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So viele Firmeninsolvenzen im ersten Halbjahr meldet die IHK Oldenburg

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist im Vergleich zum Vorjahreszeitraum im Oldenburger Land teils deutlich gestiegen. Der Landkreis Cloppenburg zählt zu den wenigen Ausnahmen.

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Symbolfoto: dpa

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105 Unternehmen im Oldenburger Land haben im ersten Halbjahr des laufenden Jahres Insolvenz angemeldet. Das sind 28 Firmen – beziehungsweise 36 Prozent –  mehr als im Vorjahreszeitraum, wie die Industrie- und Handelskammer (IHK) in Oldenburg am Donnerstag berichtet. Sie beruft sich dabei auf Daten des Landesamtes für Statistik in Niedersachsen.

Dass die Zahl der zahlungsunfähigen Firmen angestiegen ist, komme nicht unerwartet, sagt Björn Schaeper. Er ist Geschäftsführer für den Bereich Wirtschaftspolitik bei der IHK. Schaeper weist darauf hin, dass der Wert "immer noch auf einem niedrigen Niveau" sei. In den vergangenen Jahren seien die Insolvenzen deutlich rückläufig gewesen – allein im ersten Halbjahr 2021 um über 45 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2020.

Im Landkreis Vechta meldet die IHK 11 Firmeninsolvenzen von Januar bis Juni. Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr 2021 waren es 10 Insolvenzen. Damit ist der Anstieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum hier weniger deutlich als in anderen Landkreisen oder kreisfreien Städten. Besonders hart trifft es zum Beispiel die Stadt Oldenburg. Hier ist Zahl der zahlungsunfähigen Unternehmen von 10 auf 30 am deutlichsten gestiegen.

Der Landkreis Cloppenburg scheint dem Trend zu trotzen. Er ist neben Friesland der einzige Landkreis im Bereich der IHK Oldenburg, in dem die Zahl der Insolvenzen rückläufig ist. Waren es im ersten Halbjahr 2021 noch 21 Insolvenzen, sind es in den ersten 6 Monaten des laufenden Jahres 18 Meldungen von Zahlungsunfähigkeit gewesen. Im Landkreis Friesland ist die Zahl von 6 auf 2 gesunken.

Schaeper nennt mehrere Gründe dafür, dass die Zahl der Insolvenzen steigt. Hier seien insbesondere die gestiegenen Energie- und Beschaffungspreise zu nennen, die nicht immer eins zu eins weitergegeben werden könnten. Diese gestiegenen Kosten belasteten die ohnehin durch die Pandemie geschwächte Ertragslage vieler Betriebe zusätzlich. Hinzu komme eine schwächere Nachfrage der Verbraucher infolge der Inflation. Und: Die Finanzierungskosten würden aufgrund des höheren Zinsniveaus steigen.

Die Zahlen zeigen auch: Es ist besonders der Dienstleistungssektor von den Insolvenzen betroffen. Hier ist die Zahl der zahlungsunfähigen Firmen von 33 im ersten Halbjahr 2021 auf 50 im ersten Halbjahr 2022 gestiegen. Das macht also fast die Hälfte aller aktuellen Insolvenzen aus. In anderen Branchen – etwa Industrie (6 aktuelle Insolvenzen), Baugewerbe (17 aktuelle Insolvenzen), Handel (16 aktuelle Insolvenzen), Gastgewerbe (7 aktuelle Insolvenzen) und Verkehr/IT/Kommunikation (9 aktuelle Insolvenzen) ist die Zunahme nicht so deutlich, teilweise sogar eher stabil.

Wie Schaeper berichtet, sei der Auftragsbestand vieler Branchen zwar nicht schlecht, "allerdings kann dieser vielfach nicht abgearbeitet werden, weil Material knapp ist oder Arbeitskräfte fehlen". Einen zusätzlichen Schatten wirft die Unsicherheit über die künftige wirtschaftliche Entwicklung. Und diese Unsicherheit sei "sehr hoch", so Schaeper.

  • Info: Die IHK bietet Unternehmen, die in Schwierigkeiten sind, Unterstützung an. So findet der nächste Sprechtag "Unterstützung im Krisenfall: Runder Tisch" am 16. September ab 9 Uhr per Videokonferenz statt. Anmeldungen: www.ihk.de/oldenburg/161102338

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