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#EinfachePhilosophie - Mein Freund, das Jetzt

Kolumne: Irgendwas mit # - Es ist schade, dass vielen Menschen im Westen der Name Jiddu Krishnamurti nicht geläufig ist. Vielleicht liegt es daran, dass seine Denkweise so kompromisslos ist.

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Der östliche Philosoph Jiddu Krishnamurti, im Westen weitaus weniger bekannt als seine Pendants Kant, Heidegger, Hegel, Nietzsche und Co, hat über fünfzig Jahre lang die Welt bereist und Vorträge gehalten. Durch Worte – also durch Inhalte – hat er das zu erklären versucht, was über den Inhalt hinausgeht und mit Worten nicht zu erfassen ist. Das Transzendentale. Ein tiefes, metaphysisches Vordringen. Im Westen als Ontologie – Seinswissenschaft – bezeichnet.

Und doch, so möchte ich behaupten, sind seine Ausführungen trotz des Tiefgangs weitaus einfacher zu fassen und praktikabler als die der westlichen Lebensauffassungen. Am deutlichsten zeigt sich dies in den Worten, die er in seinen letzten Lebensjahren – zur Überraschung seiner Zuhörer – als Frage an sein Publikum stellte: "Wollt ihr mein Geheimnis wissen?"  Eine ernüchternde Antwort folgte: "Ich habe nichts gegen das, was geschieht", sagte Krishnamurti. Was soll das heißen, nichts gegen das haben, was geschieht? Ganz einfach: Mit dem übereinzustimmen, was geschieht. Das Sosein des Augenblicks, der immer schon so ist, wie er ist, anzunehmen.

"Man sollte die Situation erstmal nüchtern betrachten. Ohne Wertung."Max Meyer, Volontär

Heißt das, nichts mehr unternehmen zu können? Keine Veränderung mehr herbeizuführen? Ganz im Gegenteil. Wenn die Handlungsgrundlage die innere Übereinstimmung mit dem gegenwärtigen Augenblick ist, dann wird das Handeln durch die Intelligenz des Lebens selbst bestärkt. Soll heißen: Man sollte die Situation erstmal nüchtern betrachten. Ohne Wertung. Dass das möglich ist, hatte schon William Shakespeare erkannt: "An sich ist nichts weder gut noch böse, das Denken macht es erst dazu." Dann kann das Handeln aus eben jener Tiefe entspringen, die der ständig reaktive Denkapparat niemals erreichen könnte.

Was das bedeutet? Im Einklang mit dem zu sein, was ist. Dem Jetzt. Ohne philosophische Experimente anzustellen. Das ist Weisheit, eingebettet in kosmische Ordnung. Für jeden zugänglich. Nichts Außergewöhnliches. Vielleicht sind deshalb Kant, Heidegger, Hegel und Nietzsche im Westen populärer als Krishnamurti. Sie vollziehen beeindruckende Denkexperimente, während der indische Philosoph kompromisslos praktikabel denkt und handelt. Eben einfache Philosophie.

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