Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Solaranlage, Wärmepumpe, Speicher: Wie eine KI bei der optimalen Energieplanung hilft

Die EWE setzt Künstliche Intelligenz ein, um die Kundenberatung effizienter zu gestalten. Ein „Demonstrator“ kann die Ergebnisse sofort visualisieren.

Artikel teilen:
Anschaulich: Mit Hilfe des „Demonstrators“ können Kundenberater der EWE zeigen, wie sich Veränderungen in ihrem „Energiesystem“ auswirken. Foto: EWE

Anschaulich: Mit Hilfe des „Demonstrators“ können Kundenberater der EWE zeigen, wie sich Veränderungen in ihrem „Energiesystem“ auswirken. Foto: EWE

Das Einfamilienhaus soll eine Solaranlage samt Wärmepumpe bekommen. Aber welche? Wie groß? Wohin? Ist dann ein Batteriespeicher sinnvoll? Klassische Fragen, die sich Eigenheimbesitzer stellen. Auch Unternehmen kommen ins Grübeln. Da soll beispielsweise eine zusätzliche Produktionsanlage in Betrieb genommen werden. Der Stromverbrauch wird steigen. Wie kann man die dadurch entstehenden Kosten minimieren? Ist das ein guter Zeitpunkt, Strombezug, -produktion und -verbrauch neu zu organisieren?

So in etwa lauten die Fragen, mit denen sich Vertriebsmitarbeiter und Kundenbetreuer des Energieversorgers EWE im Kundengespräch beschäftigen. Fragen, die nur unter Berücksichtigung zahlreicher weiterer Parameter und anhand verschiedener Berechnungsmodelle sinnvoll beantwortet werden können. Eine Aufgabe also, die wie gemacht ist für den Einsatz einer Künstlichen Intelligenz, findet Dr. Matthias Postina. Er leitet die Digital Factory des Energieversorgers und ist letztlich dafür verantwortlich, dass die EWE bei Data-Science-Themen, also auch beim Einsatz Künstlicher Intelligenz, keinen Trend verpasst oder, besser noch, bei der Entstehung eines neuen Themas vorn dabei ist.

Leitet die Digital Factory: Dr. Matthias Postina stellt auf dem OM-Wirtschaftsform Mensch. KI. Mittelstand“ die Möglichkeiten des KI-Einsatzes bei der EWE vor: Foto: EWELeitet die Digital Factory: Dr. Matthias Postina stellt auf dem OM-Wirtschaftsform „Mensch. KI. Mittelstand“ die Möglichkeiten des KI-Einsatzes bei der EWE vor: Foto: EWE

„Was wir bauen, hat eine hohe Komplexität und ist inzwischen nur mit Algorithmen und Künstlicher Intelligenz zu leisten“, erläutert Postina und macht dabei keinen Unterschied zwischen der Arbeit für Privat- oder Firmenkunden. Denn am Ende, sagt er, „muss es ein Mensch verstehen und Vertrauen in unsere Lösungskompetenz haben“. Deshalb hat sein Team ein KI-Modell entwickelt und gemeinsam mit dem Oldenburger Forschungs- und Entwicklungsinstitut für Informatik-Werkzeuge und -Systeme (OFFIS) der Universität Oldenburg einen Demonstrator gebaut, mit dem die Kundinnen und Kunden sofort erkennen können, wie sich Veränderungen in ihrem „Energiesystem“ auswirken.

Das Modell basiert auf einer Künstlichen Intelligenz, die beispielsweise sofort ausrechnet, wie sich Stromerzeugung und Stromverbrauch ändern, wenn man Elemente im Energiesystem hinzufügt oder entfernt. Dafür hat die Digital Factory ein System entwickelt, das errechnet und visualisiert, wie sich Veränderungen auswirken. „Per Mausklick kann man dann etwa die Solaranlage vergrößern und sofort die Auswirkungen auf das Energiesystem sehen“, sagt Postina.

Spielerei hat einen ernsten Hintergrund

Was wie eine Spielerei klingt, hat einen ernsten Hintergrund. „Bislang hat ein Kunde im EWE-Servicecenter sein Ziel, seine Überlegungen geäußert oder seine Fragen gestellt“, erläutert der Informatiker. „Dann ging das zur Bearbeitung ins Back Office und 3 Wochen später kam ein Ergebnis.“ Wenn sich daraus neue Ideen ergeben hatten, ging der Prozess von vorne los. „Mit den Werkzeugen der Digital Factory können Kunden und Berater im EWE-Shop alle möglichen Szenarien durchspielen, Ergebnisse vergleichen und eine gute Entscheidungsgrundlage schaffen.“

Gleiches gelte für die Großkunden, bei denen es mithilfe des Systems auch möglich ist, vor Ort ein digitales Abbild des Unternehmens zu erstellen. „So kann man dem Kunden ruckzuck sagen, wie ein perfektes Stromerzeugungsmodell für ihn aussieht“, betont Postina. Um die Ergebnisse besonders anschaulich zu machen, hat sein Team einen 2 Quadratmeter großen Bildschirm entwickelt, mit dem man wie auf einem Tablet interaktiv und fast spielerisch die Energielandschaft eines Unternehmens nachbilden und umbauen kann. „Da kann man auch einfach mal schauen, was passiert, wenn man sich ein Windrad aufs Gelände stellt“, scherzt er.

„In der Schöpfungshöhe ist der Mensch einfach besser“

Dr. Matthias Postina, Informatiker

Dieser „Demonstrator“, vor allem aber die dahinterstehende KI sind für Postina Beispiele dafür, wie die forschungsbasierte Arbeit der Digital Factory funktioniert. „Wir blicken auf Probleme und überlegen, wie man sie lösen kann“, sagt er. Dafür arbeiten Datenwissenschaftler mit Fachleuten aus den zuständigen Unternehmensbereichen interdisziplinär, offen und flexibel zusammen. Hinzu kommen Business-Developer, Projektmanager, Software-Designer und Front- und Backend-Entwickler. 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind in der Digital Factory der EWE tätig, „und was anfangs sehr forschungslastig war, hat immer mehr Wirkung entfaltet“, freut sich Postina.

Dem Menschen, sagt Postina, werde durch KI und Digitalisierung die Arbeit allerdings nicht ausgehen. „Es gibt immer Fälle, in denen der Mensch besser ist, in denen es den Menschen braucht“, ist er sich sicher. Vor allem, wenn Kreativität gefragt ist. „Denn in der Schöpfungshöhe“, so Postina, „ist der Mensch einfach besser.“


Unser neuer Podcast: "OM-Kompakt. Der Tag." Der tägliche Nachrichtenüberblick aus dem Oldenburger Münsterland. Klar, verständlich und auf den Punkt beleuchten wir, was unsere Region heute bewegt hat. Jetzt hier anhören!

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Solaranlage, Wärmepumpe, Speicher: Wie eine KI bei der optimalen Energieplanung hilft - OM online