna Kulinski ihre Praxis in Cloppenburg nach 30 Jahren schließen müssen, weil die Fachärztin trotz intensiver Bemühungen keine Nachfolgerin fand. Seitdem sind 3 kassenärztliche Facharzt-Sitze im Landkreis unbesetzt. "Einen Teil der Patienten habe ich übernommen", berichtet Poggemann: "Mehr kann ich nicht." Zum Schutz ihrer eigenen Patienten und ihres Teams nimmt sie vorerst  keine neuen Patienten  an.

Ärztevertreter suchen händeringend Nachfolger

Dieser Misere läuft die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) seit Monaten hinterher. "Wir suchen händeringend", sagt Helmut Scherbeitz, der Geschäftsführer der Bezirksstelle Oldenburg, aber: "Es gibt zu wenige, die Kinderheilkunde als Fachgebiet wählen. Und die wenigen können sich praktisch aussuchen, wo und wie sie arbeiten wollen." Aufs Land oder in eine vergleichsweise kleine Kreisstadt wollen offenbar die wenigsten: Die Ballungsräume und Metropolen locken.

Scherbeitz kämpft bei der Suche zudem gegen ein altes Klischee, das da lautet:  Wer sich als Arzt auf dem Land niederlasse, müsse zwangsläufig 60 Stunden in der Woche und oft auch abends oder nachts zum Dienst bereitstehen. "Das stimmt alles nicht mehr", unterstreicht der Geschäftsführer. Längst hat die KVN mit den Akteuren vor Ort beschlossen, möglichen Kandidaten einen beruflichen "Maßanzug" zu schneidern – auf Wunsch sogar als Angestellte(r) mit festem Feierabend, Kita-Platz für den Nachwuchs und Anschubfinanzierung aus der Kreiskasse, falls sich doch jemand zur eigenen Praxis entschließt.

Marienhospital Vechta bietet Kooperation an

Eines der angebotenen Modelle schließt die Kinderklinik des Marienhospitals in Vechta ein: Das Krankenhaus wäre bereit, eine Außenstelle im Medizinischen Versorgungszentrum Cloppenburg einzurichten, wenn sich damit ein Kinder- und Jugendarzt ansiedeln ließe, berichtete Scherbeitz. Ärzten, die noch keine Facharztausbildung haben, bietet die KVN eine Weiterbildungsprämie von 5000 Euro an, um die Lücke zu schließen. Der Landkreis lockt mit einem Stipendium für angehende Mediziner, die sich wenigstens für einige Jahre auf  Cloppenburg als Arbeitsfeld festlegen. "Das würden wir alles hinkriegen", sagt Scherbeitz, "wenn wir nur eine Person hätten, mit der wir darüber sprechen könnten." Mit anderen Worten: Nicht einmal ein einziger Interessent oder eine einzige Bewerberin hat sich bisher finden lassen.

Inzwischen glaubt der Geschäftsführer: Es wird wohl nur klappen, wenn sich irgendwo eine persönliche Beziehung in den Kreis Cloppenburg ergibt, einen Hinweis unter Freunden oder Verwandten. Die "persönliche Ansprache" sei wahrscheinlich aussichtsreicher als eine Anzeige im Ärzteblatt, vermutet Scherbeitz.

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