Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Die OLB durchschreitet das "Tal der Tränen" – und legt eine Rekordbilanz vor

Stellenabbau und weniger Filialen: Vorstandschef Stefan Barth hat die Oldenburgische Landesbank auf Kosteneffizienz getrimmt und fährt einen Rekordgewinn ein. Der Börsengang der OLB kann nun kommen.

Artikel teilen:
Immer seltener in der Region zu sehen: Die Marke OLB ist aus vielen Ortsbildern im Nordwesten verschwunden. Foto: Kühn

Immer seltener in der Region zu sehen: Die Marke OLB ist aus vielen Ortsbildern im Nordwesten verschwunden. Foto: Kühn

Die Oldenburgische Landesbank AG (OLB) hat eines der besten Ergebnisse ihrer Geschichte vorgelegt. Vorstandsvorsitzender Stefan Barth sieht das als direkte Folge des Transformationsprozesses, den die Bank derzeit durchläuft. Nach der Durchquerung des "Tals der Tränen" - damit meint Barth das Jahr 2021 - wird die OLB den Filialabbau und die massive Senkung der Mitarbeiterzahl in diesem Jahr abschließen. Resultat der Restrukturierungsmaßnahmen, die Barth als "betriebswirtschaftliche Notwendigkeit" bezeichnete, ist ein Jahresüberschuss von 86,2 Millionen Euro (Vorjahr: 78,6 Millionen Euro), ohne Berücksichtigung von Einmaleffekten steigt er sogar auf 97,6 Millionen Euro.

Trotz der Restrukturierungsaufwendungen in Höhe von 38,4 Millionen Euro stieg der Gewinn vor Steuern nach HGB um 19,3 Prozent auf 137 Millionen Euro (114,9 Millionen Euro). Das Betriebsergebnis stieg auf 178,1 Millionen Euro (135,5 Millionen Euro).

Unsere Veränderungen greifen und machen uns fit für die Zukunft."Stefan Barth, OLB-Vorstandsvorsitzender

"Unsere Veränderungen greifen und machen uns fit für die Zukunft. Wir sind in allen Geschäftsfeldern zunehmend profitabel", meinte Barth. Die Eigenkapitalrendite nach Steuern stieg auf 7,3 Prozent (Vorjahr: 6,9 Prozent), ohne Einmaleffekte auf 8,3 Prozent. Die Rentabilitätskennziffer "Cost-Income-Ratio" ohne regulatorische Aufwendungen, das heißt ohne von der Bank nicht beeinflussbare Posten wie der Bankenabgabe, sank auf 59,5 Prozent (Vorjahr: 62,8 Prozent), mit den nach HGB ausgewiesenen regulatorischen Aufwendungen auf 62,6 Prozent (Vorjahr: 65,6 Prozent). Die Effekte der Kostensenkung aus der Restrukturierung werden bereits im laufenden Jahr "noch deutlicher sichtbar", versprach der Vorstandsvorsitzende.

Die Leistungskennzahlen werden ab diesem Jahr gemäß dem International Financial Reporting Standard (IFRS) berichtet. Unter Anwendung der neuen Vorschriften läge die "Cost-Income-Ratio" bei 55,4 Prozent, die Eigenkapitalrendite nach Steuern bei 9,2 Prozent.

Restrukturierung bringt eine erhebliche Ausdünnung des Filialnetzes im Nordwesten mit sich

Die OLB hat ihr Filialnetz deutlich ausgedünnt, strebt Ende dieses Jahres eine Zahl von rund 40 Filialen im Nordwesten, ergänzt um das Beratungscenter in Oldenburg als "digitales Rückgrat" der neuen OLB, an. Bis zum Ende des zweiten Quartals werden zehn Standorte geschlossen – in Diepholz sowie überwiegend im ostfriesischen und emsländischen Raum. Im Jahr 2020 gab es noch 66 Filialen. Die Zahl der Mitarbeiter, die 2020 noch bei 1.777 lag, wird bis zum Ende dieses Jahres auf 1.250 gesunken sein. Die Zahl an Automatenstandorten -  derzeit sind es noch 56 (87) - wird auch künftig stetig überprüft, so Barth.

Ist für den Börsengang der OLB inzwischen bereit: Vorstandschef Stefan Barth. Foto: ReinholdIst für den Börsengang der OLB inzwischen bereit: Vorstandschef Stefan Barth. Foto: Reinhold

Derzeit hat die OLB 625.000 Kunden. Ende des Vorjahres 2020 waren es 658.000. Aber auch mit weniger Kunden lassen sich gute Geschäfte machen. Indiz ist eine um gleich 3,1 Milliarden Euro auf 24,6 Milliarden Euro gestiegene Bilanzsumme. Ursächlich ist ein um 9,7 Prozent gestiegenes Kundenkreditvolumen auf rund 17 Milliarden Euro. Rund 4500 Kunden finanzierten 2021 mit der OLB ihr Immobilieneigentum. Das Bestandsvolumen an Baufinanzierungen belief sich auf 6,6 Milliarden Euro (6,1 Milliarden Euro). Die Kundeneinlagen legten ebenfalls, um etwas über eine Milliarde Euro, auf jetzt 14 Milliarden Euro zu.

Mit ihrem Ratenkreditangebot ist die OLB bundesweit – "erfolgreich", so Barth - auf der Plattform Check24 vertreten. Im Corporates-Geschäft und bei den Spezialfinanzierungen - die OLB ist unter anderem ein bedeutender Finanzierer von Transfergeschäften in den ersten Fußballligen verschiedener Länder - stiegen die Darlehen in allen Bereichen um 2,9 Milliarden Euro (2,6 Milliarden Euro).

Das Privatkundengeschäft soll eine tragende Säule der Bank bleiben

Trotz Wandel der OLB von der Regionalbank zur bundesweit tätigen "Systembank" sollen das Privatkundengeschäft und das regionale Geschäft mit Unternehmen weiterhin tragende Säulen bleiben. Im Rückblick zeigte sich Barth über den Mitarbeiterabbau "nicht glücklich. Das kann niemand sein". Der Abbau sei jedoch komplett sozialverträglich erfolgt.

Mit Blick auf die Zukunft will sich die Bank auf ein ESG-Rating einstellen. Im Laufe des Jahres will die OLB ihre Börsenfähigkeit herstellen, über den Börsengang entscheiden letztlich die Eigentümer. "Wir sind auf dem richtigen Weg", sagt Stefan Barth, "um die OLB so auszurichten, dass wir dauerhaft eigenständig bleiben können".

So verpassen sie nichts mehr. Mit unseren kostenlosen Newslettern informieren wir Sie über das Wichtigste aus dem Oldenburger Münsterland. Jetzt einfach für einen Newsletter anmelden!

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Die OLB durchschreitet das "Tal der Tränen" – und legt eine Rekordbilanz vor - OM online