Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

DJ Ohrwurm bleibt Musikfan, nimmt aber Abschied von den Turntables

Der 61-jährige Heiner Olberding beendet seine Karriere selbstbestimmt. Beim Stoppelmarkt 2022 möchte er zum letzten Mal das Kaponierzelt zum Kochen bringen.

Artikel teilen:
Heiner Olberding beendet seine Karriere als DJ und will seinen eigenen Musikgeschmack wiederentdecken. Foto: privat

Heiner Olberding beendet seine Karriere als DJ und will seinen eigenen Musikgeschmack wiederentdecken. Foto: privat

Das Partyleben erwacht wieder in der Region Vechta, doch einer wird nicht dabei sein: Heiner Olberding. Der Vechtaer, besser bekannt als DJ Ohrwurm, beendet seine Karriere am Plattenteller. 45 Jahre war der 61-Jährige ein Garant für gute Laune und machte Feste zu einem unvergesslichen Erlebnis. Damit ist jetzt Schluss. Das hat zwei Gründe: Zum einen die Auswirkungen der Pandemie (Existenzängste und die ständige Bereitschaft, falls es wieder losgehen sollte) und zum anderen seine Gesundheit. „Nur Gas geben ist nicht alles, man muss auch leben.“   2021 hatte er einen Hörsturz sowie einen Tinnitus und 2022 startete mit einem vierfachen Bypass. Das bewog Heiner Olberding dazu, seine DJ-Karriere sofort zu beenden. „Das war total befreiend“, sagt Olberding und fährt fort: „Man plant sein Leben wieder.“

Seine Musikbegeisterung weckte der Song „Chirpy Chirpy Cheep Cheep“ von „Middle of the Road“ im Alter von 11 Jahren. 4 Jahre später fand er seine Berufung als DJ auf einem Jugendtanz im Gulfhaus. Heiner Olberding saß auf einem Trecker und machte Musik. Auf dem linken Kotflügel stand das Tonband, auf dem rechten Kotflügel der Plattenspieler und auf dem Lenkrad das Mischpult. Das war 1976 und 3 Jahre später war er der erste Party-DJ auf dem Stoppelmarkt. „Mit allen Tücken der Technik“. Heiner Olberding hat in der Musikbranche so ziemlich alles erlebt. Von Groupies die ihn angehimmelt haben, über den Stoppelhit „HeHo Stoppelmarkt“ bis hin zur Goldenen Schallplatte für die erste Kuschelrock-LP. Mit „Chance Music“ hat er zudem ein eigenes Plattenlabel, über welches er Stoppelmarktsampler und Künstler wie Mike Krüger oder Carlo von Tiedemann produzierte.

„Du musst diesen Beruf lieben, sonst machst du es nicht.“Heiner Olberding

Seine Arbeit als DJ Ohrwurm war ein Standbein, das andere war seine Arbeit als gelernter Bürokaufmann. Beides entwickelte sich mal mehr und mal weniger stark in parallelen Bahnen. Anfangs legte er als stationärer DJ in den Diskos der Region auf. Dann kamen die Großraumdiskotheken. „Das war ein ganz anderes arbeiten - also viel anonymer“, meint Heiner Olberding. Das lag ihm nicht. Daher wandte er sich dem mobilen DJ-Leben zu. Das war Mitte der 1980er Jahre. Das bedeute Auftritte, bei Hochzeiten, Jubiläen, Geburtstagen, Abtanzbällen und Festen wie dem Stoppelmarkt. „Du musst diesen Beruf lieben, sonst machst du es nicht“, sagt Olberding auch mit Blick auf die Hochzeiten: „Du bist 16 Stunden unterwegs und kommst morgens um 6 Uhr nach Hause.“

Mit 15 Jahren nutzte er einen Trecker als Plattform, um im Gulfhaus als DJ aufzulegen.
Foto: privat
Volles Zelt auf dem Stoppelmarkt 2019.
Foto: privat
Für die erste Kuschelrock-LP bekam Heiner Olberding 1988 die Goldene Schallplatte.
Foto: Heinzel
Der digitale Umbruch. DJ Ohrwurm ist vorne mit dabei und der erste DJ mit PC und MP3-Files.
Foto: privat
Hochzeiten waren anstrengend, aber auch immer erfüllend. DJ Ohrwurm setzte neben der Musik auch auf Licht- und Videoeinsatz.
Foto: privat
Auch während der Pandemie blieb er der Musik treu. Zwei Jahre ohne Auftritt eröffnen neue Perspektiven.
Foto: Heinzel
Volle Konzentration am DJ-Pult.
Foto: Heinzel
Fingerspitzengefühl bei der Musikauswahl: Am Ende des Abends hatte er sein Publikum eigentlich immer überzeugt.
Foto: Heinzel
Bei 3 Flöten für ein Hallelujah im Gulfhaus,
Foto: privat
Anfang der 1980er in der Tenne in Lohne.
Foto: privat
Im Laufe seiner Karriere hatte Heiner Olberding mit einigen Größen der Branche Kontakt – hier mit Ina Müller.
Foto: privat

Mitte der 1980er zog es ihn zudem nach Frankfurt und das DJ-Leben wurde etwas zurückgefahren. Damals fing er bei Sony Music an und wirkte bei der Umsetzung der Kuschelrock-Serie mit. Das brachte ihm 1988 eine Goldene Schallplatte. Danach ging es für ihn nach Diepholz zu einem anderen Musikverlag. Hier hatte er mit Künstlern wie Mary Roos, IBO oder Ivan Rebroff zu tun. Dort lernte Heiner Olberding auch, einen guten Sampler zusammenzustellen. 1994 gründete er dafür die „Olberding Media Services“ (OMS). „Outsourcing war in“ und so übernahm er für die Plattenfirmen die Produktion von Samplern.

Bei "HeHo Stoppelmarkt" ging er auf's Ganze

1998 gründete Heiner Olberding gemeinsam mit Stefan Wolter „Chance Music“ (über 190 CD-Veröffentlichungen). Inzwischen hatte er einen wirklich guten Einblick in die Musikbranche gewonnen und wollte über sein Plattenlabel eigene Wege gehen: „Wir müssen einen Song zum Stoppelmarkt machen“, sagte er sich und zog die entsprechende Konsequenz: „Ich bin aufs Ganze gegangen und plante alles generalstabsmäßig durch.“ Er holte DJ-Kollegen und die Band „Live Spirit“ mit ins Boot, ließ 2.000 CDs mit „HeHo Stoppelmarkt“ pressen und von fünf Mädels über Bauchläden auf dem Stoppelmarkt verkaufen und zwar als CD zum Umhängen. Ein voller Erfolg, der Stolz macht, sagt Heiner Olberding. „Chance Music“ wird übrigens weiterbestehen, allerdings erscheint die Musik nur noch digital. Pop-Titel werden derzeit immer kürzer, damit sie häufiger gehört beziehungsweise gestreamt werden, stellt Heiner Olberding fest.

Seit November 2020 arbeitet er Vollzeit als kaufmännischer Angestellter. Das wird er weiterhin tun, aber die Wochenenden gehören ihm nun alleine. Seinen Bonus an Lebenszeit möchte er nutzen, um Konzerte zu besuchen und mehr Zeit mit seiner Frau zu verbringen. „Die 45 Jahre als DJ waren großartig. Ich freue mich aber darauf wieder Musikfan zu sein und nicht mehr Dienstleister“, sagt Heiner Olberding. Das bedeute seinen eigenen Musikgeschmack wieder kennenzulernen und neue Songs nicht mehr auf ihre Partytauglichkeit abzuchecken. Aber ganz Schluss ist dann doch noch nicht. DJ Ohrwurm will noch einmal beim Stoppelmarkt auftreten, sozusagen seine persönliche Abschiedsvorstellung im Kaponierzelt, denn nicht auf dem Stoma aufzulegen, „das tut in der Seele weh.“

Zeit für ein Update! Mit der jüngsten Überarbeitung unserer App haben wir das Nachrichten-Erlebnis auf dem Smartphone weiter verbessert und ausgebaut. Jetzt im Google-Playstore und im  Apple App-Store updaten oder downloaden.

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

DJ Ohrwurm bleibt Musikfan, nimmt aber Abschied von den Turntables - OM online