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Aldi kommt Bauern entgegen

Der Discounter will offenbar auf die drastische Senkung des Butterpreises verzichten. Eine Molkerei sorgt derweil für Verstimmung unter den Landwirten. (Update 12.45 Uhr)

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Beteilgen sich: Landwirte aus dem Cloppenburger Südkreis brachen am Dienstagvormittag von Löningen aus nach Lingen auf. Foto: Meyer

Beteilgen sich: Landwirte aus dem Cloppenburger Südkreis brachen am Dienstagvormittag von Löningen aus nach Lingen auf. Foto: Meyer

In die Gespräche zwischen Landwirten und der Aldi-Geschäftsführung am Zentrallager in Hesel ist offenbar Bewegung gekommen. Wie ein Bauernsprecher am Dienstagvormittag in einer Whatsapp-Nachricht erklärte, ist die von Aldi zunächst vorgesehene Preissenkung für Butter um 56 Cent inzwischen wieder vom Tisch. Stattdessen sei eine "vertretbare Senkung zu normalen Marktpreisen" zugesichert worden.

Dies betrifft allerdings nur die Butter einer Molkerei, die das Lager in Hesel beliefert. Sie sei an anderen Aldi-Standorten jedoch ausgelistet worden, weil eine andere Molkerei ihre Butter zu weit niedrigeren Preisen angeboten hatte. "Sie fällt uns damit in den Rücken. Wir müssen jetzt herauskriegen, welche Molkerei das ist und ihr dann einen gehörigen Besuch abstatten", so der Sprecher.  

Die Landwirte blockieren das Zentrallager in Hesel seit Montag. Auslöser war eine drohende drastische Preissenkung der Butterpreise durch den Discounter. Die folgenden Gespräche mit der Aldi-Geschäftsführung bezeichnete der Sprecher als "konstruktiv". Als Zeichen des Entgegenkommens wollen die Landwirte nun 18 Lastwagen mit Frischware durchlassen. Alle anderen blockierten Aldi-Lager sollen aber "zu" bleiben. 

Blockade: Die Landwirte belagern weiterhin Aldi-Standorte im Norden. Foto: dpaDittrichBlockade: Die Landwirte belagern weiterhin Aldi-Standorte im Norden. Foto: dpa/Dittrich

Auch Landwirte aus dem Oldenburger Müsterland beteiligen sich an der Aktion

An den Aktionen beteiligen sich auch Landwirte aus dem Oldenburger Münsterland. Gegen Mittag wollen weitere Bauern von Lastrup und Löningen aus mit ihren Treckern Richtung Lingen starten. Das dortige Aldi-Lager wird ebenfalls seit Montagabend blockiert. "Wir unterstützen unsere Kollegen in Hesel", erklärt Christian Lüllmann. Der Löninger hatte zur Beteiligung aufgerufen und war erst am Dienstagmorgen aus Lingen zurückgekehrt. Rund 40 Trecker seien noch vor Ort, sagt er. Wichtig sei, jetzt den Druck aufrecht zu halten.

Kritik übte der Bauernsprecher in Hesel an Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner. Sie war zunächst für ein Vermittlungsgespräch nicht zu erreichen. Ein Bauernsprecher aus Rinteln erklärte, dass Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast noch am Vormittag mit Klöckner über das Thema sprechen werde.

Inzwischen hat Barbara Otte-Kinast eine Erklärung veröffentlicht. „Ich kann den Ärger und die Wut der Landwirte verstehen. Diese Energie möchte ich gerne in die richtigen Bahnen lenken", lässt die Ministerin mitteilen. Um Lösungen zu finden, müssten alle Marktpartner an einen Tisch. Am 13. Januar solle es eine Videokonferenz mit Handel, Verarbeitern und Landwirten geben. Dann werde es um Strategien für Gemüse, Milch und Fleisch gehen. "Ich nehme die Sorgen der Bauern ernst – aber Politik macht keine Preise",  so Otte-Kinast.

Klöckner nimmt Handel in die Pflicht

Am Dienstagnachmittag äußerte sich auch Julia Klöckner zu den Protesten. In ihnen drücke sich einmal mehr das massive Machtungleichgewicht zwischen Erzeugern und dem Handel aus, erklärte die CDU-Politikerin. Sie könne den Unmut der Bauern verstehen. Ihnen gehe es um ihre Existenzen. Klöckner nahm den Handel in die Pflicht. Wer gerne mit regionalen Produkten werbe, müsse diese auch wertschätzen und dafür sorgen, dass die Bauernfamilien von der Produktion leben könnten. Eine Absenkung der Einkaufspreise für Butter sei vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Marktlage in dieser Höhe  kaum zu rechtfertigen.

Klöckner kündigte die Umsetzung der UTP-Richtlinie an. Sie verbietet unlautere Handelspraktiken – etwa kurzfristige Stornierungen, lange Zahlungsziele für verderbliche Waren oder einseitige Änderungen der Lieferbedingungen. Die Politik nahm sie in Schutz. "Wir machen unsere Hausaufgaben, auch, indem wir zum Beispiel mit Corona-Hilfen den Landwirten unter die Arme greifen oder bei neuen Anforderungen für Tierwohl und Umweltschutz Stallumbauten oder technische Modernisierungen finanziell fördern.“

Der Handel sei jetzt gefordert, konkrete Maßnahmen auf den Tisch zu legen, betont die Bundeslandwirtschaftsministerin. „Ich erwarte, dass er jetzt endlich bereit ist, einen Verhaltenskodex mit den Landwirten zu vereinbaren. Zeit genug ist gewesen – uns wurde vom Handel zugesagt, im Januar einen Entwurf für einen solchen Kodex vorzulegen.“

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