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Minderjährige impfen? Ärztin zieht Grenze bei 16 Jahren

Minderjährige unter 16 impft die Cloppenburger Kinder- und Jugendärztin Dr. Beate Poggemann nur, wenn sie chronisch vorerkrankt sind. Damit widerspricht sie dem Bundesgesundheitsminister.

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Der Stoff, der aus der Kälte kommt: Impfungen für Kinder ab 12 ohne jede Vorerkankung lehnt eine Cloppenburger Fachärztin ab. Jens Spahn fordert sie. Foto:  dpa

Der Stoff, der aus der Kälte kommt: Impfungen für Kinder ab 12 ohne jede Vorerkankung lehnt eine Cloppenburger Fachärztin ab. Jens Spahn fordert sie. Foto:  dpa

Jens Spahn und Prof. Joachim Schrader sind sich einig: Schon Kinder ab 12 Jahren sollten gegen Corona geimpft werden, weil der Nutzen das Risiko überwiege, meinen der Bundesgesundheitsminister und  der Leiter des Cloppenburger Impfzentrums. Eine Cloppenburger Kinder- und Jugendärztin sieht das anders.

Dr. Beate Poggemann kann die Kritik an der Ständigen Impfkommission (Stiko) wegen ihrer vorsichtigen Haltung nicht nachvollziehen. Die Expertenrunde rät bisher, nur vorerkrankte Kinder und Jugendliche zu impfen, weil es noch zu wenige Studien über mögliche Nebenwirkungen gebe. Poggemann hält sich an diesen Rat, bis ihre Patienten das 16. Lebensjahr erreicht haben – aus einer praktischen Risikoabwägung: Mit 16  werde der "Lebenshunger" und der Bewegungsdrang der Teenager so groß, dass sie eines stärkeren Schutzes bedürften, meint die Medizinerin: "Die wollen raus und die sollen sich auch ausleben."

Herzmuskelentzündung: Selten und meist ab 16 

Für Kinder ab 12 gilt das zwar auch, aber: Da überwiegt für die Kinderärztin die Vorsicht vor Nebenwirkungen, auch wenn die äußerst selten auftreten. Aus Israel und den USA wurden einige Fälle einer Herzmuskel- oder Herzbeutelentzündung nach der Impfung mit mRNA-Vakzinen von Biontech oder Moderna gemeldet. Betroffen waren in der Mehrzahl allerdings junge Männer im Alter zwischen 16 und 30 Jahren. Ob die Corona-Impfung die Ursache ist, ließ sich bisher noch nicht eindeutig klären. Auf der Intensiv-Station mussten  drei der 285 Patienten behandelt werden. 180 Betroffene hätten sich inzwischen vollständig erholt, meldete das Ärzteblatt. Gestorben ist keiner.

Poggemann bleibt dennoch vorsichtig. "Ich trage eine Verantwortung für meine Patienten und die Eltern vertrauen mir", betont sie. Auch ihr Berufsverband rät – wie die Stiko – noch abzuwarten, gesunde Kinder zu impfen. Schrader und Spahn berufen sich dagegen auf die überwiegend positiven Erfahrungen in den USA und Canada, wo inzwischen über 4 Millionen Dosen an Patienten unter 18 verabreicht worden sind. 

Poggemann wird aus Zeitgründen nach den Sommerferien selbst nicht mehr impfen. Nach wie vor berät sie jedoch Kinder und ihre Eltern zur Frage einer frühen Corona-Impfung.

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