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Firmengeschichte endet nach 65 Jahren

Am 1. August ist das Aus des Busunternehmens Hanekamp am Standort Cloppenburg vollzogen. Vier Betriebe übernehmen die Linien.

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Busflotte: Die Fahrzeuge sollen nach Angaben der Deutschen Bahn in anderen Gebieten eingesetzt werden. Foto: Hermes

Busflotte: Die Fahrzeuge sollen nach Angaben der Deutschen Bahn in anderen Gebieten eingesetzt werden. Foto: Hermes

Mit dem 1. August endet die Geschichte des Unternehmens Hanekamp nach 65 Jahren am Standort Cloppenburg. Wie berichtet, wurden die gesamten Linienkonzessionen in den Kreisen Cloppenburg und Vechta verkauft. Sie gehen an die Firmen Wilmering, Schomaker, Nienaber und Kohorst über.

2002 hatte der frühere Inhaber Nikolaus Hanekamp mangels Nachfolge sein Busunternehmen an die "Weser-Ems-Bus GmbH" in Bremen, einer 100-prozentigen Tochterfirma der Deutschen Bahn, verkauft.

"Die Bahn mit ihren Strukturen ist für ein vergleichsweise kleineres Unternehmen wie Hanekamp schwierig", erklärt Betriebsratsvorsitzende Maria Kurmann im Gespräch mit OM online. Bus- und Schienenverkehr seien nicht miteinander zu vergleichen. Kurmann betonte zudem, dass das Cloppenburger Unternehmen nicht schlecht gewirtschaftet habe. "Wir hatten allerdings auch keine Chance, gut zu wirtschaften", sagt sie.

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Gleichzeitig macht die Betriebsratsvorsitzende dem Landkreis Vorwürfe, denn die Vergabe von einzelnen Touren mache es schwierig. "Es wäre besser gewesen, wenn man Touren im Bündel vergeben hätte. Einige kann man alleine nicht wirtschaftlich betreiben", so Kurmann.

Es sei dem Kreis nicht gelungen, ein System für guten öffentlichen Nahverkehr auf die Beine zu stellen. "Und wir haben trotzdem über 50 Jahre lang die Kinder zur Schule hin- und hergefahren." Sie monierte zudem das Preisdumping, das mit den Ausschreibungen entstanden sei. "Es hätte Vorgabe sein müssen, dass Fahrer zu vernünftigen Konditionen übernommen werden."

Im Hinblick auf die Verhandlungen zum Ende des Betriebes zeigt sie sich zufrieden: "Wir haben das ganz gut gelöst, sofern man das in so einem Rahmen überhaupt sagen kann." Viele Mitarbeiter seien nicht weiter bei der Bahn beschäftigt, sie wollten lieber vor Ort bleiben. Kurmann bedauerte das Ende des familiär geprägten Unternehmens: "Zahlreiche Menschen waren eine lange Zeit hier beschäftigt, ihnen wurde ein Stück Heimat genommen."

Busse werden in anderen Gebieten eingesetzt

Nach Angaben der Bahn werden die Fahrzeuge zukünftig in anderen Gebieten eingesetzt, in denen das Unternehmen Busverkehre fährt. Mit dem Ergebnis für die Mitarbeiter seien sie zufrieden. "Für die betroffenen Mitarbeiter in Cloppenburg und Vechta gilt, neben Interessenausgleich und Sozialplan, der Demografietarifvertrag der Deutschen Bahn, der keine betriebsbedingten Kündigungen vorsieht", so eine Bahnsprecherin weiter auf Nachfrage. Details nannte sie nicht.

Ab sofort werden vier gleichberechtigte Partner, die insgesamt rund 150 Busse betreiben, mit Start am 1. August die Linien und Konzessionen der Hanekamp GmbH aus Cloppenburg übernehmen. Im Rahmen einer Bietergemeinschaft werden die Unternehmer Uwe Nienaber (Omnibusbetrieb Nienaber, Sedelsberg), Leo Wilmering (Wilmering, Vechta), Thomas Bojes (Schomaker-Reisen, Lohne), und Reiner Kohorst (Kohorst-Reisen, Feldhaus, Dinklage und Essen) die bislang von Hanekamp bedienten Buslinien in den Kreisen Cloppenburg und Vechta weiter betreiben. Insbesondere die Schülerverkehre im Kreis Cloppenburg sind damit gesichert. Um wie viel Geld es bei der Übernahme von Konzessionen und Linien geht, will keiner der beteiligten Unternehmer sagen.

Übernehmen die Konzessionen und Linien der Hanekamp GmbH: (von links) Uwe Nienaber, Reiner Kohorst, Oliver Nienaber, Thomas Bojes, Leo Wilmering. Foto: KühnÜbernehmen die Konzessionen und Linien der Hanekamp GmbH: (von links) Uwe Nienaber, Reiner Kohorst, Oliver Nienaber, Thomas Bojes, Leo Wilmering. Foto: Kühn

Die Bieterunternehmen bleiben selbstständig. Die 54 Busse und 90 Fahrer der Hanekamp GmbH wurden nicht übernommen. Der Standort von Hanekamp an der Daimlerstraße in Cloppenburg wird zum 31. Dezember aufgelöst.

Die in der Gemeinschaft zusammen arbeitenden Unternehmen sind auch die Betriebe, die in den beiden Landkreisen Cloppenburg und Vechta die "moobil plus"-Verkehre übernommen haben. "Es lag nahe", so Wilmering, sich auch für die Nachfolge auf den Hanekamp-Linien gemeinsam zu bewerben. Bojes sieht in der Zusammenarbeit in der Bietergemeinschaft die Möglichkeit, "Synergien zu heben". Man habe keine "Rosinenpickerei" betrieben.

Fahrgast muss möglicherweise nicht mehr umsteigen

Durch interne Umorganisation und Verrechnung von Leistungen, Optimierungen und "Vermeidung von Parallelverkehren" innerhalb der Gemeinschaft sei es nun möglich, dass ein Fahrgast auf seinem Weg von A nach B im Oldenburger Münsterland möglicherweise nicht mehr umsteigen müsse. "Die Zusammenarbeit rechnet sich nicht nur für uns, sondern auch für unsere Kunden". Die bekannten Fahrpläne und Linien bleiben in aller Regel, nur der Fahrer oder "die Farbe des Busses" ändert sich, sagt Bojes, der die Stammfahrgäste aber auch mahnt, in der nächsten Zeit auf die Beschilderung und Linien der Busse zu achten.

Apropos Zahlung: Übernimmt nicht gerade ein Oligopol die Busverkehre im Oldenburger Münsterland? Wie steht es mit der Preisgestaltung? Der Landkreis sei wie die beteiligten Unternehmen Mitglied in der Verkehrsgemeinschaft Cloppenburg, erklärt Bojes. Alleingänge seien nicht möglich. Die Höhe der Beförderungsentgelte bestimme auf Antrag die Landesnahverkehrsgesellschaft in Hannover. Die genehmige Preisaufschläge nur auf Basis allgemein üblicher Indizes. "Wir haben keine Tarifhoheit", sagt der Busunternehmer.

Rund zwei Jahre hätten die Verhandlungen mit der Weser-Ems-Bus gedauert, blickt Wilmering zurück. Zunächst sei er allein angesprochen worden, ob er nicht Hanekamp übernehmen wolle. Im April 2019 schickte er seine Absage, denn so, „wie sich das die Bahn vorstellte, war das nicht zu rechnen“. Ihm war klar, dass man den Betrieb „als Einheit nicht hätte weiterführen“ können. Wilmering bezeichnet Hanekamp "unter den Fittichen der Bahn" als "großes unwirtschaftliches Konglomerat von Linien mit hohen Verpflichtungen".

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Jahrzehntelang hätte man es "sehr gut gemacht. Alles lief, so lange der Betrieb in privater Hand war", sagt der Busunternehmer. "Insbesondere bei Problemlagen fehlte zuletzt wegen der Konzernstrukturen die Flexibilität des mittelständischen Unternehmers vor Ort, der die Kenntnisse in seinem Tarifgebiet hat", sagt Wilmering. Am 30. April dieses Jahres stand fest, dass die Linienübernahme klappen würde, hatte nach der Bahnzentrale in Frankfurt auch der Kreis Cloppenburg der Nachfolge zugestimmt.

"Keiner der von mir eingestellten Hanekamp-Fahrer ist schlechter gestellt als vorher."Leo Wilmering, Busunternehmer aus Vechta

Betriebsrat und Bahn sollten in der Folge „in Ruhe“ ihre Verhandlungen über Interessenausgleich und Abfindungen führen können, sagt Wilmering. Deshalb habe man Stillschweigen über die Einigung vereinbart. Denn eines habe für die Bietergemeinschaft auch festgestanden: Man wollte nicht die in der GmbH angestellten Fahrer übernehmen. "Wir wollten nicht in uns unbekannte Risiken einsteigen", erklärt Wilmering. "Jeder, der wollte, konnte allerdings bei uns anfangen", sagt Bojes. Rund 50 ehemalige Fahrer seien heute für die Bietergemeinschaft tätig. "Keiner der von mir eingestellten Hanekamp-Fahrer ist schlechter gestellt als vorher."

Für den Kreis Cloppenburg ergeben sich durch die neue Partnerschaft ebenfalls Vorteile. "Dort hätte man den Schülerverkehr in eigener Regie organisieren müssen, wären wir nicht eingesprungen", erklärt Wilmering, denn dieser sei Pflichtaufgabe. Derzeit sind es schultäglich 6000 Schüler im Kreis Vechta und 8000 im Kreis Cloppenburg, die mit dem Bus fahren.

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