Werner Lübbe heißt der alte und neue 1. Vorsitzende des Kreisverbandes Vechta der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) der CDU. Die anwesenden MIT-Vertreter wählten den 68 Jahre alten Handwerksmeister aus Langförden mit einem unstrittigen Ergebnis von 100 Prozent. Alle 45 abgegebenen Stimmen entfielen auf den geschäftsführenden Gesellschafter der Lübbe Hallen-Systeme. Die Wahl fand auf dem diesjährigen Kreismittelstandstag auf dem Gelände der Firma „System und Struktur“ von Jürgen Schlarmann in Steinfeld statt.
Der Unternehmer Werner Lübbe ist so etwas wie „Methusalem“ in der Politik: Seit 28 Jahren führt der Kaufmann als Urgestein die Geschicke des mitgliederstärksten Kreisverbandes Deutschlands an.
Die aus dem Amt geschiedene Schatzmeisterin Eva-Maria Rosenbaum konnte in ihrem Rechenschaftsbericht noch ein „Plus“ von rund 20 auf jetzt 861 Mitglieder verkünden. Damit ist der Kreisverband Vechta bundesweite Spitze.
Lübbe möchte weiter wachsen
„Die meiste Arbeit für den Mittelstand wird im Landkreis Vechta geleistet“, gab sich Lübbe kämpferisch. „Dennoch sollten wir uns bemühen, junge Mittelständler für die Vorstände zu gewinnen“, warb er um eine Verjüngungskur, um noch weiter wachsen zu können.
Bei den turnusmäßig anstehenden Vorstandswahlen des Kreisverbandes wurde Bernd große Holthaus aus Steinfeld zum stellvertretenden Vorsitzenden neben Werner Lübbe gewählt. Neuer Geschäftsführer und Schatzmeister wurde Thomas Rolfes aus Bakum. Für den Pressesprecher Günter Nyhuis aus Langförden gab es eine Wiederwahl.
Zu Beisitzern sind Martin Burwinkel aus Lohne, Alfred Müller aus Damme, Ralph Muhle aus Goldenstedt, Sven Oesten aus Visbek, Carsten Preuß aus Langförden, Harald Rösler aus Steinfeld, Hendrik Wolking aus Langförden, Jörg Sieverding aus Lohne und der Vechtaer Bankvorstand Herbert Hermes gewählt worden. Als einzige Frau sitzt Claudia Kühling aus Vechta dem Vorstand bei.
Wohlstand als "Kernversprechen Europas"
Als „im Moment wichtigster Mann in der heimischen CDU“, so Lübbe, stellte sich der neue Kreisvorsitzende der CDU Vechta Jochen Steinkamp als Kandidat für das Europäische Parlament vor. Steinkamp gab an, dass es sein Ziel sei, „einen eigenen Europa-Abgeordneten zu stellen“. Er sei bereit, im Landesverband Oldenburg anzutreten und „für einen eigenen Abgeordnetenplatz zu kämpfen“.
Nach eigenen Angaben sei Steinkamp seit März dieses Jahres für die Wirtschaft vor Ort unterwegs. Steinkamp referierte außerdem zum Thema „Starker Mittelstand – starkes Europa“ und lobte die MIT als „ein echtes Pfund für die Christdemokratie hier in der Region.“ Neben Frieden und Freiheit sei Wohlstand eines der Kernversprechen Europas. „Dieses Versprechen lässt sich ohne einen starken Mittelstand nicht einlösen“, vertrat Steinkamp, obwohl „Wohlstand“ leider nicht das erste Wort sei, was den Menschen bei Europa einfalle.
Steinkamp erntet viel Applaus
„Bürokratie“ müsse unbedingt abgebaut werden, beklagte Steinkamp. 47,5 Prozent der regionalen Wertschöpfung hingen laut Oldenburger Industrie- und Handelskammer (IHK) an der Lebensmittelbranche, weswegen die Stärke des Mittelstandes „vom Landwirt bis zum Landmaschinenhersteller“ eng mit der Agrar- und Ernährungswirtschaft verknüpft sei.
Es sei vor allem Frans Timmermans gewesen, der mit weniger Wertschöpfung und im Endeffekt weniger Klima- und Umweltschutz „gleich zwei Eigentore geschossen“ habe. Steinkamp rügte zudem die „Vorgaben, Verbote und Vorschriften“ der EU, dass bald „für jede Schraube aus Indien ein CO₂-Zertifikat“ fällig werde. Er warnte vor einem neuen „Bürokratie-Godzilla“ der EU.
„Wir setzen uns in der CDU dafür ein, dass es künftig einen zentralen Ansprechpartner für den Mittelstand in der EU-Kommission geben soll, der Regulierungsvorschläge ablehnen können soll, die kleine und mittelständische Unternehmen belasten“, erntete Steinkamp viel Applaus.
Auch die Ampel-Koalition sei ein „Total-Ausfall“ in Bezug auf Europa: „Deutschland steht für Zoffen, Zaudern und Zögern!“, kritisierte Steinkamp. Er warnte vor einem Bedeutungsverlust Deutschlands in der Welt.