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Bahnstrecke Osnabrück-Bremen ist besonders störanfällig

Die regionale Bahnmobilität ist verknüpft mit Pleiten, Pech und Pannen. Doch gibt es Licht am Horizont?

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Fördert Störanfälligkeit: Nur an wenigen Bahnhöfen können sich auf der sonst eingleisigen Strecke Züge begegnen. Foto: Schmutte

Fördert Störanfälligkeit: Nur an wenigen Bahnhöfen können sich auf der sonst eingleisigen Strecke Züge begegnen. Foto: Schmutte

„Dieses Netz ist das unpünktlichste in ganz Deutschland.“ Der Geschäftsführer der Nordwestbahn (NWB), Ulrich Erhardt, machte diese Aussage über die eingleisigen Bahnstrecken im Weser-Ems-Gebiet, auch über die Verbindung von Osnabrück nach Bremen, die quer durch den Landkreis Vechta verläuft und von der NWB betrieben wird.

Eingeladen zu einer Informations- und Diskussionsveranstaltung zum Thema „Bahnmobilität im Landkreis Vechta“ hatte die örtliche CDU. Veranstaltungsort war der Kulturbahnhof, wo etwa ein Dutzend Besucher die Unpünktlichkeit der im Stundentakt verkehrenden Züge nach Bremen und Osnabrück während der Veranstaltung hautnah miterleben konnten.

Als Moderator begrüßte der örtliche CDU-Vorsitzende Tobias Lahrmann die Diskussionsrunde, zu der neben Ulrich Erhardt der Vorsitzende des Fahrgastverbands Pro Bahn Niedersachsen, Malte Diehl, CDU-Landtagsabgeordneter Christian Calderone und Daniel Kathmann vom Amt für Wirtschaftsförderung und Kreisentwicklung des Landkreises Vechta gehörten.

Lahrmann: Zuverlässigkeit auf der Strecke nicht gegeben

Als Grund für die Veranstaltung nannte Lahrmann die Diskussion über den zweigleisigen Ausbau sowie Verspätungen und Ausfälle der Züge auf der Strecke Osnabrück-Bremen. Die ökologisch sinnvollste Art zu reisen, sei die mit dem Zug, so Erhardt. Um Fahrgäste zu gewinnen, sei Zuverlässigkeit unabdingbar. Diese sei auf der genannten Strecke derzeit nicht gegeben. Die von der NWB bedienten eingleisigen Strecken in Weser Ems seien die unpünktlichsten in ganz Deutschland.

War in der Vergangenheit der Mangel an Lokführern ein Problem, so sei dies behoben. Nur noch bei 0,5 Prozent der Zugausfälle sei Personalmangel der Grund. Die Infrastruktur sei eindeutig Auslöser von Verspätungen und Ausfällen. Der marode Zustand einiger Streckenabschnitte, die Eingleisigkeit und die mangelnde Leistungsfähigkeit der Knotenpunkte Osnabrück, Oldenburg und Bremen macht Erhardt für die Missstände verantwortlich. Die Belastung der Strecken in Weser-Ems liege bei 120 Prozent. Weitere Ärgernisse, wie etwa der Tarifdschungel, seien nicht gerade förderlich für die Attraktivität der Bahn.

Die Diskussionsrunde: Malte Diehl (von links), Ulrich Erhardt, Tobias Lahrmann, Christian Calderone und Daniel Kathmann. Foto: SchmutteDie Diskussionsrunde: Malte Diehl (von links), Ulrich Erhardt, Tobias Lahrmann, Christian Calderone und Daniel Kathmann. Foto: Schmutte

Pro-Bahn-Vertreter Malte Diehl bestätigte, dass die NWB ihr Personalproblem im Griff habe. „Die Infrastruktur wird auf Anschlag gefahren“, sieht er die Mängel ähnlich wie Erhardt. Als Beispiel nahm er die Verspätung des Zuges, der um 18 Uhr den Bahnhof Neuenkirchen verlassen sollte, aber 10 Minuten Verspätung hatte. „Diese 10 Minuten ziehen sich bis zum letzten Zug heute Nacht hin oder weiten sich noch aus, weil die Strecke eingleisig ist und die Züge in Gegenrichtung aufeinander warten müssen, da sie nur auf wenigen Bahnhöfen aneinander vorbeifahren können“, erläuterte er den Hauptgrund für viele Verspätungen. Die Strecke sei für den Stundentakt nicht ausgelegt, ist er überzeugt. Daher habe der zweigleisige Ausbau und eine Leistungssteigerung der Knotenpunkte für ihn oberste Priorität.

Wie Erhardt hält Diehl einen angedachten Halbstundentakt von Lohne nach Bremen mit der vorhandenen Infrastruktur für unmöglich. Daniel Kathmann zeigte sich erfreut über die gute Anbindung nach Osnabrück und Bremen durch die NWB. Das im Landkreis Vechta inzwischen etablierte Angebot Moobil-Plus unterstütze diese Anbindung durch die Beförderung vom Wohnort zum Zug. Beliebt sei die Schülerbeförderung durch die NWB. Allerdings müsse an der Verlässlichkeit noch gearbeitet werden. Die Flexibilität von Moobil-Plus solle noch gesteigert werden. Dazu wolle man die Taxiunternehmen mit ins Boot holen.

Bleibt die NWB Betreiberin?

Christian Calderone teilte mit, dass der aufgrund eines Gutachtens erstellte Maßnahmenkatalog zur Verbesserung der Infrastruktur noch in dieser Legislaturperiode vom Landtag verabschiedet werden soll. 2026 und 2028 würde der Betrieb der Bahnstrecken in der Region neu ausgeschrieben. Ob die NWB Betreiberin bleibe, sei offen, genau wie die Antriebsart der zukünftigen Züge. Ob die elektrisch, batterieelektrisch oder mit LNG betrieben werden, wird nach Anforderungen, Kosten und Gegebenheiten entschieden. Diehl mahnte, es dürfe keine Entscheidung nach parteipolitischen Interessen werden, sondern eine nach der Praktikabilität.

Die Region müsse zusammenstehen und mit einer Stimme sprechen, so Calderone, damit der ländliche Bereich nicht aus dem Fokus der Politiker rücke. Erhardt sieht zu viele „Player“ in den Entscheidungsprozessen, die alle ihre eigenen Interessen im Auge hätten, wodurch konkrete Maßnahmen unendlich in die Läge gezogen würden. Aus dem Publikum kam der Vorwurf, das Land würde beim Kauf von Zügen „ideologisch vorgehen und Schrott kaufen, da in Salzgitter eine entsprechende Firma sitzt“. Der Kauf der Züge sei alleine Sache der Bahngesellschaften, entgegnete Calderone. Er sehe häufig fast leere Züge an sich vorbeifahren, erklärte ein anderer Zuhörer und zweifelte die Notwendigkeit eines Halbstundentakts an. Dieser, so Diel, sei erst ab Lohne geplant.

Erhardt erklärte, das Fahrgastaufkommen habe sich seit dem Start der NWB vor 22 Jahren verdreifacht, ohne konkrete Zahlen nennen zu können. Calderone hofft auf einen Start des Planfeststellungsverfahrens für den zweispurigen Ausbau der Bahnstrecke Osnabrück-Bremen in 2 bis 3 Jahren. Verschiedene Fragen aus dem Publikum, zum Beispiel zur Problematik um ungesicherte Bahnübergänge, machten deutlich, dass es einen bunten Strauß an Problemen gibt, für die Bahn und Politik noch Lösungen finden müssen.

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