Kammer-Bezirksstelle vollzieht Generationswechsel
Die neuen Teamleiter bringen frischen Wind in die Behörde. Diese soll die Landwirte durch den bevorstehenden Transformationsprozess begleiten.
Georg Meyer | 10.12.2023
Die neuen Teamleiter bringen frischen Wind in die Behörde. Diese soll die Landwirte durch den bevorstehenden Transformationsprozess begleiten.
Georg Meyer | 10.12.2023

Junges Team (von links): Carla Brüning, Tobias Jöring und Friederike Gerken gestalten die Geschicke in der Bezirksstelle Süd. Dessen Leiter Dr. Günther Kuhnt freut sich über die Neubesetzungen. Foto: G. Meyer
Generationswechsel bei der Landwirtschaftskammer in Cloppenburg: Die Bezirksstelle Oldenburg-Süd hat sich in den vergangenen Monaten personell neu aufgestellt und auch die Organisation entstaubt. Aus den bisherigen Fachgruppen wurden Teams gebildet. Deren Leitung übernahmen ausschließlich junge Gesichter. So wie Friederike Gerken. Sie führt gleich zwei Teams, das Team "Betrieb" sowie das Team "Tier, Technik, Bauen". Die 31-Jährige ist außerdem stellvertretende Dienststellenleiterin. Zur Kammer kam die studierte Agrarwissenschaftlerin im Jahr 2019. Bereits einige Jahre länger ist Carla Brüning dabei. Die Ostwestfälin hat den Aufgabenbereich von Dr. Bernhard Rump übernommen, der im Frühjahr die Geschäftsstelle Minden-Lübbecke der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen übernahm. Mit den Teams "Ländliche Entwicklung" und "Umwelt" arbeitet Brüning künftig an Themenfeldern, die für die hiesigen Betriebe immer wichtiger werden dürften. Für den Pflanzenbau ist Tobias Jöring (32) zuständig. Auch er stammt aus Ostwestfalen. Während seines Studiums an der Fachhochschule Soest hatte er seinen jetzigen Arbeitsplatz bereits kennengelernt. Mit der Auswahl der neuen Führungskräfte ist Bezirksstellenleiter Dr. Günther Kuhnt mehr als zufrieden. Der Nachwuchsmangel mache inzwischen auch den Kammern zu schaffen, bestätigt er. Viele Absolventen der Agrarhochschulen zögen lieber in die freie Wirtschaft. Im Vertrieb eines Unternehmens hat auch Carla Brüning eine Zeitlang gearbeitet. Jetzt versucht sie, die von der Politik gesteckten Umweltziele mit den Bedürfnissen der Betriebe unter einen Hut zu bekommen. Ein leichtes Unterfangen ist das nicht. Besonders unter den jungen Landwirten habe inzwischen aber ein Umdenken eingesetzt, sagt sie. Als unabhängige Behörde soll die Kammer die Bauern beraten, ohne direkt Partei zu ergreifen. "Das muss auch künftig so sein, ansonsten wären wir für die Öffentlichkeit nicht glaubwürdig", betont Dr. Kuhnt. Der Weg zur angestrebten Transformation der Branche ist mit Gesetzen und Verordnungen gepflastert. Es gebe aber Spielräume, verrät der Behördenleiter. Dass die Region sich in den kommenden Jahren stark verändern wird, steht für die Agrarexperten außer Frage. Die Tierhaltung gehe bereits deutlich zurück und dieser Prozess werde auch nicht so schnell aufhören, berichtet Friederike Gerken. Die Sauenzüchter müssten kommendes Jahr mitteilen, wie sie ihre Ställe tierwohlgerecht umbauen werden. "Sie tun das in dem Wissen, am Ende keinen Cent mehr zu verdienen, was natürlich große Unsicherheit schafft", erklärt Gerken. Dass die Jahresbilanz für die Schweinehalter aktuell nicht schlecht aussieht, habe bereits mit dem massiven Abbau der Bestände zu tun. "Das hat der Markt geregelt, aber der Wachstumsgedanke ist raus", sagt Dr. Kuhnt. Er ärgert sich, wenn die Schuld für Fehlentwicklungen einseitig den Bauern zugeschoben wird. Anders als früher liege der Fokus heute eben nicht mehr auf der Steigerung der Produktivität. Die Ernährungssicherung bleibe aber trotzdem eine der wichtigsten Aufgaben. Wie das gelingen kann, obwohl die Landwirte immer weniger Pflanzenschutzmittel einsetzen dürfen, versucht Tobias Jöring mit seinem Team herauszufinden. Der Klimaschutz und die Verringerung des CO2-Fußabdrucks wird die Kammer ebenfalls in den kommenden Jahren beschäftigen. Reizthema dürfte dabei die Wiedervernässung der Moore sein, von der zahlreiche Betriebe in der Region betroffen sind. Außerdem möchte sich die Behörde wieder stärker um die Ausbildung kümmern und auch in den Berufsschulen Präsenz zeigen. "In früheren Zeiten war das eine unserer eigentlichen Aufgaben", weiß Dr. Kuhnt. Er selbst wechselt im kommenden Jahr in den Ruhestand. Seine Stelle ist bereits ausgeschrieben. Tierhaltung ist rückläufig
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