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Zweiter Tag der Landwirtschaft diskutiert aktuelle Krisen

Unter dem Titel "Energie und Ernährung: Landwirtschaft in Krisenzeiten" hatte Weihbischof Theising nach Stapelfeld geladen. Zu besprechen gab es viel.

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Standen beim Tag der Landwirtschaft auf der Bühne: Weihbischof Wilfried Theising, Staatssekretär Professor Dr. Ludwig Theuvsen, Dr. Franziska Zumbrägel, Hans-Joachim Harms, Johannes Wilking und Dr. Marc Röbel. Foto: Dickerhoff

Standen beim Tag der Landwirtschaft auf der Bühne: Weihbischof Wilfried Theising, Staatssekretär Professor Dr. Ludwig Theuvsen, Dr. Franziska Zumbrägel, Hans-Joachim Harms, Johannes Wilking und Dr. Marc Röbel. Foto: Dickerhoff

Die Energiepreise steigen, die Corona-Pandemie hat auf die Abhängigkeit von störanfälligen Lieferketten hingewiesen, durch den Klimawandel kommt es immer öfter zu Dürren, und der Krieg im Osten betrifft mit Russland und der Ukraine die beiden Länder, die etwa 30 Prozent der weltweiten Weizenexporte ausmachen. Krisen gibt es aktuell viele. 

Die Frage, was diese Herausforderungen und die kommenden Veränderungen für die Landwirtschaft im Oldenburger Münsterland bedeuten, war der Ausgangspunkt für den Tag der Landwirtschaft, zu dem Weihbischof Wilfried Theising zum 2. Mal nach 2021 am Donnerstag (4. Oktober) in die Katholische Akademie Stapelfeld geladen hatte. Aufgrund der unmittelbar bevorstehenden Landtagswahl hatten die Organisatoren absichtlich keinen Mandatsträger oder Kandidaten einer Partei als Redner eingeladen.

"Die Krisenfelder bedrücken uns, gefährden Existenzen – bieten aber auch Potenziale", erklärt Akademiedirektor Dr. Marc Röbel bei seinen Einführungsworten und gab damit die Richtung vor, mit der sich der Hauptredner, Professor Dr. Ludwig Theuvsen, beschäftigen sollte. Der Staatssekretär im Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz teilte seinen Vortrag in zwei Teile. Erst ging es um die aktuellen Probleme, anschließend um Lösungsansätze. Es mag an der aktuell schwierigen Zeit liegen, dass der erste Part deutlich ausführlicher ausfiel. "Ich möchte sie gar nicht frustrieren", so der Staatssekretär zu Beginn schon fast entschuldigend zu den zahlreichen Zuhörern. 

"Das Konsumverhalten ändert sich in jüngster Zeit stark."Prof. Dr. Ludwig Theuvsen, Staatssekretär im Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Er unterschied in seinem Vortrag bei den Auswirkungen für den Ackerbau, der teilweise von den aktuellen Entwicklungen sogar profitiere, und der Viehhaltung, die deutlich mehr betroffen sei. Als ein großes Problem bezeichnete Theuvsen auch die Inflation, die dafür sorge, dass die Verbraucher wieder mehr auf ihr Geld schauen würden und eher wieder beim Discounter die Lebensmittel kauften. "Das Konsumverhalten ändert sich in jüngster Zeit stark", führte er auch mit Blick auf den sinkenden Absatz von Milch oder Fleisch aus. Auch Tierseuchen wie der Geflügel- oder Schweinepest sind laut Ludwig Theuvsen große Probleme für die Landwirtschaft.

Wie also können die Lösungen aussehen? Hier sprach der Staatssekretär vor allem den Niedersächsischen Weg an, die Vereinbarung zwischen Politik, Naturschutzverbänden und Landwirtschaft, die die Akteure dazu verpflichtet, konkrete Maßnahmen für einen verbesserten Natur-, Arten- und Gewässerschutz umzusetzen. Dafür werden die betroffenen Landwirte allerdings auch entschädigt. Bei aller ökologischer Sinnhaftigkeit dürfe die Ökonomie nicht vergessen werden, erklärte er.

"Es herrscht schlechte Stimmung in der Branche."Johannes WIlking, Vorsitzender des Kreislandvolkverbandes Vechta

Beim Podiumsgespräch kamen noch zwei weitere Akteure zu Wort. Johannes Wilking ist Vorsitzender des Kreislandvolkverbandes Vechta und stellte klar: "Es herrscht schlechte Stimmung in der Branche." Er hob aber auch die Relevanz des Themas "Energie" für die Landwirtschaft hervor. Ausführlich wurde hier auch über Photovoltaik-Freiflächenanlagen gesprochen. Hier war er sich sowohl mit Theuvsen als auch mit Hans-Joachim Harms, dem langjährigen Direktor der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, einig, dass hierfür nur Flächen genutzt werden dürften, die nicht für Lebensmittelanbau geeignet seien. "Ich vermisse auch ein Konzept für die Nachnutzung von Biogas", kritisierte Harms und erntete dafür Applaus.

Aus Zeitgründen konnten viele Fragen aus dem Publikum nicht mehr beantwortet werden, wurden aber in schriftlicher Form Staatssekretär Theuvsen und Weihbischof Theising mitgegeben. Letzterer kündigte auch bereits an, dass es nun jährlich den Tag der Landwirtschaft geben solle.

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