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Ein paar Ecken und Kanten schaden nicht

Gästebuch: Cloppenburger Restaurants und das Comeback der Krawatte – gehobene Gastronomie will Etikette. Passt, wenn auch die Qualität mithält.

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Es gab mal Zeiten in Cloppenburg und umzu, da fiel die Wahl des Restaurants schwer. Nicht nur quälte uns, ob wir jetzt beim Griechen essen gehen wollen, sondern zu welchem soll es gehen. Auch die italienische Auswahl forderte den ganzen Gast. Mehrere Pizzerien, Trattorien oder sogar Ristorante lockten, und fast überall schmeckte es gut. Es waren sogar Italiener, die Spaghetti carbonara kreierten oder Tiramisu zauberten. Und was im Balkan gegrillt wurde, gab es mindestens so gut beim Radi an der Osterstraße. Den Barack Palinka brachte er in der Westentasche seines schwarzen Dreiteilers mit. Aufs Haus.

Als Paula Vorwerk in Molbergen noch lebte, waren die Schnitzel bei Thole-Vorwerk unübertroffen, und Tholen Frieda gab ihren „Senf“ ungefragt dazu. In Cappeln war das Schwertfisch-Carpaccio der Geheimtipp, Giovanni (oder Giuseppe?) sei Dank. Und zum besten Schinkenbrot auf Rosinenstuten wurde am Sternbusch in Löningen geladen.

Die meisten Lokale gehören der Vergangenheit an. Geschlossen aus Resignation oder Altersgründen. Oder wegen Personalmangels.  Wer will heute noch Gastronomie? Nichts gegen Kurden, Syrer oder Jeziden. Aber das Beständigste an ihnen ist der Wechsel. Von löblichen Ausnahmen wie Carmelo in Molbergen oder Banno in Emstek abgesehen. Es ist eben nicht damit getan, sich einen Pizzaofen anzuschaffen, und das Geschäft brummt. Nach dem Motto: Pizza kann ja jeder.

Wird’s also noch mal besser? Das Münchner „ Streiflicht“ ist davon überzeugt und erinnert an die Krawatte, einst ein Symbol ästhetischer Distanz. Der italienische Modemensch Raffaello Napoleone habe ein Interview gegeben und von einer Renaissance des Schlipses gesprochen. Die Verkaufszahlen von Krawatten hätten um 30 Prozent zugenommen. Sie seien solange weg gewesen, dass sie jetzt wieder angesagt sind.

"Sogar Tagesschau-Sprecher ließen zuletzt den obersten Hemdknopf offen, was vor einer Generation zum Bild-Aufschrei geführt hätte."Otto Höffmann

Das mag für Italien stimmen. Aber hier? Zwar servierte Jugo-Radi Cevapcici in scharfer Sauce und Krautsalat natürlich mit Krawatte. Und  sogar im Frack. Und auch bei Bernd Höhne darf das blütenweiße Hemd nicht fehlen. Gehobene Gastronomie will Etikette. Passt, wenn auch die Qualität mithält.

Doch wer hängt sonst an dem Binder? Sogar Tagesschau-Sprecher ließen zuletzt den obersten Hemdknopf offen, was vor einer Generation zum Bild-Aufschrei geführt hätte. Dafür reichte ja damals schon Karl-Heinz Köpckes Schnurrbart. Wenn der Abstieg der hiesigen Gastronomie etwas mit der Krawatte zu tun haben sollte, dann trägt Alt-Bürgermeister Wiese ein gerütteltes Maß an Mitschuld. Denn er verschmähte ein Berufsleben lang den Binder. Wieses Markenzeichen war und bleibt die Fliege, dieses undefinierbare hängende Etwas unterhalb des Kinns. Muss man mögen, kann man aber auch seinlassen. Immerhin ein Alleinstellungsmerkmal.

Cloppenburgs Bürgermeister Neidhard Varnhorn lebt das personifizierte Sowohl-als-auch hemmungslos aus. Gerne krawattenlos, wenn es locker wirken soll, ungezwungen und unverkrampft. Wenn aber der Unternehmerpreis verliehen wird, prangt am Hals des Verwaltungschefs die althergebrachte Krawatte. Sauber gebunden und farblich abgestimmt.

So ist er eben, der Bürgermeister der Kreisstadt: freundlich zu jedermann und so gar kein Meister Anecker. Ein bisschen mehr Ecken und Kanten dürften aber auch nicht schaden. Denn wie sagte schon F.J. Strauß – sinngemäß: Everybody's darling ist everybody's Döskopp.


Zur Person:

  • Otto Höffmann ist Rechtsanwalt in Cloppenburg.
  • Den Autor erreichen Sie unter der E-Mail-Adresse redaktion@om-medien.de.

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