Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

#Schnackseln – Vom Bus-Tier und entsetzten Schwiegereltern

Kolumne: Irgendwas mit # – Synonyme haben in der Zeitung einen hohen Stellenwert. Im Alltag können sie höchst heimtückisch sein. Ein alter Kommilitone hätte deshalb fast die Ehe verscherzt.

Artikel teilen:

Kennen Sie das: Sie wollen mal flockig einen aus der Hüfte schießen, um die angespannte Stimmung aufzulockern – und dann geht die Chose so richtig in die Hose? Ist kürzlich einem ehemaligen Kommilitonen passiert; zum Entsetzen seiner künftigen Schwiegereltern.

Folgende Situation: Er betritt das Wohnzimmer von Mutti und Vati in spe. Kurze Begrüßung, alle nehmen Platz auf dem Sofa. Gesprächsöffner Richtung Schwiegervater: "Lass uns doch heute Abend mal 'ne Runde schnackseln, Erwin (Name geändert)" – "Bitte was?" – "Ne Runde schnackseln. Ich hab‘ das extra in den vergangenen Wochen mit deiner Tochter auf dem Sofa geübt."

In einer freien Gesellschaft kann jeder mit jedem schnackseln, oder?

Gut, jetzt werden Sie denken: Was ist verwerflich daran, wenn die eigene Tochter lieber auf dem Sofa schnackselt, statt im Bett? Oder sonst wo. Außerdem leben wir in einer freien Gesellschaft. Da kann schließlich jeder mit jedem schnackseln, oder?

Schon, wenn man das Wort "schnackseln" als bayerisches Synonym für schnacken versteht. Ein kolossaler (Übersetzungs-) Fehler. Mit Folgen. Denn den neuen chicen "Schnacksel" brachte der sonst so bewanderte Ostfriese auch bei der Arbeit an. Unwissend, dass er in das nächste Fettnäpfchen stampfte, verklickerte er einem seiner Kollegen, dass er jetzt auch "schnackseln kann". Wieder betretenes Schweigen, dazu ein etwas unglaubwürdiger Blick: "Ähm, Glückwunsch! Reichlich spät. Aber besser spät, als nie, sag ich immer." Es folgten weitere peinsame Gespräche, bis jemand Erbarmen zeigte. Seither schnackselt der Ostfriese nur noch mit seiner (mittlerweile) Frau.

"So taten mir nach dem Sport mal die Exkremente weh – und nicht die Extremitäten."Max Meyer

Dass freudsche Versprecher und Fehlübersetzungen nicht Einzelfälle sind, dürfte klar sein. So taten mir nach dem Sport mal die Exkremente weh – und nicht die Extremitäten. Im Französischunterricht verstand ich nur Bahnhof, als ich mir laut das Wort "Baiser" vorlas. Mag ich sowieso nicht, diese schaumigen, aber gleichzeitig festen Meringe. Kam mir alles reichlich spanisch vor. Und dann heißt der Mist auch noch spanischer Wind. Wenn alle lachen, lacht man am besten mit.

Genau wie im Geschäft meiner Mutter. Dort roch mal ein Mann nach Schweiß – und mein Opa dachte, er komme aus der Schweiz. Oder als meine werte Mama meinte: "Ich geh kurz rüber." Mein Opa verstand: "Ich komm nie wieder." Anscheinend ist das Missverstehen erblich. Ich mache gerade die gleichen Erfahrungen mit meinen Eltern.

Im Zweifel schnacksel ich das Gespräch einfach weg

Unangenehm wird's, wenn Kunden sich vertun. Einer ist mal ein Vogel auf den Leim gegangen. Besser gesagt: der Marke "Rabe". Die junge Dame hatte sich in eine Tasche verguckt. Und wollte, nachdem sie eine Nacht drüber geschlafen hatte, wissen, ob die Tasche von Rape (gesprochen: reyp; englisch für Vergewaltigung) noch zu haben ist. Gleiches Spiel beim Bus Tier. BH ist auch geläufiger. Fehler passieren.

Falls ich in Zukunft nochmal richtig daneben greifen sollte (am besten, um schlau zu wirken), denke ich einfach an meinen schnackselnden Kollegen. Spätestens dann sollte mir klar werden: Formulier einfach. Getreu Einstein: "Wenn du es einem Sechsjährigen nicht erklären kannst, hast du es selbst nicht verstanden." Und wer will schon Einstein widersprechen?


Zur Person:

Sie wollen nichts verpassen, worüber das Oldenburger Münsterland spricht? Dann abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter „Moin, OM!“. Er fasst für Sie das Wichtigste für den Tag auf einen Blick zusammen – immer montags bis freitags zum Start in den Tag.  Hier geht es zur Anmeldung

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

#Schnackseln – Vom Bus-Tier und entsetzten Schwiegereltern - OM online