Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Sonnenschein produziert auch Euro – das stimmt heute so nicht mehr

Die größte Photovoltaik-Genossenschaft im Oldenburger Münsterland, die Energie Visbek-Bakum eG, legt – noch – gute Zahlen vor. Die aktuellen EEG-Bedingungen stoppen Investitionen in große PV-Anlagen.

Artikel teilen:
Vorstand Christian Götting (von links), der im Amt bestätigte Aufsichtsratsvorsitzende Bert Schillingmann und Vorstand Walter Tönnies. Foto: Genossenschaft

Vorstand Christian Götting (von links), der im Amt bestätigte Aufsichtsratsvorsitzende Bert Schillingmann und Vorstand Walter Tönnies. Foto: Genossenschaft

Das Jahr 2020 brachte einen neuen Rekord bei der Sonneneinstrahlung und damit einhergehend einen neuen Maximalwert beim produzierten Strom. Bei der Generalversammlung im Saal Hogeback in Erlte konnten deshalb jetzt die Vorstände der Energie Visbek-Bakum eG, Christian Götting (Volksbank Bakum) und Walter Tönnies (Volksbank Visbek) gute Zahlen vorlegen. Rund 2 Millionen Kilowattstunden produzierter Strom brachten einen Umsatz von 654.805 Euro. Die größte Photovoltaik-Genossenschaft im Oldenburger Münsterland verdiente damit etwa 282.000 Euro, nach Steuern verblieb ein Jahresüberschuss von 210.661 Euro.

Das bislang gut funktionierende Geschäftsmodell der Genossenschaft gründet auf der Pacht von Dachflächen für die Installation von großflächigen Photovoltaikanlagen und die Einspeisung des erzeugten Stroms in das öffentliche Netz. Die 2009 gegründete Genossenschaft hat seit Geschäftsaufnahme rund 27,7 Millionen kWh Solarstrom produziert, was auf Grundlage der Berechnungsfaktoren des Umweltbundesamtes einer Einsparung von annähernd 17.400 Tonnen CO2 entspricht. Mit der jährlich erzeugten Strommenge kann der Bedarf von etwa 750 Haushalten gedeckt werden.

Die Energiegenossenschaft hat 180 Mitglieder

Aufsichtsratsvorsitzender Bert Schillingmann, der turnusgemäß im Amt bestätigt wurde, konnte 34 Mitglieder zur Generalversammlung begrüßen. Derzeit hat die Genossenschaft 180 Mitglieder, jedes hält einen Geschäftsanteil von 800 Euro. Die Versammlung stellte 162.865 Euro vom Jahresgewinn in die Rücklagen. Auf jeden Mitgliedsanteil werden 5 Prozent Dividende gezahlt.

Den größten Teil der Aktiva in der Bilanz bilden die gut zur Hälfte abgeschriebenen Photovoltaikanlagen mit 2,83 Millionen Euro. Auf der Passivseite stehen Verbindlichkeiten in Höhe von 2,47 Millionen Euro und ein Eigenkapital in Höhe von 1,29 Millionen Euro. Die Eigenkapitalquote beträgt derzeit gute 33 Prozent. Abschreibungen und Zinsaufwand mit zusammen 384.652 Euro bildeten die größten Aufwandspositionen.

Eine der Photovoltaikanlagen der Genossenschaft ist auf Dachflächen der St.-Benedikt-Schule in Visbek installiert. Foto: GenossenschaftEine der Photovoltaikanlagen der Genossenschaft ist auf Dachflächen der St.-Benedikt-Schule in Visbek installiert. Foto: Genossenschaft

Tönnies und Götting blickten auch auf das laufende Jahr 2021, das wegen niedriger Sonneneinstrahlung nicht an das Rekordjahr anknüpfen wird. Mit Spannung erwarten die Genossen die konkrete Energiepolitik der neuen Bundesregierung. "Sollten die angekündigten Maßnahmen tatsächlich Wirklichkeit werden, müssten für Erzeuger von erneuerbarer Energie goldene Zeiten anbrechen", meinte Tönnies auf Nachfrage von OM-Online.

Ohne Änderungen des Gesetzes über die Förderung der erneuerbaren Energien (EEG) wäre das Geschäftsmodell der Genossenschaft auf Dauer nicht mehr rentabel. Aktuell lohnen sich laut Tönnies Investitionen in Neuanlagen nicht, da der Gesetzgeber den Eigenverbrauch des erzeugten Stroms verlangt, was der Genossenschaft nicht möglich ist. Für den in das öffentliche Netz eingespeisten Strom von Großanlagen würden bei Neuprojekten um die 5 Cent pro Kilowattstunde gezahlt. "Angesichts weitaus höherer Gestehungskosten sind da Neuinvestitionen nicht angebracht." Der Verzicht auf neue Projekte geht auch einher mit einem Aufnahmestopp für Mitglieder: "Wir könnten deren Geld schlicht nicht einsetzen."

Ebenfalls im Eigentum der Genossenschaft steht die Photovoltaikanlage auf dem Dach des Bakumer Rathauses. Foto: GenossenschaftEbenfalls im Eigentum der Genossenschaft steht die Photovoltaikanlage auf dem Dach des Bakumer Rathauses. Foto: Genossenschaft

Eine Geschäftsalternative hätte sich aus EU-Recht ergeben können, erklärt Tönnies weiter. Danach wäre der Genossenschaft der Verkauf des erzeugten Stroms an die eigenen Mitglieder möglich geworden, was sich rentiert hätte. "Aber hier hat die alte Bundesregierung die Umsetzung in nationales Recht nicht auf den Weg gebracht", kritisiert der Vorstand.

Um so gespannter sei man nun, welchen Weg die neue Regierungskoalition angesichts ihrer Klimaziele für Deutschland einschlägt. "Verändern sich die Rahmen, dann sind wir sofort wieder dabei und investieren gerne neu. Angesichts der im Koalitionsvertrag formulierten Ambitionen zum Klimaschutz bis 2030 muss sehr, sehr viel auf dem Gebiet der Erneuerbaren passieren. Die Zielerreichung wird aber enorm schwierig werden", erwartet Tönnies.

So verpassen sie nichts mehr. Mit unseren kostenlosen Newslettern informieren wir Sie über das Wichtigste aus dem Oldenburger Münsterland. Jetzt einfach für einen Newsletter anmelden!

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Sonnenschein produziert auch Euro – das stimmt heute so nicht mehr - OM online