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„Ein Kreuz vom anderen Ende der Welt“

Heute: Schwester Johanna Wiese aus Dinklage. Südoldenburger und ihre Gedanken zu Kreuz und Christentum: Das ist der Stoff der Serie „Mut zum Kreuz“.

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Schwester Johanna Wiese, 43 Jahre, ist Architektin mit Schwerpunkt Denkmalpflege. Sie lebt seit 13 Jahren als Benediktinerin auf Burg Dinklage. An einem Kreuz aus Guatemala zeigt sich für sie, wie sich im begrenzten Raum der Burg immer wieder die ganze Welt trifft.

„Die Journalistin Christine Zauzich brachte dieses Kreuz zu uns ins Kloster. Es stammt aus Guatemala. Wer genau hinschaut, kann sehen, dass der Körper und die ganze Statur Jesu die eines Mayas, eines Ureinwohners des Landes, ist: etwas gedrungen und breit und die Haare geflochten zu einem Seitenzopf.

Das Kreuz ist in keinem guten Zustand, das Holz ist wurmstichig und die linke Brustseite stark beschädigt, abgesplittert. Christine, eine langjährige Freundin des Klosters, hatte dieses Kreuz in Guatemala abseits auf einem Müllhaufen entdeckt und uns Anfang der 1990er Jahre mitgebracht. Sie lebte zu dem Zeitpunkt schon einige Jahre dort. Die Unterdrückung und Ausrottung der indigenen Bevölkerung, der Mayas, beschäftigten Christine intensiv. Als ihr dieses Kreuz abseits, beschädigt und verschmutzt in den Blick fiel, sprach daraus so sehr die Leidensgeschichte dieses geschundenen Volkes, dass sie es mitnehmen musste, so erzählte sie uns.

Als Christine uns dieses Kreuz mitbrachte, verband sie damit die Bitte, für die Menschen in Guatemala zu beten. 2009 starb sie bei einem Unfall wenige Tage vor ihrem 65. Geburtstag. Doch mit ihrem Projekt „Samenkorn“, das sie gegründet hatte, um jungen Mayas eine Ausbildung zu ermöglichen, lebt ihr Werk fort.

Seit den 1990-er Jahren hängt das Kreuz in unserem Gemeinschaftsraum. Er ist für uns der Ort, an dem alle wichtigen Gespräche und Entscheidungen für uns Schwestern stattfinden. Aber dieses Kreuz wollte mehr als unsere Gemeinschaft prägen.

Alle zwei Jahre steht es im Mittelpunkt unserer Karfreitagsliturgie. Dann ist es dieses Kreuz, das der Priester zur Kreuzverehrung drei Mal in die Höhe hebt, wenn er das „Ecce Lignum“ ruft: „Seht das Holz!“. Anschließend hält es eine Schwester in der Mitte unserer Kirche, an derselben Stelle, an der in der Osternacht die Osterkerze leuchtet. Alle Schwestern und Gäste können einzeln vortreten und auf ihre Weise das Kreuz verehren: Sich verneigen, niederknien, es berühren, küssen ...

An dieser Stelle öffnet das Kreuz aus Guatemala, vom anderen Ende der Welt, den Raum für die Universalität Gottes, die sich in diesen Stunden neu vollzieht.“

Fakten

  • 28. September: Dr. Robert Berges sen., Cloppenburg.
  • „Mut zum Kreuz!“ ist ein Projekt der Kardinal-von-GalenStiftung Burg Dinklage, der OV und der Münsterländischen Tageszeitung in Cloppenburg.
  • Anlass für das Projekt sind der 70. Todestag des Seligen Clemens August Kardinal von Galen im März 2016 und die Rückschau auf den Kreuzkampf im Oldenburger Münsterland vor 80 Jahren.
  • Der 1878 auf Burg Dinklage geborene Kardinal predigte gegen die Euthanasie-Morde der Nazis. Im Kreuzkampf protestierten 1936 Südoldenburger öffentlich und mit Erfolg gegen die von den Nazis angeordnete Entfernung der Kreuze aus katholischen Konfessionsschulen.
  • Seit dem 18. September findet eine Ausstellung auf Burg Dinklage statt.
  • Im November erscheint ein Buch zum Thema.
  • „Mut zum Kreuz!“ wird unterstützt von der LzO und der CEWE-Gruppe in Oldenburg.

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