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Ein Haarschnitt für 12 Euro? Das gibt es nicht mehr!

Friseurbesuche sind durch die Corona-Pandemie teurer geworden, was die hiesigen Betriebe gerechtfertigt finden. Doch kämpfen sie mit ganz anderen Problemen.

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Mit Mundschutz und Handschuhe müssen jedem Kunden zunächst in Dirk Rolfes Salon in Steinfeld die Haare gewaschen werden. Foto: Timphaus

Mit Mundschutz und Handschuhe müssen jedem Kunden zunächst in Dirk Rolfes Salon in Steinfeld die Haare gewaschen werden. Foto: Timphaus

Oben etwas länger, die Seiten schön kurz rasiert - ein klassischer Herrenhaarschnitt also. Für unter 20 Euro ging der Meister der Haare früher ans Werk. Doch das ist jetzt vorbei. Im Schnitt sind die Preise für einen Friseurbesuch bundesweit während der Corona-Pandemie laut des Statistischen Bundesamtes um 6,3 Prozent gestiegen. Grund dafür sind nach Branchenangabe die Umsetzungen der Hygieneauflagen; die Pflicht zur Haarwäsche etwa.

Die Friseur-Innung im Landkreis Vechta, also die Vertretung vieler Betriebe unter dem Dach der Kreishandwerkerschaft, findet den Preisaufschlag gerechtfertigt. Es gebe mittlerweile aber einige Betriebe, die sich nicht an die Regeln halten, beklagen die Branchenvertreter. Wenn diese Vorschriften-Verweigerer nun weniger verlangen, riskiere der Kunde oder die Kundin streng genommen ihre Gesundheit. Ein vergleichsweise hoher Preis.

"Das Waschen der Haare muss ja auch bezahlt werden und auch die Schutzmaßnahmen sind ein relativ hoher Aufwand für die Friseurbetriebe", berichtet Markus Nacke, der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Vechta. Die Kostensteigerung sei daher auf jeden Fall begründbar.

"Die Preise sind nicht gestiegen, sondern es hat sich der Hygieneaufwand erhöht."Dirk Rolfes, stelvertrender Vorsitzender der Friseur-Innung

Doch was genau ist bei den Friseuren nun anders? "Die Preise sind nicht gestiegen, sondern es hat sich der Hygieneaufwand erhöht. 2 Euro schlagen wir darum auf jeden Haarschnitt darauf", erklärt Dirk Rolfes, der stellvertretende Vorsitzende der Friseur-Innung und Betreiber eines Salons in Steinfeld. Konkret werden in seinem Meisterbetrieb durch den Aufschlag die Masken, das Desinfektionsmittel und die Reinigung finanziert. Auch habe sich der Verbrauch von Einmal-Handschuhen verdreifacht, erklärt der Profi. Zudem dürfen die Friseure nicht alle Plätze besetzten und das Personal habe einen deutlichen Mehraufwand bei der Arbeit zu leisten. Aber: "Wir freuen uns aber, dass wir wieder arbeiten dürfen", sagt Rolfes.

Jeder zweite Stuhl bleibt beim Friseur unbesetzt, um den Abstand zwischen den Kunden zu wahren. Foto: TimphausJeder zweite Stuhl bleibt beim Friseur unbesetzt, um den Abstand zwischen den Kunden zu wahren. Foto: Timphaus

In Rolfes Salon und anderen Friseurbetrieben kommt zu dem Hygienepreisaufschlag hinzu, dass bei jedem Kunden die Haare gewaschen werden müssen. Hierfür nimmt Rolfes 3 Euro. Somit kostet ein Herrenhaarschnitt in seinem Salon statt 22 Euro nun 27 Euro. Bei den Damen schlägt in dem Steinfelder Salon nur der Hygieneaufschlag zu Buche. Die Kopfwäsche war schon vorab Standard.  

Besonders starker Preisanstieg bei Kindern

Diese Preisentwicklung bestätigt auch das Statistische Bundesamt. Bei Männern habe es im Vergleich zu Vorkrisenzeiten einen Aufschlag von 6,5 Prozent gegeben. Bei Frauen lag dieser bei 5,8 Prozent. Am deutlichsten ist der Preisanstieg bei Kindern zu spüren. Diese müssen durchschnittlich 9,4 Prozent mehr zahlen. Die Statistiker führen zwei zentrale Gründe an: das Verbot des Trockenhaarschnitts und der gestiegene Mindestlohn.

Monika Bregen, die Friseur-Innungsobermeisterin und Inhaberin eines Salons in Dinklage, nennt noch einen Grund: Der Wäscheberg sei allein durch die Umhänge deutlich größer als früher. Auch das koste. Wobei: Die Mehrheit der Kundinnen und Kunden der Innungsbetriebe zeigten Verständnis für die Mehrkosten – wenn sie begründet und maßvoll seien. 

Nicht alle Friseure halten sich offenbar an die Regeln

Wenn nicht? Auch das gebe es natürlich, räumen Bregen und Rolfes ein. "Teilweise nehmen Kollegen bis zu 7 bis 8 Euro als Hygieneaufwand", berichtet Bregen. "Das ist schlichtweg zu viel für die Kunden und darum versteh ich auch in Teilen die Kritik an den zu hohen Preisen", pflichtet Rolfes bei. 

"Es gibt leider schwarze Schafe bei den Friseurbetrieben."Markus Nacke, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft

Und noch ein Problemfeld sehen die Innungsbetriebe: "Es gibt leider schwarze Schafe", sagt Markus Nacke. Sprich: Viele von denjenigen, die schon vor Corona durch Discount-Preise auffielen, bleiben günstig, weil sie die Vorschrift nicht beachten. Der Klassiker dabei: Die Haarwäsche vorab werde weggelassen; dann müsse auch nicht für sie  kassiert werden, berichtet Nacke. "Das ist reine Wettbewerbsverzerrung", stimmt Monika Bregen zu. Konkret formuliert Nacke es so: "Wer jetzt noch einen Haarschnitt für 12 Euro anbietet, da kann nicht alles rechtens bei dem sein."

Sowohl die Chefs der Innung als auch die Kreishandwerkerschaft fordern daher mehr Überprüfungen im Landkreis. "Es muss amtliche Kontrollen geben, ansonsten tut sich gar nichts", sagt Bregen. Nacke fordert konkret den Landkreis Vechta auf, mehr zu tun.

Landkreis Vechta hat keine Kontrollmöglichkeiten

Und der Landkreis? "Das Ordnungsamt des Landkreises Vechta hat bereits vor einigen Wochen Kontrollen in den Friseurbetrieben durchgeführt." Bei diesen seien nur vereinzelt Verstöße festgestellt worden, sagt Pressesprecherin Laura Niemann. Aktuell stufe der Kreis die Umsetzungen darum als ausreichend ein.

Die Pflicht-Haarwäsche sei übrigens nicht Teil der Kontrollen. Denn sie sei  in der Corona-Verordnung kein Thema. Vielmehr handle es sich um eine Branchen-interne Regel; ob die eingehalten werde, prüfe die Behörde nicht. 

Und was ist nach Corona? Sinken die Preise dann wieder? Nichts Genaues weiß man nicht. Zu unsicher sei der weitere Verlauf. Andere Dinge – wie zum Beispiel der Schnitt nur nach Terminabsprache – will beispielsweise Friseur Rolfes beibehalten. 

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