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Was die heimischen Trainer von den neuen Handballregeln halten

Nur noch vier statt sechs Pässe beim Zeitspiel, eine noch schnellere Mitte und Strafen bei Kopftreffern – das alles kommt ab dem 1. Juli. Nicht alles stößt bei den Experten auf Begeisterung.

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Mit Tempo nach vorne: Der Kieler Sven Ehrig stürmt beim Finalturnier der Champions League auf Veszprems Torhüter Rodrigo Corrales zu. Die Einführung eines Anwurfkreises soll die schnelle Mitte noch einmal beschleunigen. Foto: dpa / Becker

Mit Tempo nach vorne: Der Kieler Sven Ehrig stürmt beim Finalturnier der Champions League auf Veszprems Torhüter Rodrigo Corrales zu. Die Einführung eines Anwurfkreises soll die schnelle Mitte noch einmal beschleunigen. Foto: dpa / Becker

Zum 1. Juli treten im Handball neue Regeln in Kraft, die das Spiel noch schneller machen sollen. Die wichtigsten: Bei angezeigtem Zeitspiel sind statt sechs nur noch vier Pässe erlaubt. Und bei der „schnellen Mitte“ muss der Spieler nicht mehr mit einem Fuß auf der Mittellinie stehen, sondern nur noch im Mittelkreis. Wir haben Trainer von Mannschaften aus dem Kreis Vechta gefragt, was sie von den Änderungen halten.

Markus Gabler (TV Dinklage, Landesliga Herren): „Es gibt schon Mannschaften, die es schaffen, mit sechs Pässen eine ganze Halbzeit rumzukriegen. Mit sechs Pässen kann man noch eine Konzeption spielen, mit vier Pässen nicht. Trotzdem fände ich es besser, bei sechs Pässen zu bleiben und dem Schiedsrichter die Entscheidung zu überlassen, auch früher abzupfeifen. Bei vier Pässen wird die Spielqualität leiden, es wird mehr wilde Würfe geben. Vieles hängt für mich davon ab, wie schnell die Schiris Zeitspiel anzeigen. Wenn sie großzügig sind, habe ich kein Problem damit. Aber ich befürchte, dass das Gegenteil der Fall sein wird, gerade weil es eine neue Regel ist. Seit es die Sechs-Pässe-Regel gibt, wird gefühlt ja auch viel öfter Zeitspiel angezeigt.

Der Anwurfkreis wird das Spiel noch mal ein wenig schneller machen – aber es ist ja schon extrem schnell geworden in den letzten Jahren. Da wir sowieso Tempo spielen, ist das aber nichts wirklich Neues für uns.

Bei der Bestrafung von Kopftreffern hoffe ich, dass die Schiris es nicht übertreiben. Wenn du gar nicht mehr am Kopf vorbeiwerfen darfst, kann sich der Torwart ja komplett darauf einstellen. Auf den Kopf zu werfen, ist natürlich unsportlich. Aber es gibt auch Spieler, die den Ball am Kopf vorbeilegen. Kim Pansing konnte das zum Beispiel super.“

Christoph Nisius (SFN Vechta, 3. Liga Damen): „Ich finde die neuen Regeln spannend. Die Vier-Pässe-Regel beschleunigt das Spiel und es kann sein, dass Freiwurf-Taktiken wieder relevanter werden. Der Anwurfkreis wird das Spiel noch schneller machen. Wobei es für die Schiedsrichter ein Prozess wird. Sie müssen erst ein Gefühl dafür bekommen, was es heißt, dass der Abwehrspieler den Kreis nicht betreten darf. Und man muss abwarten, wie schnell die Schiedsrichter umschalten können, wenn sie das Tor erst auf ihrer Karte notieren müssen.

"Das hat ein paar Tage geklingelt“Christoph Nisius erinnert sich an einen Kopftreffer von Christian Zeitz

Dass die Torhüter weiter geschützt werden, finde ich als Ex-Torwart sehr gut, zumal es einfach diese Spieler gibt, die so etwas ausnutzen und bewusst auf den Kopf werfen. So ein Kopftreffer ist schon heftig. Ich habe mal in einem Testspiel gegen den THW Kiel bei einem Konter von Christian Zeitz ohne Absicht einen Ball ins Gesicht bekommen. Das hat ein paar Tage geklingelt.“

Thomas Kowalski (GW Mühlen, Landesliga Damen): „Schon die Sechs-Pässe-Regel ist in der Oberliga gar nicht richtig umgesetzt worden. Die meisten Schiris haben da weiter nach Gefühl gepfiffen. Daher glaube ich nicht, dass die Vier-Pässe-Regel in den unteren Ligen wirklich ankommt. Grundsätzlich befürworte ich das aber absolut. Was derzeit bei Männerspielen bei den Profis passiert, ist unsäglich. Wenn Zeitspiel angezeigt ist, schaffen die es, noch eine Minute runterzuspielen. Auch wenn es im unteren Bereich schwer umzusetzen ist: Für mich wäre eine Shot-Clock wie im Basketball die bessere Lösung – und dann 30 Sekunden Zeit ab Überschreiten der Mittellinie.

Den Anwurfkreis finde ich gut. Das ist die konsequente Weiterentwicklung der schnellen Mitte. Das passt zum Spiel und passt in die Zeit.

Die Kopftreffer-Regel ist im Ansatz auch gut, aber unrealistisch. Ist der Torwart jetzt aktiv hingegangen oder nicht – das ist für den Schiri doch ganz schwer zu entscheiden. Und auch wenn ich früher selbst Torwart war: Der Raum um den Kopf herum gehört auch zum Tor.“


Die neuen Handball-Regeln im Überblick:

  • Zeitspiel: Zeigen die Schiedsrichter mit einem gehobenen Arm passives Spiel an, sind ab dem 1. Juli nur noch vier statt wie bisher sechs Pässe erlaubt. Wann die Schiedsrichter den Arm heben, bleibt ihnen überlassen. Auch das Pfeifen von passivem Spiel vor dem vierten Pass ist bei Verstößen möglich. Bei Einwürfen und Freiwürfen ist immer noch ein Zuspiel erlaubt.
  • Schnelle Mitte: Um das Spiel nach einem Tor noch schneller zu machen, wird eine Anwurfzone im Mittelkreis mit einem Durchmesser von vier Metern eingerichtet. Die gegnerischen Spieler müssen sich außerhalb des Kreises befinden und dürfen Ball oder Gegner nicht berühren, bis der Anwurf ausgeführt ist. Bisher musste ein Spieler mit einem Fuß auf der Mittellinie stehen, um den Anwurf ausführen zu können.
  • Kopftreffer: Wirft ein Spieler aus einer freien Spielsituation und trifft den Kopf des Torhüters, kann er hinausgestellt werden. Als frei gilt eine Situation, wenn sich zwischen Werfer und Torhüter kein Abwehrspieler befindet. Die Regel gilt nicht, wenn der Torwart seinen Kopf in Richtung Ball bewegt. Kopftreffer konnten bisher nur bei Siebenmetern geahndet werden.
  • Ballgröße: Laut Weltverband IHF dürfen Bälle, die ohne Harz gespielt werden, künftig kleiner und leichter sein als Bälle mit Harz. Der Deutsche Handballbund (DHB) setzt diese Regel aber nicht um – es soll jedoch eine Arbeitsgruppe zu dem Thema geben.

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