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„Den Rosenkranz hatte der Vater im KZ gebastelt“

Heute: Maria Heinze, JVA für Frauen, Vechta. Südoldenburger und ihre Gedanken zu Kreuz und Christentum: Das ist der Stoff der Serie „Mut zum Kreuz“.

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Maria Heinze (Name geändert) stammt nicht aus Vechta, verbüßt aber momentan in der JVA für Frauen eine Haftstrafe. Die ehemalige Dolmetscherin lässt sich mit Ende 50 zur Demenzbetreuerin umschulen. Sie berichtet von einem Rosenkranz, der in der Familie zeitlebens präsent war und den Vater einst am Leben hielt.

„Ich stamme aus Polen. Wenn ich als Kind den Nachttisch meines Vaters aufgemacht habe, lag dort ein Rosenkranz. Ich fand ihn ungewöhnlich und furchterregend. Als Heranwachsende habe ich meinen Vater gefragt: Warum sieht dieser Rosenkranz so anders aus? Mein Vater hat geantwortet, dass er ihn selbst gebastelt hat, als er im Konzentrationslager saß.

Er erzählte, dass er auf 35 Kilo abgemagert war und dass sich die KZ-Insassen gefreut hätten, wenn sie die Hundehütte säubern durften, weil sie dort Essensreste fanden. Das Kreuz des Rosenkranzes hat er aus Knochen gemacht, die er in der Hundehütte gefunden hatte. Die Perlen waren aus Kirschkernen. Der Rosenkranz war in unserer Familie wie eine Reliquie. Als mein Vater gestorben ist, haben wir es ihm mit ins Grab gegeben. Mein Vater hat gesagt, wenn ich im KZ nicht an Gott geglaubt hätte, hätte ich es nicht ausgehalten.

Der Rosenkranz war in unserer Familie präsent. An Weihnachten ist es in Polen üblich, dass das Kreuz aufgestellt wird, Brot und Oblaten dazugelegt werden. Dazwischen lag bei uns der Rosenkranz. Anfangs hatte meine Mutter, die aus Deutschland stammte, „Stille Nacht“ gesungen. Später hat mein Vater sie gebeten, das Lied nicht mehr auf Deutsch zu singen. Denn in den vier Jahren, die er im KZ war, mussten die Insassen an Weihnachten antreten, wurden mit Wasser übergossen und mussten „Stille Nacht“ singen. Er konnte das Lied nicht mehr ertragen.

Ich selber bin auch gläubig. Ich habe hier in der Frauen-JVA noch keinen Gottesdienst verpasst. Aber das ist auch nichts, was Mühe erfordert. In Polen, dort wo ich aufgewachsen bin, war die nächste Kirche acht Kilometer entfernt. Hier muss ich nur aufstehen, mich vorbereiten und werde zur Kirche geführt.

Hier und auch zu Hause habe ich einen Rosenkranz. Im Castel Gandolfo haben mein Mann, meine Töchter und ich uns alle einen gekauft. Den Rosenkranz zu beten, ist ein Bedürfnis, und ich finde es schön, dass mein Vater es mir schon als Kind beigebracht hat. Hier ist schon viel positiv für mich ausgegangen und ich denke, es gibt da oben jemanden. Und wenn mit fast 60 Jahren noch etwas aus mir wird, bin ich dankbar.“

Fakten

  • 27. September: Schwester Johanna Wiese, Dinklage
  • „Mut zum Kreuz!“ ist ein Projekt der Kardinal-von-Galen Stiftung Burg Dinklage, der OV und der Münsterländischen Tageszeitung in Cloppenburg.
  • Anlass für das Projekt sind der 70. Todestag des Seligen Clemens August Kardinal von Galen im März 2016 und die Rückschau auf den Kreuzkampf im Oldenburger Münsterland vor 80 Jahren.
  • Der 1878 auf Burg Dinklage geborene Kardinal predigte gegen die Euthanasie-Morde der Nazis. Im Kreuzkampf protestierten 1936 Südoldenburger öffentlich und mit Erfolg gegen die von den Nazis angeordnete Entfernung der Kreuze aus katholischen Konfessionsschulen.
  • Seit dem 18. September findet eine Ausstellung auf Burg Dinklage statt.
  • Im November erscheint ein Buch zum Thema.
  • „Mut zum Kreuz!“ wird unterstützt von der LzO und der CEWE-Gruppe in Oldenburg.

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