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Spargel-Bauern erleben Ausnahme-Jahr

Die Ernte könnte zum Vorjahr um 20 bis 30 Prozent eingebrochen sein, befürchtet Fred Eickhorst von der Vereinigung der Spargel- und Beerenanbauer. Hohe Produktionskosten haben den Profit verringert.

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Ganz schön viel: Jede fünfte deutsche Spargelstange stammt aus Niedersachsen. Foto: dpa / Schutt

Ganz schön viel: Jede fünfte deutsche Spargelstange stammt aus Niedersachsen. Foto: dpa / Schutt

Für die knapp 400 Spargel-Betriebe in Niedersachsen ist eine turbulente Saison zu Ende gegangen am Johannistag (24. Juni) - der Tag, an dem das Spargelstechen traditionell eingestellt wird. Insbesondere blicken die Anbauer auf eine sehr ungewisse Zeit zum Start der Ernte zurück. "Lange war nicht klar, ob Betriebe die nötigen Erntehelfer bekommen können. Flächen wurden daher teilweise nicht beerntet", erklärt Spargel-Experte Nils Kraushaar von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, "flächendeckend versuchten die Anlagen-Betreiber, den Erntebeginn so gut wie möglich zu verzögern, um sich Zeit zu verschaffen".

Marktsituation und Preise: Dennoch ging es mit der Spargelernte Ende März los, wie die Landwirtschaftskammer Niedersachsen berichtet, wenn auch bei weitem nicht im gewohnten Umfang. Zu Beginn der Saison waren die Mengen in diesem Jahr daher recht knapp, die Nachfrage kam aufgrund der Pandemie nur zögerlich in Gang. Offizielle Zahlen liegen noch nicht vor – Fred Eickhorst von der Vereinigung der Spargel- und Beerenanbauer geht davon aus, dass insgesamt 20 bis 30 Prozent weniger Spargel geerntet worden ist als im Vorjahr.

32 Prozent gehen normalerweise in die Gastronomie

Bedingt durch die geringere Erntemenge und die deutlich gesteigerte Nachfrage in der Direktvermarktung, die nach und nach immer besser in Schwung kam, bewegten sich die Preise in diesem Jahr zwar eher auf einem stabilen, höheren Niveau als im Jahr zuvor. Dem gegenüber stehen jedoch flächendeckend höhere Produktionskosten aufgrund der Pandemie - dazu zählen Kosten für zusätzliche Unterkünfte, Hygienemaßnahmen sowie höhere Reisekosten. Zudem ist der Absatz an die Gastronomie fast vollständig weggebrochen. 32 Prozent des deutschen Spargels werden nach Schätzung der Erzeuger normalerweise in der Gastronomie vermarktet. Der Ausfall konnte von der Direktvermarktung in Kombination mit dem höheren Preisniveau teilweise abgefangen werden.

Nach Angaben des Landesamts für Statistik wurden 2019 landesweit 28 .073 Tonnen Spargel geerntet (2018: 27.468 Tonnen). Spargel ist mit 4.844 Hektar Anbaufläche die Flächen-stärkste Kultur im niedersächsischen Gemüseanbau. Jede fünfte deutsche Spargelstange stammt aus Niedersachsen. Zu den Zentren des niedersächsischen Spargelanbaus gehören Diepholz, die Region Hannover, Braunschweig und der Heidekreis.

Bevölkerung sichert Unterstützung zu: Um die Betriebe bei der Gewinnung von Erntehelferinnen zu unterstützen, entwickelte die Landwirtschaftskammer Niedersachsen die Plattform AgrarJobBörse , auf der Betriebe und Arbeitssuchende unkompliziert zueinander finden können, zu Beginn der Spargelsaison weiter: Insgesamt sicherten über 3.000 Personen ihre Unterstützung bei der Ernte zu, darunter Menschen, die sonst beispielsweise in der Gastronomie, der Veranstaltungstechnik und anderen Berufen beschäftigt sind - aber auch viele Studenten und Schüler. All diesen Menschen sprach Fred Eickhorst seinen Dank aus, obgleich die Abbrecherquote angesichts der schweren körperlichen Arbeit hoch gewesen sei. Die Wertschätzung der osteuropäischen Erntehelfer sei deutlich geworden.


  • Info: Nach dem Ende des Spargelstechens lässt man die Triebe frei wachsen. In den nächsten drei Monaten bilden sich zwei Meter hohe, grüne und buschige Pflanzen, die durch Sonnenlicht Energiereserven bilden. Sie werden in die Speicherwurzeln eingelagert. Für die nächste Saison ist die Pflanze dann gesichert.

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