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Die Musik von Heiner Olberding liegt seit einem Jahr im "Wachkoma"

Seine Branche liegt am Boden. Er selbst stand kurz davor, den Beruf als DJ endgültig an den Nagel zu hängen. Ein Brautpaar stimmte ihn in letzter Minute um.

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Kaum Anfragen: Heiner Olberding bastelt gerade am Lichtdesign. Ansonsten bleiben seine Geräte aber ausgeschaltet. Foto: Heinzel

Kaum Anfragen: Heiner Olberding bastelt gerade am Lichtdesign. Ansonsten bleiben seine Geräte aber ausgeschaltet. Foto: Heinzel

Heiner Olberding, in der Region besser bekannt als DJ Ohrwurm, erzählt nachdenklich vom "Corona-Blues", der ihn letztes Jahr im November einholte. Innerlich hatte er bereits mit seiner Karriere als DJ abgeschlossen und den Beruf endgültig an den Nagel gehängt. 3 seiner Kollegen haben diesen Schritt bereits vollzogen. Doch der Anruf eines Brautpaares, das ihn für ihre Feier in 2022 buchte, stimmte ihn noch einmal um. Trotzdem arbeitet der 60-Jährige seit November Vollzeit als kaufmännischer Angestellter, schwerpunktmäßig im Online-Bereich. "Das war eine finanzielle Notwendigkeit“, sagt der Vechtaer. Wann er wieder seiner Leidenschaft nachgehen kann, ist noch völlig offen.

Das unmittelbarer Feedback auf der Tanzfläche fehlt

Ein Jahr ohne Auftritte liegt hinter ihm. Machte der in der Region beliebte DJ anfangs noch für sich selbst Musik, hat er inzwischen damit aufgehört. Seine Musik liege sozusagen im "Wachkoma", berichtet er wehmütig. Ihm fehle einfach das Gemeinschaftserlebnis während des Mischens an den Turntables und natürlich das unmittelbare und ungefilterte Feedback der Hörer auf der Tanzfläche. Das hat zur Folge, dass er sich die aktuelle Musik zwar kauft, um sie später einsetzen zu können, aber "die Musik ist nicht in meinem Kopf gespeichert", erläutert der erfahrene Stimmungsmacher das Problem. Er wisse momentan nicht einmal welcher Künstler oder Song auf Platz 1 der Charts stehe.

Viele DJs hätten sich auf das Streamen verlegt. Eine beliebte Plattform ist dabei Twitch. Er selbst hat sich das Ganze ebenfalls angeschaut und sagt: "Es hätte Bock gemacht dort zu streamen.“ Über die Chatfunktion hätte es die Möglichkeit zur Interaktion gegeben. So hätte durchaus ein gewisses Gemeinschaftserlebnis entstehen können. Aber aus Urheberrechtsgründen sei Streaming für ihn dort nicht machbar, denn die Rechteinhaber der Musik würden finanziell nicht berücksichtigt oder beteiligt. Er selbst wäre als Inhaber eines Plattenlabels somit ein ziemlich schlechtes Vorbild, wenn er unter diesen Bedingungen streamen würde. "Legales Streaming hätte mir richtig Spaß gemacht“, beendet Heiner Olberding das Thema.

"Meine Branche liegt am Boden!"Heiner Olberding, tritt in der Region als DJ Ohrwurm auf

Eine andere Alternative seien Online-Konzerte. Er selbst habe beispielsweise ein Online-Ticket für einen Online-Auftritt der Band Mofa 25 gekauft. Aber so etwas sei keine dauerhafte Lösung, denn "man will die Künstler live erleben und zwar gemeinsam mit vielen anderen". Es ist eine schwierige Zeit für Künstler. Heiner Olberding stellt klar fest: "Meine Branche liegt am Boden!" Und diese Feststellung betreffe auch viele andere Wirtschaftsbereiche, die mit seiner eng verbunden sind.

Sollten Veranstaltungen wieder möglich sein, dann hat der DJ für sich beschlossen, erst einmal nur einen Tag am Wochenende als DJ im Einsatz zu sein. Er werde seine Turntable-Einsätze also gegenüber der Prä-Corona-Zeit um 50 Prozent reduzieren. „Man wird einfach pessimistischer“, sagt er nach einem Jahr Pandemie. Er will nicht ausschließen, später einmal seine DJ-Einsätze aufzustocken, um dann wieder von der Musik zu leben. Aber Heiner Olberding will es vorsichtig angehen lassen.

Aktuell werden keine neuen Veranstaltungen geplant

Zumal der Neustart durch seine derzeit fehlenden Auftritte erschwert wird: "Die fehlende Mundpropaganda wird zum Problem", meint der Vechtaer mit Blick auf voraussichtlich 2 ausgefallene Saisons (2020 und 2021). Für dieses Jahr stehen nur Veranstaltungen in seinem Kalender, die 2020 um ein Jahr geschoben wurden. Neue Anfragen habe es bislang praktisch nicht gegeben. Darüber hinaus würden bereits ein- oder zweimal verlegten Hochzeiten sowie andere Feierlichkeiten in den seltensten Fällen erneut geschoben, da sich die Lebensumstände und Prioritäten etwa des Brautpaares geändert hätten.

Und auch bei Terminen bei denen er sozusagen gesetzt ist, wie beim Stoppelmarkt im Kaponier oder während des Volksfestes in Langförden, ist er aktuell eher unsicher, ob diese auch wirklich stattfinden werden. Sein Ausblick auf dieses Jahr sieht also eher düster aus. Nüchtern stellt er fest: "Keiner plant etwas!"

Goldene Schallplatte: Heiner Olberding erhielt die Auszeichnung für die erste Kuschelrock-CD. Foto: HeinzelGoldene Schallplatte: Heiner Olberding erhielt die Auszeichnung für die erste Kuschelrock-CD. Foto: Heinzel

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