Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

SL-Recycling in Bakum-Harme entlässt seine 30 Mitarbeiter

Die Gebäude sind nur 3 Jahre alt. Angesichts des Preisverfalls am Markt für recycelte Kunststoffgranulate aus Folien sehen die Inhaber Dr. Stephan Siemer und Ludger Ostendorf keine Perspektive mehr.

Artikel teilen:
Die Produktion von recycelten Kunststoffgranulaten bei "SL" in Bakum ist eingestellt, den knapp 30 Mitarbeitern wurde gekündigt. Foto: Kühn

Die Produktion von recycelten Kunststoffgranulaten bei "SL" in Bakum ist eingestellt, den knapp 30 Mitarbeitern wurde gekündigt. Foto: Kühn

Es war das Ziel von SL-Recycling in Bakum, die Wiederverwertung von Kunststoff in der Region voranzutreiben. 2018 hatten Dr. Stephan Siemer und Ludger Ostendorf das Unternehmen gegründet, 20 Millionen Euro in die Hand genommen, um direkt an der Autobahn 1 in Bakum eine Recyclinganlage für Folienabfälle zu errichten. Im März 2020 wurde die Produktion aufgenommen. Die Herstellung von Recyclinggranulaten ist nun Geschichte. Zum 31. Dezember dieses Jahres wurde allen knapp 30 Mitarbeitern in Harme "fristgerecht gekündigt", bestätigt Siemer auf Anfrage der OM-Medien. Einen Betriebsrat gibt es in der Firma nicht. Als Grund für die Einstellung des Betriebes nannte Siemer den "enormen Preisverfall" auf den Märkten für recycelte Kunststoffgranulate: "Ein Weiterbetrieb hat sich wirtschaftlich nicht mehr darstellen lassen."

Die beiden Vechtaer Investoren wollten mit dem Betrieb die Recyclingquote von Kunststoffabfällen in der Region erhöhen. Dafür wurden eine 5000 Quadratmeter große Produktion sowie eine Lagerhalle gebaut, in denen mithilfe modernster Technik saubere Folien aus Gewerbe und Handel verarbeitet wurden. Die Herstellung von PP- und PE-Kunststoffgranulaten aus Folien lief auch gut an, erzählt Siemer. "Rund 1000 Tonnen Granulate pro Monat" hätten Harme verlassen, um in die Prozesse von Unternehmen der Kunststoffindustrie zurückzufließen.

Knapp 5000 Quadratmeter groß ist die Produktionshalle (vorne) von SL. Foto: SLKnapp 5000 Quadratmeter groß ist die Produktionshalle (vorne) von "SL". Foto: SL

Mit Beginn des Ukrainekrieges sowie des durch die meisten westlichen Länder verhängten Boykotts russischen Rohöls fielen die Preise für Recyclinggranulate kontinuierlich, berichtet Siemer. Russland habe sich für sein Öl andere Abnehmer gesucht, so unter anderem Indien. Dort würden jetzt mit dem billigen Öl neue Kunststoffgranulate für die Industrie hergestellt, "zu Preisen, bei denen recycelte Granulate kaum mehr konkurrenzfähig sein können".

Ein Übriges hätten Absatzrückgänge wegen der allgemein trüben Stimmung in der deutschen Wirtschaft, in einer schwächelnden Autoindustrie oder die Einbrüche in der Bauwirtschaft getan. Nicht zuletzt hätten die hohen Strompreise im Land – "teilweise waren ein Euro pro Kilowattstunde zu zahlen" – zu einem Kostenschub geführt: "Wir arbeiten mit Extrudern und benötigen Energie. Ohne Strom geht es nicht."

Steigende Kosten treffen auf sinkende Absatzpreise

Angesichts steigender Kosten und sinkender Preise, "insbesondere in unserem Bereich, dem Folienrecycling, haben wir zuletzt nicht mehr auskömmlich arbeiten können", sagt Siemer: "Die Preise fielen permanent und verharrten auf einem derart niedrigen Niveau, dass wir sagen mussten 'Unser Recycling lohnt sich nicht mehr'. Es gibt zudem keine Aussicht auf schnelle Besserung am Markt."

Die Investition in die Immobilie will Siemer auf Nachfrage nicht völlig abschreiben, denn schließlich sei "die Anlage 3 Jahre gelaufen, ein Teil der Kosten ist ja bereits zurückgezahlt". Wenn jetzt auch die Produktion stillgelegt werde, so gibt es bereits Interessenten für die Hallengebäude, insbesondere für die Lagerkapazitäten, berichtet der Geschäftsführer.

Trotz Schließung am 31. Dezember: Die Lagerflächen von SL sind, Stand 19. Dezember, immer noch gut gefüllt. Foto: KühnTrotz Schließung am 31. Dezember: Die Lagerflächen von SL sind, Stand 19. Dezember, immer noch gut gefüllt. Foto: Kühn

Das Schwesterunternehmen von SL-Recycling, die Firma "Welaplast" in Goldenstedt, sei von der Stilllegung in Bakum nicht betroffen, versichert Siemer. Die Geschäfte dort würden zwar auch auf Basis von recycelten, besonders aber neuen Kunststoffgranulaten gemacht, jedoch sei das Unternehmen im Bereich der Spritzgusstechnik unterwegs, liefere "Spezialkunststoffe", so etwa bestimmte Farben. Der Absatz von Welaplast sei trotz schwieriger Märkte nach wie vor "noch gut", allerdings seien auch in diesem Bereich "die Preise längst nicht mehr so wie früher".

Bakums Bürgermeister Tobias Averbeck (CDU) erklärte auf Anfrage, dass die Gemeinde im Vorfeld von den Investoren über die bevorstehende Schließung von SL informiert wurde. Ein Mitarbeiter von SL, der namentlich nicht in der Zeitung genannt werden will, bezeichnete seine persönliche Situation gegenüber OM-Medien als "nicht gerade toll. So kurz vor dem Jahresende erhält niemand gerne eine Kündigung". Zwar habe es gehörig in der Belegschaft rumort, dennoch sei er persönlich, auch ein größerer Teil seiner Kollegen, durchaus optimistisch, schnell einen neuen Job in der Region zu erhalten: "Man will ja arbeiten, dann findet man auch was …"

Danke, OM für 10.000 Digital-Abos! Lesen Sie jetzt OM-Plus ein Jahr lang für nur 8,99€ / Monat und sparen Sie so bis zu 40%. Hier geht es zum Angebot.

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

SL-Recycling in Bakum-Harme entlässt seine 30 Mitarbeiter - OM online