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Eva-Maria Lindhaus vermisst ihre Kneipe und ihre Gäste

Die Dinklagerin möchte ihr "Bistro im Stern" wieder öffnen dürfen. Die Situation sei zermürbend. Aufgeben aber, das stellt sie klar, kommt nicht infrage.

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Wann öffnet sie wieder? Eva-Maria Lindhaus weiß es noch nicht. Foto Böckmann

Wann öffnet sie wieder? Eva-Maria Lindhaus weiß es noch nicht. Foto Böckmann

Corona? Eva-Maria Lindhaus redet nicht lange um den heißen Brei herum. Es sei einfach "eine Scheißsituation". Für sie, für ihre Gäste, für ihre Branche. Eva-Maria Lindhaus betreibt das "Bistro im Stern" in Dinklage seit fast sechs Jahren. Doch seit fast drei Monaten hat Lindhaus ihre Kneipe geschlossen. Wegen der Corona-Pandemie.

Ab Montag dürfen in Niedersachsen nun auch Kneipen wieder öffnen. Wie  - das wusste Eva-Maria Lindhaus bis Freitagabend noch nicht. Wie sind die Öffnungszeiten? Wie viele Gäste darf sie empfangen? Welche Vorgaben muss sie beachten? Darf sie auch im Biergarten bedienen?

Viele Fragen, keine Antworten. Diese "ungelegten Eier" mit Blick auf die Kneipen haben die Gastronomin schon in den vergangenen Wochen und Monaten massiv gestört. Es sei zermürbend. Sie habe das Gefühl, dass die Politik die Kneipen-Kultur nur wenig interessiert.

Schließung trifft Lindhaus finanziell hart

Keine Ansprechpartner, keine Lobby - Lindhaus fühlte und fühlt sich schlichtweg im Stich gelassen. Sie ist deshalb froh, dass ihr Alf Kötter als guter Bekannter, Ordnungsamtsleiter August Blömer und Heinz-Hermann Jordan als Vorsitzender des Dinklager Wirtevereins mit Rat und Tat zur Seite stehen. Sie helfen ihr, sie beantworten ihre Fragen.

Denn für Eva-Maria Lindhaus trifft das zu, was wohl für die allermeisten ihrer Kollegen gilt: Die Schließung ihres "Bistro im Stern" seit dem 18. März trifft die 64-Jährige natürlich auch finanziell hart. Sie hat keine Einnahmen, dafür aber jede Menge feste monatliche Ausgaben. Sie fragt sich, "wie viele Kneipen wohl ihr Leben lassen".  In Dinklage wären es, überspitzt formuliert, nicht viele. Denn es gibt in der jungen Stadt am Burgwald keine handvoll klassische Kneipen mehr. Es waren mal mehr als 50. 

Dass die Kneipiers erst als fast letzter Berufszweig wieder arbeiten dürfen, versteht Lindhaus nicht. "Man hätte uns einfach wieder machen lassen sollen." Natürlich unter Einhaltung aller Abstands- und Hygieneregeln. Schwarze Schafe, die die Vorgaben und Bestimmungen hintergehen oder ausnutzen, gebe es immer, sagt Lindhaus. Ob mit oder ohne die Corona-Pandemie.

Für ihre gemütliche Eckkneipe hat Lindhaus schon seit längerem alles Mögliche vorbereitet, was die Hygiene und die Bürokratie erfordere. Sie nehme das Thema Corona sehr ernst. Für ihre Gäste lege sie ihre Hand ins Feuer, dass diese sich an die Regeln halten würden. Gemessen mit einem Zollstock hat Lindhaus natürlich auch den Abstand. Das Ergebnis: Elf Personen könne sie - verteilt über das Bistro - gleichzeitig empfangen. 

Von 60 potentiellen Besuchern auf elf mögliche Gäste?

Das sind natürlich viel weniger Gäste als üblich. Denn sonst haben bis zu 60 Besucher Platz. Ob sich eine Öffnung für weniger als ein Dutzend Kneipengänger lohne? Diese Frage stelle sich gar nicht, sagt Lindhaus. Sie strotze vor Energie. Sie wolle in ihrer Kneipe arbeiten - und für ihre Gäste da sein.

Für die Stammkunden, für den Freitagsstammtisch, für die "Activity" spielenden Frauen, für das freundschaftlich verbundene, gerne Wein trinkende Ehepaar. Und für alle anderen Gäste, die mal mehr, mal weniger häufig in der Kneipe anzutreffen sind. Lindhaus ist überzeugt: Auch mit nur elf zulässigen Gästen könne es in ihrer Schankwirtschaft eine "coole Atmosphäre" geben. Besondere Mottopartys wären denkbar.

"Ich möchte mich nicht so verabschieden, dass andere entscheiden, wann ich dichtmache."Eva-Maria Lindhaus

Auch die Gäste, für die die Pächterin häufig eine Art Seelsorgerin ist, sehnen eine baldige Öffnung des "Bistro im Stern" herbei. Sie rufen Eva-Maria Lindhaus an. Sie fragen nach, wie es ihr geht, wann sie wieder aufmacht - und warum sie nicht öffnen darf.

Denn, das hat die 64-Jährige in den vergangenen Wochen festgestellt: Viele verstehen nicht, warum eine Kneipe, also eine Schankwirtschaft, nicht öffnen darf, eine Gastwirtschaft dagegen schon. Der Grund ist einfach: Weil eine Gastwirtschaft Essen anbietet. Und das gibt es bei Eva-Maria Lindhaus eben nicht.

Ihr Lächeln hat sie nicht verloren: Eva-Maria Lindhaus in ihrer leeren Kneipe Bistro im Stern. Foto: BöckmannIhr Lächeln hat sie nicht verloren: Eva-Maria Lindhaus in ihrer leeren Kneipe "Bistro im Stern". Foto: Böckmann

Was ihre eigene Zukunft angeht, ist Eva-Maria Lindhaus in gewisser Weise entspannt. Mit einem Lächeln im Gesicht sagt sie: "Es gibt auch ein Leben nach der Kneipe." Sie bewege sich schon auf den Renteneintritt zu und könne deshalb auch loslassen. Irgendwann. "Aber Corona", das sagt Lindhaus kämpferisch, "aber Corona kriegt mich nicht klein."

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