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Iris Tapphorn ist Landwirtin aus Leidenschaft

"Mensch der Woche": Die 38-Jährige führt mit viel Freude den traditionsreichen Gänsehof in Brockdorf. Sie bietet Führungen und Workshops an.

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Ein eingespieltes Team: Für Iris Tapphorn aus Brockdorf dreht sich sehr viel um Gänse. Derzeit können die Tiere wegen der Vogelgrippe nicht auf die Weiden.  Archivfoto: Technow

Ein eingespieltes Team: Für Iris Tapphorn aus Brockdorf dreht sich sehr viel um Gänse. Derzeit können die Tiere wegen der Vogelgrippe nicht auf die Weiden.  Archivfoto: Technow

Schon als kleines Kind war für Iris Tapphorn klar, dass sie eines Tages den gleichnamigen Gänsehof in Brockdorf von ihrem Vater Heinz übernehmen möchte. Als Sechsjährige schenkte sie ihm einen entsprechenden selbst gebastelten Gutschein. „Und diesen hat er am 1. Mai 2009 eingelöst“, sagt die 38-Jährige mit einem Lächeln.

Iris Tapphorn ist mit dem aus Köln stammenden Sascha verheiratet. Das Paar hat zwei Kinder. Nach der elften Klasse verließ Iris Tapphorn damals das Wirtschaftsgymnasium, um eine Ausbildung zur Steuerfachangestellten zu absolvieren. „Das Wissen hilft mir heute sehr bei der Führung des Betriebs.“ Im Nebenerwerb machte sie auf dem heimischen Hof zudem eine Ausbildung zur staatlich geprüften Landwirtin.

Aus kleiner Gänsezucht wird professioneller Betrieb

Der Gänsehof Tapphorn: Aus einer kleinen Gänsezucht auf dem Heuerlingshof von Heseding hat sich über die Jahrzehnte ein professioneller Betrieb entwickelt, der unter anderem die Bereiche Elterntierzucht, EU-Brüterei, Aufzucht, Mast, EU-Schlachterei und Federnverarbeitung umfasst. Rund 3500 Elterntiere und 4000 Masttiere gehören zum Hof, dies immer abhängig von der Jahreszeit. Neben fest angestellten Mitarbeitenden gehören auch Saisonkräfte zum Team.

Weihnachtsgans, Daunen und Kissen

Beim Gänsehof Tapphorn gibt es die klassische Weihnachtsgans mit Gewürzmischung und Zubereitungsanleitung, aber auch Daunendecken und Kissen, die aus den Federn der Gänse hergestellt werden. „Alles rund ums Bett“, sagt Iris Tapphorn. Auch die Bettenreinigung wird angeboten.

Ferner spielt das Thema Upcycling eine große Rolle. Dabei werden alte Bettwaren zu neuen Bettideen aufgearbeitet. Bereits vor Corona hat Iris Tapphorn einen Online-Shop ins Leben gerufen, der sich erfolgreich etabliert hat. Der Gänsehof bietet auch Führungen für Interessierte an und Workshops zum Beispiel für Firmen oder Kindergruppen. Passend zu Ostern werden zum Beispiel Eier bemalt oder andere Dekoartikel hergestellt.

"Ich mache gerne unsere Tore auf und zeige, wie viel Arbeit, Liebe und Herzblut in dem Betrieb steckt."Iris Tapphorn

„Ich mache gerne unsere Tore auf und zeige, wie viel Arbeit, Liebe und Herzblut in dem Betrieb steckt. Das ist mir persönlich sehr wichtig“, sagt Iris Tapphorn, der auch eine 24-Stunden-Liveübertragung aus den Ställen ins Internet vorschwebt. In diesem Jahr bietet der Gänsehof Tapphorn diverse Aktionen in Kooperation mit dem Förderverein Regionale UmweltBildung-Agrarwirtschaft (RUBA) an. Iris Tapphorn ist in mehreren Verbänden aktiv und macht sich darin für die Interessen der Landwirtschaft stark.

Der Umgang mit den Gänsen gefällt Iris Tapphorn: „Die Tiere sind sehr intelligent, sehr reinlich, haben aber auch ihren eigenen Kopf.“ Normalerweise sind die Gänse jeden Tag draußen auf der Weide. Momentan ist das aufgrund der Vogelgrippe nicht möglich. Im vergangenen Jahr musste der gesamte Tierbestand auf dem Hof wegen der Vogelgrippe gekeult werden. Eine existenzbedrohende Situation. Iris Tapphorn ist froh und dankbar, dass sie die Zucht wieder aufnehmen konnte.

Ob Brüten, Mast, Schlachtung und vieles mehr: Kein Tag ist wie der andere. „Die Arbeit ist sehr abwechslungsreich, das kommt mir sehr entgegen“, sagt Iris Tapphorn. Sie mag es, im Job ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen. „Durch die Arbeit in der Landwirtschaft kann ich Beruf und Familie gut unter einen Hut bekommen, mich selbst verwirklichen und muss nur sehr selten ein schlechtes Gewissen gegenüber meinen Kindern haben, weil ich zu Hause immer präsent bin. Das finde ich sehr schön.“

Neu ist der "Schnatterschnaps"

Die Ideen gehen der 38-Jährigen nicht aus. So bietet sie seit Kurzem den „Schnatterschnaps“ an, einen 20-prozentigen Eierschnaps. „Wir haben sehr viele junge Tiere, die viele Eier legen, welche sinnvoll verarbeitet werden sollen.“ Ferner kann die zweifache Mutter sich gut vorstellen, künftig ein offenes Näh-Café anzubieten.

"Ich werde genauso häufig geprüft wie Wiesenhof."Iris Tapphorn

In ihrem Arbeitsalltag ist Iris Tapphorn mit sehr viel Bürokratie beschäftigt. „Ich werde genauso häufig geprüft wie Wiesenhof. Insgesamt sind es fast 30 Prüftermine im Jahr mit den verschiedenen Behörden.“ In ihrer Freizeit fährt Iris Tapphorn gerne mit dem E-Bike durch Hopen, geht in die Sauna und unternimmt etwas mit Familie und Freunden.

In Brockdorf lebt sie sehr gerne. „Ich mag die Ruhe und Abgeschiedenheit. Zugleich bin ich am Puls der Landwirtschaft. Zudem haben wir eine tolle Dorfgemeinschaft.“ Die 38-Jährige bezeichnet sich als „sehr zielstrebig und ehrgeizig. Ich habe einen starken Willen und ein großes Herz. Ich bin laut und bunt, der Schnatterschnaps heißt nicht umsonst so“, sagt sie und lacht. In jüngeren Jahren ist Iris Tapphorn bereits viel gereist. „Ich habe alles gesehen, was ich sehen wollte.“

Und: „Ich bin sehr zufrieden mit dem, was ich tue.“ Sie wünscht sich, mit Ehemann Sascha und der Familie gesund alt zu werden und den Gänsehof Tapphorn noch viele Jahre mit viel Freude und Leidenschaft führen zu können.

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